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Kredit-Kooperative in Indonesien: "Männer sind bei uns nicht erlaubt"

Die Frauen in Indonesiens Provinz Aceh müssen sich an Scharia-Recht halten: Kopftuch tragen, keine Männer treffen. Doch Unternehmerinnen sein, das dürfen sie. Ganz ohne Männer.

Die 30 Jahre alte Indonesierin Khairani in ihrem winzigen Laden

Die 30 Jahre alte Indonesierin Khairani in ihrem winzigen Laden

Khairani steht lachend zwischen Bonbons und Sojasoße, Fertignudeln und Reissäcken. Der winzige Laden in Pulot, einem Dorf in Indonesiens Provinz Aceh, ist ihr eigenes Reich. Ihr Ehemann Surdirman darf manchmal aushelfen. "Eigentlich ist das hier in Aceh andersherum. Da sagt der Mann, wo's langgeht", meint Khairani.

Doch die 30-Jährige hat sich ihren Platz erkämpft, zusammen mit zahlreichen anderen Frauen im Dorf. Sie gründeten 2007 eine Spar- und Kreditkooperative, die mittlerweile etwa hundert Mitglieder zählt. Mit den kleinen Krediten, die sie sich untereinander vergeben, machen sich die Frauen selbstständig: Sie gründen einen Laden, eröffnen eine Nähstube, produzieren frittierte Fische, backen Kekse oder züchten Gänse.

Hamida und Khairani vor dem Haus ihrer Spar-und Kreditkooperative im Dorf Pulot

Hamida und Khairani vor dem Haus ihrer Spar-und Kreditkooperative im Dorf Pulot

"Die Frauen würden sich schämen, wenn sie nicht zurückzahlen könnten"

"Es ist noch nie passiert, dass jemand seinen Kredit nicht vollständig zurückgezahlt hat", erzählt die 38-jährige Hamida. Grund dafür ist der Gruppendruck in dem kleinen Ort an der Westküste Sumatras, der eingequetscht zwischen dem funkelnden Meer und den üppig grünen Hügeln der Insel liegt. "Die Frauen würden sich schämen, wenn sie nicht zurückzahlen könnten - viel mehr als Männer!"

Tatsächlich ist Aceh der Ort in Indonesien, wo man eine solche Frauen-Initiative wohl am wenigsten vermuten würde. Das überwiegend muslimische Indonesien ist ein säkularer Staat. Aber in Aceh erkämpften sich die früheren Rebellen und heutigen Lokalpolitiker das Recht, die Regeln des Korans durchzusetzen. Nur gilt in Aceh zum Teil die Scharia.

Kleine Summen

Sex außerhalb der Ehe wird mit bis zu hundert Stockhieben bestraft - und zwar auf öffentlichen Plätzen, immer freitags. Auch Sex zwischen Männern, Vergewaltigung, sexuelle Belästigung, Alkohol und Glücksspiel wird in dem Gesetz geregelt. Küssen sich Unverheiratete, setzt es 30 Hiebe. Und alle Frauen müssen Kopftuch tragen.

Treffen sich die Frauen von Pulot, lesen sie erst einmal im Koran. Dann aber sammeln sie die Ratenzahlungen ein, rigoros. Inklusive Hausbesuch, wenn jemand im Verzug ist. "Männer sind bei uns nicht erlaubt", sagt die 28 Jahre alte Nur Faidah. "Sie können höchstens ihr Geld herbringen, und wir verwalten es für sie." Männer erhalten ohnehin eher Kredite bei richtigen Banken, wohingegen das für Frauen oft schwierig ist - auch weil die Summen, die sie brauchen, zu klein sind.

Misshandlungen haben abgenommen

Den meist unerfahrenen Kreditnehmerinnen werde in Trainingsstunden beigebracht, wie man Geld verwaltet, erzählt Mark Nonkes von World Vision. Die Nichtregierungsorganisation schult daneben die Gruppenleiterinnen in Management und Buchhaltung; die Regierung stellt das Gebäude zur Verfügung. Zu den positiven Auswirkungen der Selbsthilfegruppe gehöre, dass viele Familien dank des zusätzlichen Einkommens ihre Kinder auf höhere Schulen und Universitäten schicken, sagt Nonkes.

Die Frauen erzählen von einem weiteren Effekt: "Die Zahl der Schläge und Misshandlungen hat abgenommen", sagt Khairani. Einst wurde eine Frau im Dorf von ihrem Mann so stark geschlagen, dass sie taub wurde. "Jetzt verlassen die Frauen ihren Mann, wenn er sie schlägt. Bislang hielt sie die Angst zurück, dass sie dann kein Geld mehr von ihm bekommen. Jetzt können sie auf sich selbst aufpassen."

Doreen Fiedler, DPA / DPA
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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(