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Glosse

Geschenke für Große: Wenn der Wunschzettel nur noch einer Bestellliste gleicht

Weihnachten ist ja schön. Wenn man nur nicht dauernd diese ganzen Geschenke besorgen müsste – die leider kein Spielzeug mehr sind.

Ein Weihnachtsmann guckt verwundert auf einen Wunschzettel

Den Wunschzettel der erwachsenen Kinder abzuarbeiten, fühlt sich nicht mehr nach Weihnachten an. Und dann kommt noch die größte Herausforderung: Was schenkt man der eigenen Frau?

Ach, als die Kinder noch klein waren, ging das alles ja so leicht mit dem Schenken. Der Heilige Abend war nicht gefährdet. Man wusste ja, dass sich die Lütten über Playmobil-Piratenschiffe oder Lego-Paläste freuen würden. Gut, beim Zusammenbau der jeweiligen Konstruktionen konnte es schon mal schwierig werden. Ich bin mal vor etlichen Jahren verzweifelt über einem Raketenwerfer zusammengebrochen. Er gehörte zum Abwehr-Repertoire einer Lego-Raumstation, deren finaler Zusammenbau mir auch gegen 23 Uhr am Festabend nicht gelingen wollte. Ich saß erschöpft inmitten hunderter Kleinteile und sah in die übermüdeten und enttäuschten Augen meines Jüngsten. Würde er an diesem Abend den Glauben an seinen Vater verlieren? Eine höhnische innere Stimme raunte mir zu: "Niemand hat die Absicht, eine Raumstation zu errichten".

Meine Frau konnte auch nicht helfen. Das Piratenschiff des Erstgeborenen, welches sie zusammenzubauen versuchte, krankte schwer an der Takelage. Vor zwei Uhr würde der schöne Schoner nicht in See stechen können. Die Beschenkten erlebten die Fertigstellung der Präsente an diesem Abend nicht mehr bei Sinnen, weil sie bereits schlafend am Boden lagen. Aber egal. Am Ersten Weihnachtstag stand dann doch alles fertig im Wohnzimmer und die Freude war groß.

Früher war alles besser

Was waren diese kleinen Irritationen doch harmlos gegen die Unbill mit den heutigen Schenkungen. Die Kinder, längst erwachsene Menschen, schicken per Mail detaillierte Wunschlisten, auf denen u.a. allerlei hippes, technisches Gerät aus dem digitalen Zeitalter steht. Und wir Eltern müssen dann zum Elektronik-Markt, dort wie die Deppen nach einer "Powerbank mit 20.000 mAh" fragen und uns damit als Ötizs der Informationsgesellschaft outen. Der Rest vom Wunschzettel – Kleidung, Kosmetika, Fachliteratur etc. – wird dann elterlicherseits abgearbeitet und am Weihnachtsabend von den Kindern ausgepackt. Der Überraschungseffekt ist natürlich enorm.

Aber auch der erwachsene Nachwuchs muss ja schenken. Eine krakelige Zeichnung mit Strichmännchen und Blumen sowie der Aufschrift "Froe weinachtn" reicht ja nun wirklich nicht mehr. Gern kriegt man Gutscheine fürs Holzhacken, ein Abendessen in der WG oder Hilfe beim Frühjahrsputz. Soll man sich dann freuen oder vergnatzt auf die Schublade hinweisen, in der bereits gebündelt zwanzig nicht eingelöste Gutscheine wie zweifelhafte Subprime-Kredite aus der letzten Finanzkrise lagern?

Und dann noch die eigene Frau

Und was schenken sich die Eheleute selbst? Man hat ja alles, was man zum Leben braucht. Schon die Frage "Was wünschst du dir?“ sorgt wechselseitig für Unruhe. Was sagt man jetzt? Fällt einem wirklich nichts mehr ein, um die üblichen Socken, Hemden, Blusen oder Pullis zu verhindern? Kriegt die Gattin wieder ihren Standard-Duft oder wagt man mal was Neues? Nicht ungefährlich. Ich erinnere mich, dass meine Mutter mal ein Parfüm, das ihr mein Vater geschenkt hatte, nur halb im Scherz als "Nutten-Diesel" schmähte.

Hier ein kleiner Tipp für Männer: Wenn man mal mit der Gattin einkaufen geht, einfach ein bisschen besser aufpassen und nicht bei der Damenbekleidung in den geistigen Ruhezustand schalten und im Stehen dösen. Denn hier gibt es wertvolle Tipps: Wo verweilt die Frau länger? Welche Marken präferiert sie? Welches Kleidungsstück untersucht sie akribisch und sieht dabei zufrieden aus? Das kann man dann später getrost kaufen, falls die Partnerin sich doch nicht zum Kauf durchringen konnte. Und schön aufpassen bei der Größe! Wenn die Gattin 38 hat und Sie 40 schenken, dekodiert die Frau das zur vermeintlichen Botschaft "Du fette Sau".

Aber irgendwann ist man dann ja mit dem Schenken durch und der behagliche Schauer der Besinnlichkeit legt sich über die satte Familie. Bis einer fragt: "Und was macht ihr Silvester?"


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