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Rehan Stanton Er arbeitete als Müllmann, um seinen Vater zu unterstützen – jetzt geht er nach Harvard


Früher war Rehan Stanton ein guter Schüler – bis seine Mutter ihn verließ und sein Vater den Job verlor. Doch er gab nicht auf und schaffte es mit Hilfe seiner Familie und einiger Kollegen bis nach Harvard.

Seine Geschichte hat ein bisschen was von Aschenputtel: Als Rehan Stanton ein kleiner Junge war, hätte er sich ein behüteteres Leben wünschen können. Seine Eltern verdienten gut, er besuchte eine Privatschule und hatte sogar einen persönlichen Nachhilfelehrer. Doch alles änderte sich, als seine Mutter das Land verließ und sein Vater seinen Job verlor. 

Mit einem Mal lauteten die zentralen Fragen im Leben von Rehan und seinem großen Bruder Reggie nicht mehr "Was wollen wir heute mit unseren Freunden unternehmen?" sondern "Was werden wir heute essen?" und "Wie warm müssen wir uns anziehen, damit wir heute Nacht trotz fehlender Heizungswärme schlafen können?" Auch Rehans Noten, die bislang immer sehr gut gewesen waren, litten unter den neuen Umständen: "Ich war immer wütend und hungrig. Es beeinflusste meine Arbeit in der Schule und ich wurde immer schlechter", so Rehan zu "Good Morning America". Er sei schnell von einem der Klassenbesten zu einem der Klassenschwächsten geworden und habe im Unterricht häufig geschlafen, weil es dort warm gewesen sei.

Um seinen sehr intelligenten Sohn zu unterstützen, bat Rehans Vater in einem lokalen Jugendzentrum um Hilfe. Ein Raumfahrtingenieur bot an, dem Jungen umsonst Nachhilfeunterricht zu geben, was Rehan wieder an die Spitze der Klasse hievte: "Er war wie ein Onkel oder Patenonkel und gab mir manchmal sogar Essen oder einen Schlafplatz. Aber nachdem der Nachhilfeunterricht endete, litten auch meine Noten wieder."

Er begann mit dem Boxen, doch eine Verletzung beendete seine Karriere jäh

Schließlich begann Rehan mit dem Boxen, einem Sport, der ihn durch die Highschool-Jahre trug. "Ich dachte immer, dass Kämpfen mein Weg nach draußen sein würde", schreibt Rehan hierzu auf seiner Instagram-Seite. Doch eine Sehnenscheidenentzündung in beiden Schultern beendete seine Karriere jäh. Zwar hätte die Entzündung mit Physiotherapie behandelt werden können, doch dafür fehlte schlicht das Geld. Um seinen Vater finanziell unterstützen zu können, nahm Rehan schließlich einen Job als Müllmann an. 

Die anderen Mitarbeiter dort hätten ihn immer wieder gefragt, was ein Junge mit seinem Intellekt in diesem Beruf machen würde, erinnert Rehan sich: "Sie sagten: Du bist schlau, du bist zu jung, um hier zu sein. Geh studieren und komm nur wieder, wenn es nicht funktioniert."

Und nicht nur das: Seine Kollegen sprachen sogar mit den Chefs der Sanierungsfirma, die Rehan daraufhin den Kontakt eines Professoren an der Bowie State University organisierten. Die Universität hatte den jungen Mann wenige Monate zuvor abgelehnt, doch der Professor war so beeindruckt von Rehan, dass er das Aufnahmekommittee davon überzeugte, ihm dennoch eine Chance zu geben.

Doch Geld blieb weiterhin ein Problem. Einer der beiden Brüder musste Vollzeit arbeiten, um dem Vater finanziell zu helfen, wenn die Familie das Haus behalten wollte. Also entschied sich Rehans großer Bruder Reggie dazu, die Universität zu verlassen, um seinem talentierten kleinen Bruder bessere Chancen geben zu können. Eine Entscheidung, die es Rehan erlaubte, schließlich an die Maryland University zu wechseln, wo er nicht nur 2018 seinen Abschluss machte, sondern sogar die Abschlussrede seiner Klasse hielt – obwohl er neben der Schule noch immer als Müllmann arbeitete. 

Im März folgte die Krönung der harten Arbeit der gesamten Familie: Nachdem er erfolgreich den "Law School Admission Test" absolvierte, bewarb er sich an zahlreichen rechtswissenschaftlichen Fakultäten und fand im März heraus, dass all seine favorisierten Schulen ihn angenommen hatten: die University of Southern California, die Columbia University in New York, die University of Pennsylvania – und die Harvard Law School. "Es war ein komplett surrealer Moment", so Rehan Staton zu "Good Morning America". Es fühle sich an, "als wären die Opfer, die mein Bruder und mein Vater gemacht haben nicht umsonst gewesen. Wir haben es geschafft."

In diesem Herbst wird der inzwischen 24-jährige Rehan Stanton also sein Studium an der Harvard Law School aufnehmen und hat eine wichtige Nachricht für alle, die sich mit schwierigen Zeiten konfrontiert sehen: "Liebe dich selbst genug, um die Dinge zu erreichen, die du im Leben erreichen willst. Man kann immer irgendwie das Licht in dunklen Zeiten sehen – daran muss man sich festhalten."

Quellen: "Good Morning America", Instagram Rehan Stanton

jgs

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