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Geplante Doku "Fattitude": Schluss mit Dicken-Diskriminierung

Zwei Filmemacherinnen planen eine Doku, die sich kritisch mit dem gängigen Schönheitsideal auseinandersetzt und mit der Diskriminierung dicker Menschen aufräumen soll. Was ist dran an "Fattitude"?

Sie wollen die Diskriminierung dicker Menschen beenden - dazu haben die amerikanischen Filmemacherinnen und Feministinnen Lindsey Averill und Viridiana Lieberman die Aktion "Fattitude" ins Leben gerufen. Die beiden planen einen Dokumentarfilm, der "Fetthass gegen Körperakzeptanz" austauschen und eine breitere Öffentlichkeit für die Vorurteile sensibilisieren soll, mit denen Dicke täglich konfrontiert sind. So bekämen dicke Menschen laut Averill und Lieberman beispielsweise umgerechnet knapp einen Euro weniger Stundenlohn als schlanke Kollegen. Und sie seien in "Filmen und Kinderbüchern immer die Bösen." In vielen Serien werde ihnen höchstens die Rolle des Clowns oder der gemütlichen besten Freundin zugedacht.

Steile Thesen

Doch nicht alle Thesen in dem Trailer, mit dem die Filmemacherinnen um Spenden für die Doku werben, klingen so nachvollziehbar. Autorin Linda Bacon sagt zum Beispiel im Interview: "Wir haben einen kulturell stark verankerten Glauben, dass Fett schlecht ist und uns umbringt - aber es gibt kaum Beweise, die diese Behauptungen unterfüttern." Dem entgegen stehen laut der Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit rund 300 Millionen fettleibige Menschen, die an Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Herz-Kreislauf-Krankheiten leiden. Und in vielen Fällen auch an den Folgen sterben.

Eine weitere, auch eher strittige Theorie stellt die Endokrinologin Dianne Budd auf. Sie spricht von einer Art gesellschaftlichen Komplotts, der Frauen im Hinblick auf das Setzen eigener Prioritäten beinahe entmündigt - weil sie angeblich so sehr auf ihren Körper fixiert seien: "Es geht darum, Frauen zu schwächen und sie dazu zu bringen, sich auf etwas Irrelevantes zu konzentrieren. Weil sie dann nicht so mächtig in der Welt werden."

Schön ist, was schwierig ist

Einen wichtigen, guten Aspekt spricht hingegen die Autorin Lynne Gerber an. Sie sieht das aktuelle Schönheitsideal als Distinktionsmerkmal kulturell verankert und erklärt: "In Zeiten, als Gewichtszunahme schwierig zu erreichen war, wurden fette Körper wertgeschätzt. Heutzutage, wo dünnere Körper schwierig zu erhalten sind und stärker wertgeschätzt werden, werden eben sie zur Währung."

Keine Frage: Das unerreichbare Bild, das Popkultur und Medien von weiblicher Attraktivität zeichnen, begünstigt in vielen Fällen ein gestörtes Verhältnis zum eigenen Körper. Bizarre Schönheits-Ideale wie Thighgap und Bikini-Bridges braucht niemand. Nichtsdestotrotz ist hohes Übergewicht ein Problem, besonders in westlichen Ländern.

Doch unseren Umgang mit Menschen, die optisch von der so genannten Norm abweichen - seien sie dick oder dünn - grundsätzlich zu hinterfragen, kann nicht schaden. Denn jede Frau und jeder Mann sollte mit Stolz und Selbstbewusstsein das Gewicht und die Figur haben dürfen, mit der er oder sie sich wohl und gesund fühlt. Oder, wie die Burlesque-Tänzerin Magnoliah Black es in dem Clip ausdrückt: "Du kannst ein fetter Mensch und dabei phänomenal sein."

Um ihre Dokumentation drehen zu können, brauchen Lindsey Averill und Viridiana Lieberman noch Geld, das sie über Crowdfunding einsammeln wollen. Umgerechnet knapp 24.500 Euro von erforderlichen 27.500 Euro haben sie für "Fattitude" schon zusammen, die Aktion läuft noch bis zum 25. Mai 2014.

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