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Neuauflage "Die Insel" Heidenau, es gibt ein Buch für dich!


Zu einem passenderen Zeitpunkt hätte die Neuauflage des Kinderbuches kaum erscheinen können: "Die Insel" erzählt von der Ankunft eines Menschen auf einer Insel und den Problemen der Bewohner damit. Denn er ist nicht wie sie.
Von Susanne Baller

Die Angst vor dem Fremden sitzt tief. Ebenso tief wie Mitgefühl, Menschlichkeit und Mut. So muss es sein, denn sonst gäbe es in Deutschland nicht die Hater und die Hilfsbereiten. Die Braunen, Engstirnigen, Dummen, die gewalttätig werden und die anderen, die Kleiderberge sortieren und sich an Integration versuchen. Die ihre Schränke nach Entbehrlichem durchgucken und Windeln und Zahnbürsten kaufen. Für Fremde. Und es gäbe nicht die große Masse in der Mitte, die ein indifferentes Gefühl hat. Keine richtige Angst, ein bisschen Mitgefühl und leider überhaupt keinen Mut. Die sich Sorgen machen, um Deutschland, um die Wirtschaft, um was auch immer.

Heidenau hat nur 16.151 Einwohner, zumindest war das der Stand am 31. Dezember 2013. Der Sauerländer Verlag könnte vielleicht eine Tranche von "Die Insel", das gerade neu aufgelegt wurde, dorthin schicken. Ein Exemplar an alle Eltern, damit sie es mit ihren Kindern anschauen und besprechen können. Und je eins an jene, die sich an den fremdenfeindlichen Ausschreitungen gegen die Unterbringung von Asylbewerbern beteiligt haben. An die 1000 Menschen, die an der NPD-Demo teilgenommen haben. An die Hunderte, die Polizeibeamte angegriffen haben, die zum Schutz der Flüchtlinge eingesetzt worden sind. Vielleicht besteht bei den Rechtsextremen ja noch Hoffnung. Armin Greders Buch könnte ihre letzte Chance sein, ein Fünkchen Menschlichkeit in sich zu entdecken. Es ist ein Kinderbuch, ab acht Jahren, sie müssten gar nicht viel lesen.

Angst baut Mauern

Das Misstrauen gegen den Fremden, der auf ihrer Insel strandet, ist groß. Die Bewohner wissen nicht, wohin mit ihm, was mit ihm anfangen. Also isolieren sie ihn in einer Hütte an einem abgelegenen Ort. Doch nach ein paar Tagen hat der Fremde Hunger, abgemagert steht er vor ihnen. Die Insulaner kriegen Angst. Er könnte etwas gegen sie im Schilde führen, wer weiß das schon? Sie wollen ihm weder Essen noch Arbeit geben. Allein der Fischer, der auch dafür plädiert hatte, ihn nicht einfach wieder aufs Meers zu schicken, setzt sich erneut für ihn ein. Doch ohne Erfolg. Im Gegenteil: Ihm wird sein Boot angezündet. Und es werden Mauern gebaut. Dieses Kinderbuch hat kein Happy End.

Mehrfach ausgezeichnet

Der Autor und Illustrator Armin Greder kam 1942 im schweizerischen Biel auf die Welt und wanderte 1971 nach Brisbane in Australien aus. Er lehrte dort am College of Art Grafik und Illustration. "Die Insel" erschien 2002 und wurde mit diversen Preisen ausgezeichnet (damals war die Lesempfehlung noch ab sechs Jahren). Auf wenigen Seiten, mit wenig Text und mit Kohlezeichnungen von großer Intensität schafft Greder es, eine bedrohliche Stimmung zu erzeugen, die den Bildern aus Heidenau in nichts nachsteht. Die Neuauflage kommt genau zur rechten Zeit.


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