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Koalition erwägt Rechtsanspruch auf Freistellung Mehr Hilfe für Pflegende

Die Pflege eines lieben Menschen in den eigenen vier Wänden ist für die Angehörigen, die pflegen, eine dauerhaft starke Belastung
Die Pflege eines lieben Menschen in den eigenen vier Wänden ist für die Angehörigen, die pflegen, eine dauerhaft starke Belastung
© Colourbox.de
Pflege daheim ist nicht nur ein immer wichtigeres Thema, sondern vor allem eine große Belastung für die Angehörigen. Diese Maßnahmen planen Regierung und Ärzte zu ihrer Unterstützung.

Einen geliebten Menschen zu Hause zu pflegen ist eine zermürbende Belastung für die Angehörigen. Und dennoch für viele die einzig akzeptable Lösung. Rund 4,7 Millionen Menschen werden laut der Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zu Hause versorgt. Damit die Pflegenden selbst mehr Unterstützung bekommen, plant die Regierung offenbar einen Rechtsanspruch auf unbezahlte Freistellung, wenn Angehörige im Sterben liegen. "Gute Arbeitgeber gewähren schon heute eine Auszeit, aber das ist längst nicht überall der Fall", sagte SPD-Fraktionsvize Carola Reimann der "Berliner Zeitung" vom Wochenende.

Wer kurzfristig die Pflege eines Angehörigen organisieren muss, kann schon ab Anfang 2015 eine Lohnersatzleistung für bis zu zehn Tage erhalten - in etwa vergleichbar dem Kinderkrankengeld. Die Kosten von geschätzten 100 Millionen Euro übernehmen die Pflegekassen.

Darüber hinaus wird es noch weitere Hilfen für Pflegende geben. So soll beispielsweise der Begriff des Angehörigen über Kinder und Ehegatten hinaus erweitert werden. "Es sollten alle unterstützt werden, die bereit sind, füreinander Verantwortung zu übernehmen", sagte Reimann.

Ärzte sollen sensibilisiert werden

Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) setzt sich laut "Ärzteblatt" für mehr Hilfe für Pflegende ein. Betreuende Ärzte sollen basierend auf einem neuen Versorgungskonzept lernen, Überlastung bei den pflegenden Angehörigen besser zu erkennen und ihnen Hilfe anzubieten. "Wir müssen auch auf die Menschen achtgeben, die ihr eigenes Wohl hinter das einer ihnen nahestehenden Person stellen“, sagte Regina Feldmann, Vorstand der KBV laut "Ärzteblatt". "70 Prozent derer, die selbst pflegen, geben an, sich emotional stark belastet zu fühlen. Nur 50 Prozent haben darüber einmal mit ihrem Hausarzt gesprochen."

Und das kann auf Dauer zu gravierenden Krankheiten wie Depressionen führen - bis die Pflegenden schlimmstenfalls selbst pflegebedürftig werden.

Eine erste Anlaufstelle für Angehörige, die Informationen zu Unterstützungen, Pflegediensten, Pflegeheimen und Leistungen suchen, bietet beispielsweise der nicht-kommerzielle Online-Planer der Bertelsmann Stiftung und verschiedener Patienten- und Verbraucherorganisationen: www.weisse-liste.de

jbw mit AFP

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