VG-Wort Pixel

Indien und Pakistan Als Kinder wurden sie getrennt – jetzt trafen sich zwei Brüder nach 74 Jahren wieder

Die Familie von Sadiq und Sikka Khan wurden während der Teilung Indiens auseinandergerissen. 74 Jahre lang lebte jeder sein eigenes Leben – dann kam das große Wiedersehen.

Lange galt Britisch-Indien als "Kronjuwel des britischen Empire", 1947 erlangte die Kolonie ihre Unabhängigkeit. Das riesige Gebiet wurde in zwei Staaten aufgespalten: Indien und Pakistan. Diese Teilung hatte nicht nur politische Folgen, sondern auch handfeste Konsequenzen für das persönliche Leben vieler Menschen. Es kam zu Gewaltausbrüchen, Pogromen und massiven Umsiedlungen auf beiden Seiten der Grenze. Dadurch wurden auch zahlreiche Familien auseinandergerissen.

Die Folgen dieser mehr als 74 Jahre zurückliegenden Umwälzungen sind auch heute noch spürbar. Die Spannungen zwischen Pakistan und Indien machen Zusammenführungen schwierig, teilweise ist der Kontakt zwischen Familienmitgliedern über die lange Zeit komplett abgebrochen. Doch immer wieder gibt es auch berührende Happy Ends. So haben sich nun zwei Brüder nach 74 Jahren Trennung wiedergesehen.

Youtube-Kanal bringt die Brüder zusammen

Der 84 Jahre alte Sadiq Khan lebt in Pakistan, sein jüngerer Bruder Sikka, 76, in Indien. Nach vielen Jahrzehnten konnten sie sich endlich wieder umarmen. "Es hat sich sehr gut angefühlt, meinen Bruder zu treffen", sagte Sadiq Khan der indischen Nachrichtenagentur Ani. Ihr Wiedersehen verdanken die Brüder zu einem großen Teil dem Pakistani Nasir Dhillon und seinem Youtube-Kanal namens "Punjabi Lehar".

Auf dem Kanal mit mehr als 500.000 Abonnenten versucht Dhillion, getrennte Familien und Freunde wieder zueinander zu führen. Sadiq Khan wandte sich nach langer, vergeblicher Suche mit einem Video an die Community – in der Hoffnung, damit auch seinen Bruder zu erreichen. "Wenn du mich sehen kannst, sprich mit mir", sagte er. "Wer weiß, ob ich sterbe, ohne dich getroffen zu haben?" 

Für tot erklärt: Mann wacht in Leichenhalle auf

Treffen auf heiligem Boden

Die Aktion hatte Erfolg: Nur einen Tag später bekam Khan einen Anruf aus der Stadt, in der sein Bruder lebte. Wenig später konnte er erstmals bei einem Videocall mit Sikka reden. Auch sein Bruder hatte viele Jahre lang nach ihm gesucht. Das war 2019 – zwei weitere Jahre dauerte es, um alle Formalitäten für das Treffen zu erfüllen, das nun stattfand.

Beide trafen sich in einem Korridor zwischen Indien und Pakistan auf pakistanischer Seite, den auch Inder ohne Visum besuchen dürfen – offiziell um dort einen heiligen Ort zu besuchen. Drei Stunden lang unterhielten sie sich: Sadiq stelle seinem Bruder seine Enkel vor, Sikka machte ihn mit der Familie bekannt, die ihn nach der Trennung als Kind aufgenommen hatte. Danach musste jeder wieder auf seine Seite der Grenze zurückkehren. 

Die Leitungen zwischen Indien und Pakistan glühen

Unter dramatischen Umständen war die Familie 1947 auseinandergerissen wurden: Der damals achtjährige Sadiq war mit seinem Vater nach Pakistan geflüchtet. Seine Mutter und seinen damals sechs Monate alten Bruder hatte er zurückgelassen. Die Mutter nahm sich das Leben, als Sikka vier Jahre alt war, eine Familie nahm den Jungen auf. Keiner der beiden wusste, wo genau sich der jeweils andere befand – oder ob er noch lebte.

Nach der rührenden Wiedervereinigung möchten die Brüder so viel Zeit wie möglich miteinander verbringen. Sie telefonieren jeden Tag. "Ich möchte all die Jahre, die wir verloren haben, nachholen und den Rest meines Lebens mit ihm verbringen", sagte Sadiq Khan der "Washington Post". Er überlegt nun, wieder zurück nach Indien zu ziehen. In der Zwischenzeit möchte Sikka ihn in Pakistan besuchen. Das gestaltet sich allerdings schwierig: Ein Visum ist auf beiden Seiten nicht einfach zu bekommen. 

Quellen: "Washington Post" / "The Indian Express" / Ani / "Punjabi Lehar" auf Youtube / Nasir Dhillon auf Facebook

epp

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker