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Modetrends Die Hüfthose erlebt ihr Comeback – und das ist eigentlich ganz geil

Hilfe, die Hüfthose kommt zurück (Foto von 2001 aus London)
Hilfe, die Hüfthose kommt zurück (Foto von 2001 aus London)
© Tom Oldham / Picture Alliance
Viele haben es schon munkeln hören: Die Hüftjeans kommt zurück. Warum das gar nicht so schlimm ist, was man dabei beachten sollte und weshalb High Waist eh nicht die Lösung für alles ist.

Man hört und liest es längst überall: Die Hüfthose wird schon bald ihr großes Comeback feiern. Meist wird diese Ankündigung mit abfälligen Kommentaren kombiniert, oder einem angeekelt verzogenen Gesicht. Aber so wie ihr ob dieser Prophezeiung jetzt womöglich guckt, genau so hat mich vor wenigen Tagen meine Mutter angeguckt, als ich ihr erzählt habe, dass die hippen Kids in den Städten aktuell Karottenjeans tragen. Karottenjeans. Dass ein Trend scheiße ist, weiß man in der Regel eben nur, wenn man ihn schon beim ersten Mal miterlebt hat. Und seit den Baggypants ist keine Hosenmode mehr wirklich neu gewesen. The circle of life, alles kommt zurück.

So sehen coole Kids (vielleicht bald wieder) aus
So sehen coole Kids (vielleicht bald wieder) aus
© Ted Polhemus / Picture Alliance

Ja. Einst, so 2002, als wir fröhlich mit unseren Hüfthosen durch die Welt spaziert sind und schambefreit vor den Kneipen auf den Bürgersteigen saßen und der Menschheit unser Maurerdekoletee präsentierten, da hätten wir uns nicht ausmalen können, dass nur wenig später Skinny Jeans in Stiefeln zum gesellschaftlichen Konsens werden würden. Und als wir uns schließlich etwas ratlos in Skinny Jeans gepresst hatten, passierte der komplette Kollaps des guten Geschmacks und junge Frauen vergaßen alle Lehren, die man aus den späten 80ern hätte ziehen können – und trugen plötzlich Longshirts und Leggings. Leggings. Hätte man nur vier, fünf Jahre zuvor das albernste Outfit der Welt beschreiben müssen, es hätte Leggings beinhaltet.

Nein, Karottenjeans sind nicht die Lösung

Aber das nur deshalb, weil wir uns bollerige Karottenjeans nicht mal als ernsthafte Option hätten vorstellen können. Es gibt eine wunderbare Website, auf die hier kurz verwiesen werden soll, die die berühmt-berüchtigten Foto-Love-Stories der berühmt-berüchtigten Jugendmagazine der 80er, 90er und 2000er auf die Schippe nimmt. Dort kramte man 2013 eine solche Story aus dem Jahr 1990 aus dem Archiv, und ich erinnere mich lebhaft, wie ich damals dachte: DAS haben hippe junge Menschen damals ERNSTHAFT angezogen? WOLLTEN die um jeden Preis aussehen, als hätten sie keinerlei Silhouette? Bollerhose, Bollerschuhe, Bollerpulli. Lächerlich! Wenn ich heute draufgucke, sieht es aus, als wären die Fotos gerade eben auf der Straße gemacht worden, also style-technisch. Damals unvorstellbar, heute ganz normal.

Vielleicht gibt's für Jeanette Biedermann ja mal ein ähnliches Comeback wie für ihre Hose
Vielleicht gibt's für Jeanette Biedermann ja mal ein ähnliches Comeback wie für ihre Hose
© Nestor Bachmann / Picture Alliance

Erstes Fazit also: Der Trend, über den ihr euch heute so lustig macht, ist halt in ein paar Monaten einfach Konsens, und dann findet ihr ihn plötzlich auch gar nicht mehr so lustig. Zweites Fazit: Dass etwas modischer Konsens ist, hat absolut nichts damit zu tun, dass es gut aussieht. Und, drittens, meine persönliche Meinung dazu: High-Waist-Karottenjeans sind einfach mindestens genauso schlimm wie zu tief sitzende Hüfthosen. Sie tun genauso wenig für eure Figur, egal welche ihr so habt. Ihr habt euch halt bloß dran gewöhnt.

