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Das Ende der Hebammen: "Werdet schwanger, schnell!"

Weil die Gruppenhaftpflicht im nächsten Sommer abläuft, haben Hebammen einen Rat für alle Frauen mit Kinderwunsch: Werdet möglichst schnell schwanger! Sonst wird es nix mit der Rundumbetreuung oder der Hausgeburt.

Paar küsst sich

Jetzt oder nie!

"Werte Damen im gebärfähigen Alter, sollten Sie im Falle einer Schwangerschaft noch mit einer 100%igen Sicherheit in den Genuss sämtlich möglicher Hebammenleistungen - inklusive Haus-, Geburtshaus- oder Beleggeburt - kommen wollen, dann sollte der erste Tag Ihrer Periode spätestens am 6.9.2015 gewesen sein und Sie sollten in diesem Zyklus schwanger werden!" So beginnt der Appell von Jessica Strickmann, Hebamme von Beruf. "Nur so ist es sicher […], dass Ihr Kind vor dem 1.7.2016 geboren wird. An diesem Tag um 12 Uhr läuft meine Versicherung aus. Es ist weiterhin ungeklärt, ob oder wie es dann weitergeht." Ihre Aufforderung: "Also bitte haben Sie SEX! Am besten ab jetzt alle 2-3 Tage."

Dieser so sympathisch klingende Aufruf hat einen ernsten Hintergrund und gehört zu einer Petition, die auf die Situation von Hebammen in Deutschland aufmerksam machen möchte. Seit Monaten laufen Verhandlungen zwischen Hebammen, Versicherungen und Gesundheitsministerium zur zukünftigen Haftpflichtregelung, da die Gruppenhaftpflichtversicherung des Deutschen Hebammenverbandes nächsten Sommer ausläuft. Dann werden sich freiberufliche Hebammen nicht mehr versichern können, was bedeutet, dass sie ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Etwa 60 Prozent der Hebammen in Deutschland arbeiten freiberuflich, viele von ihnen zusätzlich zu einer festen Stelle.

Schon jetzt zu wenig Hebammen

Doch trotz dieser alarmierenden Zahlen ist nach wie vor unklar, wie es nach dem 1.7.2016 mit der Geburtshilfe in Deutschland weitergehen soll. Von offizieller Seite wird versprochen, dass schon alles irgendwie gutgehen werde, natürlich brauche man die Hebammen. Das Gefühl haben diese aber nicht. Sie rechnen seit Langem mit dem Schlimmsten, dem Ende ihres Berufsstandes.

Schließlich haben schon jetzt schwangere Frauen oft große Problem, eine Hebamme zu finden, die sie vor, während und nach der Geburt betreut. Egal, ob auf dem Land oder in der Stadt - eine Unterversorgung ist klar zu erkennen. Laut Deutschem Hebammenverband gibt es heute bereits 25 Prozent weniger freiberufliche Hebammen als noch 2009. Monat für Monat sehen sich Geburtshelferinnen gezwungen, ihren Job aufgrund gestiegener Haftpflichtprämien aufzugeben. Eine Lösung scheint nicht in Sicht. 

vim

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