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"Tannöd"-Autorin Andrea Schenkel und Schwester: Geschwister, die geliebten Feinde

Keine Beziehung ist länger als die zu unseren Geschwistern. Vor allem ist sie nicht immer unproblematisch, besonders bei Prominenten. Bestseller-Autorin Andrea Schenkel und ihre Schwester erzählen.

Von Irmgard Hochreither

Beststeller-Autorin Andrea Schenkel (rechts) sagt über ihre ältere Schwester Ingrid: "Sie war die große Schwester mit allen Vor- und Nachteilen."

Beststeller-Autorin Andrea Schenkel (rechts) sagt über ihre ältere Schwester Ingrid: "Sie war die große Schwester mit allen Vor- und Nachteilen."

Wir lieben und wir hassen sie, sie sind Weggefährten und Konkurrenten: Geschwister. Im neuen stern>/i> lesen Sie die große Geschichte zu diesem nicht immer unproblematischen "Bund fürs Leben". Prominente und ihre Brüder und Schwestern erzählen von ihrer Beziehung. Ein kleiner Vorgeschmack: die Bestseller-Autorin Andrea Schenkel und ihre Schwester Ingrid.

Andrea Schenkel, Schriftstellerin ("Tannöd"), 52

Ingrid war die große Schwester mit allen Vor- und Nachteilen. Sie hat sich für mich eingesetzt, wenn nötig, wollte aber auch bestimmen, wo es lang geht und was ich machen soll. Manchmal war ich auch nur der lästige Klotz am (Teenager-)Bein, wie alle kleinen nervigen Geschwister halt. Ingrid fühlte sich aber immer verantwortlich, immer in der Pflicht. Manchmal schoss sie dabei über das Ziel hinaus. Sie war meine Schwester, eben nicht Vater oder Mutter. Aus diesem Gefühl, sich in der Pflicht zu sehen oder Verantwortung tragen zu müssen, sind damals die meisten Konflikte entstanden. Die größte Freude war, wenn sie einfach nur Schwester war und sich Zeit für mich nahm.

Unser Verhältnis heute ist sehr entspannt. Wir schätzen und lieben einander sehr, keine muss der anderen etwas beweisen. Wir verstehen uns einfach. Alles ist wesentlich entspannter geworden. Meine Bucherfolge haben geholfen, aus dem Schatten der kleinen Schwester heraus zu reten. Ob es am Alter liegt oder an anderen Gründen, weiß ich nicht. Ist auch unwichtig. Ingrid, das heißt für mich: Familie, Zuneigung, Wärme, nicht allein sein, sich blind auf den anderen verlassen zu können und so angenommen zu werden wie man ist, mit Stärken und Schwächen. Offene Rechnungen gibt es keine mehr. Diese Schlachten sind mittlerweile geschlagen, begraben und vergessen.

Ingrid Glatz, 58 Jahre alt, Einzelhandelskauffrau und Hausfrau

Ich bin sechs Jahre älter als Andrea, eine Spielgefährtin war sie daher für mich eher selten. Anfang war große Eifersucht da, schließlich war ich über die ersten sechs Jahre immer die Prinzessin. In der Zeit der Pubertät hat sie mich oft genervt. Heute ist es ein sehr schönes, inniges von gegenseitigem Verständnis geprägtes Miteinander.

Konflikte gab es wegen des Altersunterschieds eher selten, ich kann mich an keinen größeren erinnern. Die größten Freuden waren die traditionellen Feste und unsere Geburtstage, im Sommer noch die Badeausflüge an den nahen Fluss Regen. Ansonsten wurden wir nicht so bespaßt, wie die Kinder heutzutage.

Als Andrea erfolgreich als Schriftstellerin wurde, hatte ich anfangs das Gefühl, sie würde sich etwas distanzieren. Aber als ich dann mit ihr auf einer Lese- und Interviewreise war, habe ich den Stress und die ständige Präsenz, die sie zeigen muss, und auch ihr Verhalten besser verstanden.

Andrea kennt mich mittlerweile von allen Menschen am längsten, von unserer Familie leben nur noch wir zwei. Neben meinem Mann ist sie meine beste Ratgeberin und sie darf auch offene und hart Kritik üben. Ungeklärte Dinge zwischen uns gibt es nicht. Ich muss meiner Schwester nichts heimzahlen, was früher geschah. Vielleicht sieht das Andrea aber anders, ich war manchmal eine ziemliche Zicke.

Im neuen stern lesen Sie die große Geschichte zu diesem nicht immer unproblematischen "Bund fürs Leben".

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