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stern-Kinderstudie Kinder sehnen sich nach Zuverlässigkeit


Eine stern-Studie hat ergeben, dass Kinder sich von ihren Eltern klare Entscheidungen und Regeln wünschen. Ein Leben ohne Struktur verunsichert sie und raubt ihnen die Unbeschwertheit.
Von Viktoria Meinholz

Erzieht uns richtig und werdet wieder Eltern": Diesen Wunsch hegen laut einer stern-Studie viele Kinder in Deutschland. Nicht die Schule oder die hohen Erwartungen sind es, die die Kinder stressen, sondern ihre Angst, dass ihr Leben plötzlich auseinanderbrechen könnte. "Ich denke, wenn ich zu patzig bin, dann streiten sich meine Eltern noch wegen mir - und trennen sich vielleicht", erzählt die zehnjährige Carla.

Für die Studie befragte das Rheingold-Institut 28 Mädchen und Jungen im Alter zwischen 8 und 15 Jahren. Durch einen Abgleich mit 200 weiteren Tiefeninterviews mit Kindern und Eltern entstand die wohl umfassendste qualitative Untersuchung von Kindern in den vergangenen Jahren.

Kinder als Stabilisator

"Dass Kinder Ordnung und Regeln brauchen, das hat uns nicht überrascht", sagt Birgit Langebartels, Diplompsychologin und Leiterin der Studie. "Aber wie sehr Kinder es als ihre Rolle sehen, diese Ordnung selbst herzustellen, das war uns nicht klar." Über allem hänge das Damoklesschwert - auch meine Familie kann zerbrechen.

"Natürlich spüren Kinder auch die allgemeine Unsicherheit in der Gesellschaft. Sie bekommen mit, dass vom einen auf den andern Tag alles anders sein kann." Dass Papa auszieht oder Mama einen anderen Mann liebt. Auch wenn natürlich nicht jedes Kind das Auseinanderbrechen der eigenen Familie miterlebt, ist die Tatsache, dass Eltern sich trennen können, allen Kindern bewusst.

Viele Eltern schaffen es anscheinend nicht, ihren Kindern Sicherheit zu vermitteln. Das liegt auch daran, dass sie nicht bereit sind, sich festzulegen. Während in der einen Woche Mama für die Hausaufgaben zuständig ist, überprüft in der nächsten plötzlich Papa die Matheaufgaben - und macht alles ganz anders. Für viele Kinder sind diese ständigen Veränderungen belastend. "Es ist zwischen Mutter und Vater nicht mehr klar definiert, wer für was zuständig ist. Nicht, dass ich wieder zurück zu alten Mustern möchte", sagt Langebartels. "Aber es müssen Absprachen gelten." Dass zum Beispiel Mama für die Hausaufgaben und Papa für das Abendessen zuständig ist.

Alles gleichzeitig - und alles perfekt

Doch Entscheidungen zu treffen, fällt den Eltern schwer. Sie erscheinen ihren Kindern als unberechenbar: Mal sind sie streng und schimpfen, dann wollen sie wieder der beste Freund ihres Nachwuchses sein.

"Unsere Empfehlung für die Eltern ist: Habt mal wieder den Mut, Regeln aufzustellen und diese durchzusetzen - auch wenn eure Kinder euch dann doof finden", sagt Langebartels. "Wir möchten unsere Kinder heute beständig fördern, am besten schon im Mutterleib. Sie sollen später mal alle Möglichkeiten haben, in allen Bereichen brillant sein. Und zugleich glücklich und unbeschwert ihre Kindheit genießen. Alles zusammen und das auch noch perfekt - das geht einfach nicht."

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