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Bayern-Reihe "Bei Herrmanns dahoam": Das Wichtigste an der Katzenerziehung ist, immer konsequent zu bleiben – also theoretisch

Für den stern erzählt Autorin Claudia Herrmann mit einem ordentlichen Schuss Selbstironie, wie es bei ihnen "Dahoam in Bayern" so zugeht. Die zweite Folge handelt von den neuen Haustieren – und deren Erziehung.

Die zwei Katzen der Autorin

Birdie und Yuki machen es sich in ihrem De-luxe-Kratzbaum gemütlich

Früher, als die Kinder noch klein waren, habe ich immer ganz viele Komplimente bekommen, dass die beiden so gut erzogen sind. Einfach aufgrund einzelner Tatsachen, wie, dass die zwei gefragt haben, ob sie vom abendlichen Esstisch aufstehen dürfen und immer Bitte und Danke gesagt haben. Oder dass Sie anderen Erwachsenen die Hand gegeben haben, zur Begrüßung. Oder nicht ständig dazwischen gequatscht haben. Oder in der Metzgerei nicht auf der Taschenablage gestanden und die ganze Scheibe verschmiert haben, um nach einer Scheibe Wurst zu quengeln (wie ich es neulich erlebt habe).

Mein Sohnemann hat ein einziges Mal zu heulen angefangen, weil er, mit mir an der Kasse wartend, nicht eine der Süßigkeiten bekam, die da so rumstehen. Das ist ja die Situation, in der bei den meisten Eltern der Angstschweiß ausbricht. Ich hab mein Kind dermaßen runtergeputzt und ausgeschimpft, dass es vor lauter Überraschung sofort aufgehört hat zu heulen. Hab ihn richtig laut zusammengefaltet, den Kleinen. In einer Lautstärke, dass es der ganze Laden mitbekommt. War mir völlig egal. Von dem Zeitpunkt an, war Kasse kein Problem mehr. Die einen haben mich für meine gut erzogenen Kinder bewundert, die anderen meinen recht autoritären Erziehungsstil kritisiert.

Wir wollten was Flauschiges zu Hause

Dann hatten wie einen Hund. Alfi. Ganz niedlicher halbhoher Mischling aus dem Tierheim. "Er ist aber nicht erzogen", hat uns der Tierheimbesitzer noch vorsorglich mitgeteilt. "Kein Problem", hab ich selbstsicher geantwortet. Nach drei Wochen waren wir der Star bei uns in der Hundeschule. Autorität und Konsequenz funktioniert bei Hunden echt gut. Beides kann ich.

Dann war Alfi schon ein, zwei Jahre tot und wir wollten wieder was Flauschiges zu Hause. Beide beruflich recht eingespannt, haben wir uns für eine Katze entschieden. Da ist man etwas unabhängiger als bei einem Hund. Nach kurzer Recherche wurden aus einer Katze zwei, weil das in Bezug auf das Wohl der Katze besser ist. Ich will ja alles hundertprozentig machen. Nach einer halbjährigen Recherche habe ich dann auch die Rasse gefunden, die am besten zu uns passt. Maine Coons. Das sind diese größeren Katzen mit dem irre langen Fell, die ursprünglich aus dem US-Bundesstaat Maine kommen und einem Waschbären (racoon) ähneln. Deswegen Maine Coon.

Es kamen zwei Katzenbabys

Nach einem weiteren halben Jahr habe ich endlich einen akzeptablen Züchter gefunden, der zwei Katzenbabys aus einem Wurf hatte, die meiner Vorstellung entsprachen. Kostet dann halt auch 600 Mücken. Pro Katze. Zu dem Zeitpunkt hatte ich sämtliche Lektüre in Bezug auf Rasse, Erziehung und Haltung gelesen, die auf dem deutschen Markt zu bekommen ist. Ich hab bei so was einen leichten Kontrollzwang. Die zwei kommen also mit genau zwölf Wochen (wie empfohlen) bei uns zu Hause an und der Kater und die Katze (kein Zufall, angeblich die beste Konstellation) finden einen De-luxe-Kratzbaum sowie diverse kuschelige Schlafmöglichkeiten vor, die im Rückblick niemals genutzt wurden.

Was von Anfang an klar war: Katze/Kater darf nicht auf den Tisch, nicht auf die Küche, nicht ins Bett und nicht in den Keller. Dieses "Ich will raus. Jetzt will ich wieder rein. Jetzt wieder raus"-Spiel machen wir nicht mit. Die Katze wird jeden Tag zweimal gekämmt und nur zweimal am Tag gefüttert. Basta. Wir haben die beiden "Birdie" (mein Mann spielt Golf) und Yuki (Kater ist ganz weiß und Yuki ist Japanisch für Schnee) getauft.

