HOME

"Once More We Saw Stars": Ein bizarrer Unfall nahm ihm seine kleine Tochter. In einem Buch verarbeitet er seine Trauer

Jayson Greene verlor seine zweijährige Tochter durch einen bizarren Unfall. Um mit der Trauer klarzukommen, hat er mehrere Dinge ausprobiert. Am besten half ihm das Schreiben.

Es waren nur Zentimeter, die zwischen Leben und Tod entschieden. Wäre das Stück Mauerwerk nur ein, zwei Hand breit weiter links oder rechts heruntergekommen, würde Greta Greene vielleicht noch leben. Die Zweijährige saß im Mai 2015 auf einer Bank in New York City mit ihrer Großmutter, als sich der Ziegel im achten Stockwerk des Gebäudes neben der Bank löste und in die Tiefe raste. Der Stein traf Greta am Kopf und ihre Großmutter am Bein. Die Oma erholte sich, das Kind starb am nächsten Tag im Krankenhaus. Ein tragischer Zufall, so bizarr, unfassbar und außergewöhnlich, dass seine Wahrscheinlichkeit wohl kaum zu beziffern wäre. 

Rund drei Jahre später hat Gretas Vater Jayson Greene ein Buch herausgebracht, in dem er von dem eigentlich unbeschreiblichen Verlust berichtet, den er und seine Frau Stacy hinnehmen mussten. Der britische "Guardian", die BBC und die "New York Times" haben mit ihm gesprochen. Demnach führte der Schriftsteller nach dem schrecklichen Unfall zunächst ein Tagebuch, das ihm sehr bei der Trauerarbeit geholfen habe und aus dem letztlich "Once More We Saw Stars" wurde. Das Buch erschien Mitte Mai in englischer Sprache. 

Jayson Greene fühlte sich zum Schreiben hingezogen

"Ehrlich gesagt waren wir in den Tagen nach dem Unfall alle noch akut geschockt und traumatisiert", sagt Autor Jayson der BBC. "Irgendwie fühlte ich mich zum Schreiben hingezogen, ich schrieb einfach alles auf, was ich dachte." Allerdings habe er seine Gedanken zunächst nicht einmal mit seiner Frau geteilt. Sie habe auf ihre Weise getrauert und er wollte sie nicht noch mit seinen negativen Gedanken belästigen. "Ich wollte einfach, dass alles endet. Nicht zwangsläufig auf die 'Ich will mich umbringen'-Art, aber alles sollte einfach aufhören."

In den ersten Kapiteln des Buches beschreibt Jayson die herzzerreißenden Details der ersten Tage und Wochen nach dem tödlichen Unfall von der Entscheidung, die Organe der kleinen Greta zu spenden, bis zu dem niederschmetternden Gefühl, in eine Wohnung zurückzukehren, die noch voll von den Spielsachen und der Kleidung des toten Kindes ist. 

Jayson beschreibt in dem Buch, wie sein Bruder ihn im Krankenhaus noch am Telefon beruhigen will, weil er denkt, es handele sich um einen alltäglichen Kinderunfall. "Sie wird schon wieder", sagt er ihr. "Nein, ich glaube, das wird sie nicht", entgegnet ihm Jayson. Zunächst habe kaum einer der Mitarbeiter im Krankenhaus mit ihnen gesprochen. An ihren Gesichtern aber habe er jedoch sofort gemerkt, wie ernst die Lage sei. Wenig später wird seine Tochter für hirntot erklärt.

Die Ehe der Greenes übersteht die Tragödie

Viele Paare schaffen es nach so einem Trauerfall nicht zusammenzubleiben. Schließlich steht der Partner wie kein anderer als ständiges Mahnmal für den schmerzlichen Verlust. Auch Jayson fürchtet sich laut "Guardian" in den weiteren Kapiteln des Buches davor, nach dem Kind auch noch seine Ehefrau zu verlieren. Doch er und Stacy raufen sich zusammen, bleiben zusammen und sie wird nach einigen Monaten sogar erneut schwanger. Das finale Kapitel des Buches trägt den Namen ihres Sohnes: Harrison.

Allerdings, so betont es Jayson gegenüber der BBC, will er nicht den Eindruck erwecken, dass ihre Leben nun "wieder komplett oder ganz" wäre durch das neue Kind. "So eine Geschichte wollte ich nicht erzählen. Weil sie sich falsch anfühlte. Wir können ja nicht Greta mit Harrison ersetzen. Der Verlust wird für immer eine Unternote in unserem Leben sein, wird für immer unter der Oberfläche schlummern."

Quellen: "Guardian" / BBC"New York Times" / Amazon 

Anschläge von Paris: Grégory Reibenberg überlebt die Attentate
fin

Wissenscommunity