Und so trägt man sie

Es gibt ein paar gute Gründe, warum Hüftjeans gar nicht so katastrophal sind, wie ihr vielleicht denkt. Damit sie funktionieren, gibt es allerdings einige Regeln.

1.) Man muss sie gottseidank nicht so tragen wie beispielsweise Paris Hilton oder Nicole Richie seinerzeit – knalleng und bauchfrei. Nope. Bauchfrei hat zuletzt für viele funktioniert, weil es dank hohem Hosenbund ja nur den meist eher unproblematischen oberen Bauchteil entblößte. Das ist im Fall der Hüfthose natürlich anders, weshalb man da tunlichst gucken sollte, Oberteile zu erwerben, die auch bis zum Hosenbund reichen. Es sei denn, ihr wollt eure innere Keira Knightley channeln – dann keine Scheu.

2.) Oberteile in die Hose stecken ist definitiv vorbei.

3.) Probiert ein bisschen rum und kauft eure Jeans in einer passenden Größe. Es sollte auf keinen Fall irgendwas einschneiden. Paradoxerweise funktioniert das meist besser mit Hosen, die nur wenig oder kein Stretch enthalten.

4.) Oben niedrig, unten eng ist ein No-Go für jede denkbare Proportion. Hüfthosen müssen mindestens ein bisschen Schlag haben, deal with it.

5.) Oben niedrig, unten kurz ist auch eher suboptimal. Schluss mit knöchellang oder Siebenachtel oder Dreiviertel oder Fünfzehnvorsechs. Hüfthosen sind lang, kratzen bestenfalls am Asphalt.

Und dann noch was Wichtiges. Urban Outfitters will sie uns schon andrehen, aber niemand von uns sollte so naiv sein, darauf reinzufallen: Am Po muss eine Jeans Taschen haben. Ja, hallo Miss Sixty, das gilt auch für euch. Tut das nicht den armen jungen Menschen an, die es nicht besser wissen. Selbst der knackigste Apfelpopo sieht in einer Jeans ohne Hintern-Taschen aus wie ein Jutebeutel von Aldi, in dem die Kartoffeln aus dem Netz gekullert sind. Vermeidet diesen Fehler. Seid klüger als das. Und der wichtigste Tipp: Zieht unter Pullis ein langes Top, das ihr in die Hose steckt. So vermeidet ihr beim schwierigen Thema Sitzen das Freilegen des, ähm, unteren Rückens, und eure Nierchen werden es euch im Herbst und Winter auch danken.

Keine Jeans ohne Taschen hinten. Nein.
Keine Jeans ohne Taschen hinten. Nein.
© lovleah / Getty Images

Hüftjeans machen einen lässigen Gang

Das Tolle an Hüftjeans: Sie sehen ganz fabelhaft zu Trainingsjacken und figurnah geschnittenen Pullis aus. Sie geben euch wieder eine Silhouette. Sie machen einen guten Hintern. Man bekommt automatisch so einen lässigen, hüftschwenkenden Gang mit den Dingern. Und mit Sneakern und Schlaghosen rumschlurfen ist einfach auch irgendwie ziemlich nice.

Einst, so 2002, da war es aber übrigens auch so, dass die Hüftjeans-und-Trainingsjacken-Fraktion in absolut harmonischer Koexistenz mit der Baggypants-Fraktion lebte. Wenn man sich nicht darauf einigen konnte, ob Tocotronic oder Wu-Tang Clan gehört werden sollte, waren am Ende alle fein mit Bob Marley. Wenn euch also die Vorstellung von Jeans, die nicht bis zum unteren Rand eures BHs reichen, so richtig schlimm gruseln sollte, dann habt ihr womöglich auch dieses Mal die Option, statt dessen die HipHop-Hosen-Richtung einzuschlagen. Nur die Karottenjeans, sorry, die wird schon bald (wieder mal) Geschichte sein. Hoffentlich für immer, aber ...


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