Die ersten Verstöße

Dann ist Birdie recht gerne auf den Tisch gesprungen und ich hab sie mit "Kusch, kusch" wieder verscheucht. Bis ich gemerkt habe, dass sie jetzt gar nicht mehr zu mir herkommt und sich streicheln lässt. Also habe ich die Taktik gewechselt und die Katze immer sanft auf den Boden gesetzt. Gerne auch mal fünfmal hintereinander. Während die Lieblingssendung läuft und man jedes Mal zum Esstisch rennen muss. Macht der Katze aber nicht großartig was aus, so viel Konsequenz, weil Birdie freudig ein sechstes Mal raufspringt.

Dann sind sie beide krank geworden und nur noch freudlos in der Ecke gelegen. Die Tierärztin diagnostizierte ernst einen Katzenschnupfen und verlangte 140 Euro. Pro Katze. Nachdem beide das Futter verweigerten, wurden sie von mir und meinem Mann zwei Nächte lang sorgenvoll rumgetragen. Am dritten Tag waren die Kätzchen wieder fit und wir völlig gerädert.

Porträt Claudia Herrmann

Claudia Herrmann sagt über sich selbst: "Ich bin nicht die beste Mutter und auch nicht die beste Ehefrau. Und ganz sicher nicht die beste Tochter. Perfektion können andere – ich nicht. Ich habe irgendwann beschlossen, dass mir das egal ist. Das klappt am besten mit einer Riesenportion Selbstironie."

Dann fiel das Keller-Verbot

Dann hat die Katze immer vor der Kellertür miaut, wenn ich beim Bügeln in der Waschküche war. So lange, bis ich sie schließlich reingelassen habe und sie mir dafür liebevoll um die Füße geschwänzelt ist. Seitdem sitzt Birdie grundsätzlich unter dem Bügelbrett, wenn ich bügle und spielt mit dem Kabel.

Dann durften sie raus. Macht ihnen super Spaß draußen. Kann aber auch mal sein, dass der Kater nach drei Minuten wieder rein will. Nachdem man ihm zwei Minuten lang zugesehen hat, wie er stumm, aber kläglich durch die geschlossene Scheibe miaut, steht man also auf und lässt ihn rein. Nur damit er fünf Minuten später wieder von innen an die Terrassentür miaut, um rausgelassen zu werden. Weitere fünf Minuten später miaut er wieder von außen und, nachdem man den Kater erfolgreich drei Minuten lang ignoriert hat, macht einen die bessere Hälfte darauf aufmerksam, dass der Kater ja Hunger haben könnte und durch die Krankheit eh schon geschwächt ist.

Katzenklappenschulung

Also haben wir eine Katzenklappe einbauen lassen. Die Katze hat die Systematik der Klappe nach 20 Minuten problemlos kapiert, wohingegen der Kater immer miauend davor saß. Also habe ich einen Monat lang Wurst und Leckerlis durch die Klappe von innen nach außen geworfen, um ihn dazu zu bringen, durch die Klappe zu marschieren. Irgendwann hat das dann geklappt, aber ich habe einen weiteren Monat damit zugebracht, Wurst und Leckerlis von außen nach innen zu werfen, bis er auch den Weg kapiert hatte. Unsere Nachbarn vermuteten zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich, daß ich nicht alle Tassen im Schrank habe.

Schließlich kamen die Katzen einige Male später heim als gewöhnlich und ich bin, bis zu einer Stunde lang, sorgenvoll durch die Siedlung gerannt und habe "Biiiiiiiirdie! Yuuuuuuuukiiii!" gerufen, bis meine Nachbarn sicher waren, das ich nicht alle Tassen im Schrank habe.

Die letzten Bastionen genommen

Dann haben die Katzen gelernt, auf die Küchenzeile zu springen. Wir haben sie immer konsequent runtergehoben, bis wir festgestellt haben, dass die beiden ganz entzückend mit dem Schwamm spielen, wenn der im vollen Waschbecken schwimmt.

Dann hat der Kater nachts angefangen vor unserer Schlafzimmertüre zu miauen. Immer gegen eins. Wir haben das nicht mal eine Nacht durchgehalten. Eigentlich nicht mal eine Viertelstunde. Dann hat mein Mann mit den Worten "Der tut mir so leid!" die Türe geöffnet und der Kater stand schnurrend bei uns im Bett und hat das mit dem Treteln der Pfötchen gemacht, bevor er bei uns im "Gräberle" eingeschlafen ist.

Das hat jetzt Tradition. Gegen eins kommt der Kater, schläft bei uns bis um drei und geht dann wieder. Wenn der Kater um zehn nach eins noch nicht da ist, ruft ihn mein Mann. Wir haben dann auch das Fenster geschlossen, weil die Geräusche von draußen, unser kleines Fellknäuel beim Schlafen irritieren. Ich habe mittlerweile ein längliches Kissen gekauft, dass ich um halb eins zwischen uns lege. Damit der Kater nicht so unbequem in der Ritze liegen muss. Ich hab nämlich festgestellt, dass er so besser schläft. Weil, bei sowas bin ich schon hundertprozentig.

Konsequenz ist nämlich alles.

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