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Graphic Novel "California Dreamin'": Wenn die Bühne dich ruft, musst du folgen

Schon als Kind wollte "Mama Cass" Sängerin werden, erzählt die Französin Pénélope Bagieu. Ihre liebevolle Graphic Novel rund um die große Stimme von The Mamas and the Papas entführt in die Hippiewelt aus Folkmusik, Liebe, Drogen und – Streit.

Cass Elliot im Bühnenkostüm

Cass Elliot, die starke Stimme von The Mamas & the Papas, liebte ihre Kleider und Bühnen-Outfits

Die Ohrwürmer kriechen einem in den Gehörgang, sobald man nur die Songtitel hört: "California Dreamin'" und "Monday, Monday" kennen selbst Generationen, die erst weit nach den 1960er Jahren auf die Welt gekommen sind. The Mamas and the Papas, die Kult-Band dieser und weiterer Hits, stehen für das Revival der Folkmusik – wie Bob Dylan und Joan Baez. Ihre Geschichte erzählt die französische Illustratorin Pénélope Bagieu in der Graphic Novel "California Dreamin'", indem sie sich dem Leben eines der beiden weiblichen Bandmitglieder widmet, "Mama Cass". Die schillernde Sängerin kam 1941 in Baltimore zur Welt und hörte ursprünglich auf den Namen Ellen Naomi Cohen. 

Bagieu zeichnet ihr Leben mit seinen Höhen und Tiefen in zärtlich gesetzten Akzenten – ohne Anspruch auf historische Vollständigkeit. So wächst dem Leser mit Ellen ein Mensch ans Herz, dem uneingeschränkte Sympathie gehört. Er begleitet sie durch die Eifersucht bei der Geburt ihrer kleinen Schwester, die Streits mit der Mutter und verbringt mit ihr die unterhaltsamen Abende mit dem geliebten Vater, der selbst gern Sänger geworden wäre. In der Graphic Novel erzählt er seinen Töchtern von Florence Foster Jenkins – der Frau mit der unbegabtesten Singstimme der Welt, die Opernsängerin werden wollte – und gibt mit ihr ein Beispiel dafür, dass jeder seinen Traum leben kann, wenn er nur will (und immense Reichtümer geerbt hat). 

Illustration Florence Foster Jenkins

Cass Elliot, wie sich Ellen nannte, als sie mit 19 Jahren ihre Heimatstadt verließ und nach New York zog, war eine für die Beat Generation sehr ungewöhnliche Gestalt auf der Bühne. Schaut man sich einen Zusammenschnitt aus alten Filmen an, bestätigt sich das Bild von Bagieu: Sie war eine Ausnahmeerscheinung. 

Cass hatte es nicht leicht. Sie litt unter ihrer Figur und verliebte sich in die falschen Männer, von denen sie sich verschmäht fühlte.

Plötzlich zu viert

Sie musizierte mit Denny Doherty, den sie liebte, in einer Band namens Mugwumps, als die beiden 1964 John Phillips kennenlernen. Dessen Frau Michelle, eine blonde Schönheit aus Kalifornien, begleitet die Musiker auf einem Trip in die Karibik – für Cass ein Grund zur Eifersucht. Als sie zu viert bei dem Plattenproduzenten Lou Adler auftauchen, um ihm "California Dreamin'" vorzuspielen, fügt dieser Michelle kurzerhand der Gruppe hinzu und rät zu einem neuen Bandnamen, "irgendwas mit 'The'". Und die (kurze) Erfolgsgeschichte von The Mamas and the Papas beginnt. 

Illustration von der Entstehung des Songs "California Dreamin'"

"Ich wiederhole einfach, was du singst, John!" Mit "California Dreamin'" begann die Erfolgsgeschichte von The Mamas & The Papas.

Cass Elliot in der Blütezeit der Beat Generation, der Hippies, der Musik und der psychedelischen Drogen zu begleiten, kommt einer Zeitreise gleich, die man nach rund 270 Seiten nur ungern beendet. Trotz der Schwarzweiß-Gestaltung taucht der Leser in eine bunte Welt von Exzessen, kreativen Brainstorms, Eifersüchteleien und entspannter Abhängerei ein. Die Illustratorin bleibt stets dicht am Herzen ihrer Hauptfigur und schreibt ihr die entscheidende Idee für den Erfolg von "California Dreamin'" zu – die Wiederholung der Textzeilen mit einer zweiten Stimme. Der Leser glaubt Bagieu das sofort – und gern.  

Illustration Cass Elliot

Immer in Bewegung: Cass Elliot verzaubert ihr Publikum

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