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"Du hast die Gesellschaft verändert" US-Vizepräsident Biden schreibt Stanford-Opfer emotionalen Brief

US-Vize-Präsident Joe Biden schrieb einem Vergewaltigungsopfer einen offen Brief
Joe Biden, Vize-Präsident der USA, setzt sich seit vielen Jahren für die Rechte von Frauen und deren Schutz vor Gewalt ein
© Mandel Nigan/AFP
"Du wirst Leben retten": US-Vizepräsident Joe Biden hat sich in einem offenen Brief an das Opfer des sexuellen Übergriffs an der Elite-Uni Stanford gewandt. Darin bewundert der Politiker den Mut der jungen Frau - und macht der Gesellschaft schwere Vorwürfe.

"Ich kenne deinen Namen nicht - aber deine Worte sind für immer in meine Seele eingebrannt. Es sind Worte, die für Frauen und Männer jeden Alters Pflichtlektüre sein sollten. Und Worte, bei denen ich mir aus ganzem Herzen wünschte, du hättest sie niemals schreiben müssen": So beginnt Joe Biden, Vize-Präsident der USA, seinen offenen Brief an jene junge Frau, die im vergangenen Jahr an der Universität Stanford sexuell missbraucht worden war.

In dem auf dem Webportal "BuzzFeed" veröffentlichten Brief drückt Biden der jungen Frau nicht nur Bewunderung für ihren Mut aus, er findet zudem sehr kritische Worte für den Umgang der US-Gesellschaft mit dem Thema "sexuelle Gewalt gegen Frauen".

Opfer mehrfach im Stich gelassen

Er sei von rasendem Zorn erfüllt angesichts dessen, was der Frau passiert sei und dass "unsere Kultur so kaputt ist, dich in die Lage zu drängen, deinen eigenen Wert verteidigen zu müssen", schreibt Biden. Das Opfer hatte sich in einem zwölfseitigen Brief mit ergreifenden Worten an den Täter gewandt, um diesem zu verdeutlichen, welch körperliche und seelische Wunden er ihr zugefügt habe. Der 20-jährige Brock T., Stanford-Student und einst Olympia-Hoffnung des US-Schwimmteams, hatte die nach einer Verbindungsparty stark alkoholisierte und bewusstlose 23-Jährige hinter einer Mülltonne des Campusgeländes sexuell missbraucht. Vermutlich war es nur dem Eingreifen zweier schwedischer Männer zu verdanken, dass nicht noch Schlimmeres passierte und T. letztlich festgenommen wurde.

In den Augen Bidens hätte das Opfer gar nicht erst in diese gefährliche Lage geraten dürfen. Stattdessen aber sei die junge Frau "in dieser schrecklichen Januarnacht" von vielen "im Stich gelassen worden", führt Biden aus. Von all jenen, die einfach weggeschaut und ihre Hilfe untersagt hätten, obwohl sie sahen, dass die Frau außer Gefecht gewesen sei. Von jenen, die alles nur "als eine weitere verrückte Nacht" abgetan oder sie gefragt hätten, was sie denn erwarte, was passiere, wenn sie so viel trinke. Und ebenso von der Campuskultur, die Passivität fördere und "junge Männer und Frauen ermutigt, einfach mal ein Auge zuzudrücken".

"Und auch all jene haben dich im Stich gelassen, die diese eine, sehr simple Wahrheit auch nur hinterfragt haben: Sex ohne Zustimmung ist Vergewaltigung. Punkt. Es ist eine Straftat", wird Biden deutlich. 

Joe Biden: "Geholfen, die Welt zu einer besseren zu machen"

Genauso deutlich appelliert er an späterer Stelle an die Gesellschaft: "Wir haben alle die Verantwortung, die Geißel der Gewalt gegen Frauen ein für alle Mal zu beenden". Für das Opfer selbst findet Biden vor allem bewundernde Worte. Sie habe vielen Menschen mit ihrem Brief die Kraft gegeben, die diese bräuchten, um zu kämpfen. Er sei sich sicher, dass sie Leben retten werde, schreibt der 73-Jährige. Ihre Worte hätten Millionen Menschen bewegt und schon jetzt die Gesellschaft verändert, so Biden, der sich seit Jahren dafür einsetzt, Frauen besser vor Gewalt zu schützen. So war er bereits 1994 beispielsweise maßgeblich an der Verabschiedung des Violance Against Women Act beteiligt, der die Rechte von Frauen deutlich ausweitete.

Gerade wer die Worte der jungen Frau in sozialen Netzwerken geteilt oder im eigenen Haus mit seinen Söhnen und Töchtern besprochen habe, müsse sich künftig im Klaren sei, dass es in solchen Situationen eine Entscheidung zwischen Eingreifen und Weggehen gebe. Biden beendet sein Schreiben mit den emotionalen Worten: "Und dann glaube ich, dass du geholfen hast, die Welt zu einer besseren zu machen".

mod

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