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Versetzung nach 28 Jahren: Hessisches Dorf demonstriert für seinen Paketboten

Weil die Post ihre Zustellbezirke neu einteilt, soll Helmut Becker einen neuen Auslieferungsbereich erhalten. Doch die Worfeldener wollen ihren Paketzusteller nicht gehen lassen und demonstrieren. Sie haben gute Gründe.

Paketzusteller Helmut Becker schaut auf 200 Demonstranten, die fordern, dass er bleiben darf

Demo im Dorf: Helmut soll Paketzusteller in Worfelden bleiben!

Helmut hält das Dorf zusammen, könnte man denken, wenn man sich den unglaublich rührenden Beitrag des Hessischen Rundfunks anschaut, in dem sich 200 Leute versammeln und ihrem Paketzusteller ihre Sympathie bekunden. Seit 28 Jahren liefert Helmut Becker in Büttelborn-Worfelden die Pakete aus und kennt deshalb jede Familie. Der 56-Jährige weiß, wo gerade ein Kleinkind einschläft und klingelt deshalb nicht, dort klopft er. Er weiß auch, wer tagsüber nicht zu Hause ist und hat deshalb von manchen Familien den Haustürschlüssel. Denn ihre Post sollen auch die bekommen, die arbeiten.

Nun hat die Post ihre Zustellgebiete neu aufgeteilt und will Helmut ab Anfang August im zehn Kilometer entfernt liegenden Mörfelden-Walldorf einsetzen. Die Reaktion der Worfeldener dürfte die DHL überrascht haben - sie wollen IHREN Postboten auf keinen Fall gehen lassen. Mehr als 2000 Unterschriften haben die Dorfbewohner gesammelt, damit Helmut bleibt. "Er ist so nett, man kann's gar nicht beschreiben", sagt ein kleines Mädchen in dem Bericht. "Ich wohn jetzt schon 19 Jahre in Worfelden, der gehört dazu!", beteuert eine ältere Dame. "Worfelden ohne Helmut geht nicht", sagt eine Dritte.

Helmut ist gerührt

Der Postbote muss sich die Tränen aus dem Gesicht wischen, als er die Plakate sieht, die die Worfeldener für ihn gemacht haben. Der Zuspruch der Dorfbewohner überwältigt ihn. "Isch mach' doch nur mei Arbeit", sagt er. Aber die macht er offenbar besser, liebevoller und leidenschaftlicher als manch anderer. 


Noch hält die Post es für ausgeschlossen, dass Helmut in seinem Dorf bleiben kann. "Die Neuzuschneidung der Zustellbezirke ist Teil einer umfänglicheren Maßnahme", heißt es. "Deshalb ist ein simpler 1:1-Tausch in diesem Fall leider nicht möglich", wimmelt sie den Vorschlag ab, ein anderer könne ja nach Mörfelden gehen. Die Post droht dem Zusteller sogar mit disziplinarischen Maßnahmen, weil er mit seinem Anliegen an die Presse geht, heißt es in dem Bericht des HR.

Doch wenn die Post eine gute PR-Abteilung hat, nutzt sie den Rummel um den beliebten Mann - indem sie Herz zeigt und ein Fünkchen Flexibilität. Damit Helmut bleiben kann, wo er gebraucht und geliebt wird.

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