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Mumbai: Inder verklagt seine Eltern – weil sie ihn geboren haben

Was die einen Kinderkriegen nennen, ist für den Inder Raphael Samuel "Kidnapping und Sklaverei". Nun will der junge Mann seine Eltern verklagen. Der Grund: Sie haben ihn ohne sein Einverständnis zur Welt gebracht. 

Raphael Samuel mit Bart

Mit diesem Plakat teilt Raphael Samuel seine Überzeugung mit: "Jemand hat dich zu seinem eigenen Vergnügen bekommen"

Raphael Samuel, ein 27-jähriger Mann aus dem indischen Mumbai, hat seine Existenz satt – und zwar so sehr, dass er nun plant, seine Eltern zu verklagen. Der Grund: Raphael wirft seinen Eltern vor, ihn ohne seine Zustimmung zur Welt gebracht und damit dem Schrecken seines Daseins ausgesetzt zu haben.

"Ein Kind in die Welt zu setzen, ist Sklaverei und Kidnapping"

Was zunächst ziemlich skurril klingt, hat eine ernste Botschaft: Der junge Geschäftsmann ist fest davon überzeugt, dass es falsch ist, Kinder zu bekommen und diese einem lebenslangen Leid auszusetzen, erklärte er dem britischen Sender BBC. Er bezeichnet sich selbst als Antinatalist – den Anhänger einer Bewegung, die aus metaphysischen und bevölkerungspolitischen Gründen die Geburt des Menschen als ein moralisches Übel betrachtet.

Das Ziel dieser philosophisch geprägten Bewegung ist es, mit der Kinderlosigkeit den Problemen der Überbevölkerung, der Hungersnot und der Umweltverschmutzung entgegenzuwirken. Die Glaubensrichtung des Antinatalismus ist jedoch keinesfalls neu. Bereits Anfang der Neunziger Jahre gab es das Voluntary Human Extinction Movement (VHEM), eine Bewegung für das Aussterben der Menschheit.

Anhänger dieser Bewegung haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend auf Facebook und Youtube formiert. So auch Raphael Samuel, der sich auf Facebook "Nihilanand" nennt und dort mit Videos und Posts seine Überzeugungen verbreitet: "Ein Kind in die Welt zu setzen und es dann zu zwingen, eine Karriere aufzubauen – ist das nicht Kidnapping und Sklaverei?" fragt er in einem seiner Videos. "Gute Eltern stellen ihr Kind über ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse ... aber das Kind selbst ist der Wunsch seiner Eltern", schreibt er unter seine Bilder. Auf seinem Kanal präsentiert er sich stets mit falschem Bart und einer Sonnenbrille.

"Sie haben mich zu ihrem eigenen Vergnügen gezeugt."

"Ich liebe meine Eltern“, erzählt Samuel in einem Interview mit der indischen Zeitung "The Print", "wir haben eine großartige Beziehung. Aber sie haben mich zu ihrem eigenen Vergnügen gezeugt." Er selbst habe seinen Eltern nicht das Recht gegeben, ihn zu zeugen. Das, so behauptet der 27-Jährige, würde die Entscheidung seiner Eltern zu einem Verbrechen machen. 

Während diese Aussagen fernab jeglicher Logik erscheinen, gibt Samuel an, zu verstehen, dass ein Einverständnis natürlich nicht vor der Geburt eingeholt werden kann. Wir hätten aber trotzdem nicht darum gebeten, geboren zu werden, sollten also viel eher für den Rest unseres Lebens bezahlt werden, argumentiert er.

To all those asking me to kill myself..

Gepostet von Nihilanand am Montag, 4. Februar 2019

Schon als Kind war er ein Antinatalist

Die Überzeugung, die Welt sei ohne die Menschen ein besserer Ort, hatte der junge Mann bereits als Kind. So ist er also nun, trotz des guten Verhältnisses zu seinen Eltern, auf der Suche nach einem Anwalt, der ihn bei der skurrilen Anklage gegen seine Eltern vertritt. Seine Mutter Kavita Karnad Samuel sagte der BBC: "Ich muss die Unverschämtheit meines Sohnes bewundern, dass er seine Eltern vor Gericht bringen möchte, da wir beide Anwälte sind." 

Wem diese Geschichte bekannt vorkommt, der hat sich nicht getäuscht. Das Vorhaben erinnert an den kürzlich im Kino erschienenen Film "Capernaum", die Geschichte eines schmerzerfüllten Jungen, der gegen seine Eltern und das Leben klagt. Der Grund: "Sie haben mich auf die Welt gebracht." Was im Film jedoch nur eine Geschichte ist, will Raphael Samuel nun in die Tat umsetzen. Er ist überzeugt: "Alle auf der Welt sollen erkennen, dass sie ohne Zustimmung geboren werden und dass es okay ist, keine Kinder zu haben."

Quellen: "BBC" / "The Print" / "taz"

gho

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