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Corona-Pandemie Kontaktbeschränkungen, na und? WGs sind die Gewinner des Lockdowns

Mitbewohner in der Küche
Gemeinsames Kochen – unter Mitbewohnern auch im Lockdown möglich
© zoranm / Getty Images
Die Kontaktbeschränkungen treffen Menschen, die alleine wohnen, besonders hart. Im Lockdown erweisen sich WGs als wertvoll – dort werden nicht nur Küche, Bad und Miete geteilt, sondern auch das Leben.

Wahrscheinlich gibt es nur ein schlimmeres Gefühl als jenes, nach einem langen Arbeitstag in eine leere Wohnung zu kommen. Das Gefühl nämlich, den ganzen Tag lang in einer leeren Wohnung zu arbeiten und danach auch den Feierabend allein zu verbringen. Homeoffice und Kontaktbeschränkungen können zwar für eine ganz angenehme Entschleunigung des täglichen Lebens sorgen – irgendwann aber schlagen sie den meisten aufs Gemüt. 

Und wenn sich jetzt im Lockdown wieder nur zwei Haushalte treffen dürfen, trifft das die Single-Haushalte am stärksten. Wohl dem also, der in dieser Situation seine sozialen Kontakte in der eigenen Wohnung hat. Deshalb sind WGs die Gewinner des Lockdowns: Nie waren Mitbewohner, mit denen man zusammen essen, trinken oder einfach Quatsch erzählen kann, so viel wert wie in der Pandemie. Virologisch gesehen sind sie zwar ein permanenter Kontakt – und damit ein Ansteckungsrisiko. Doch von der sozialen Warte aus betrachtet, ist eine funktionierende WG im Moment unbezahlbar.

Im Lockdown sind WGs mehr als Zweckgemeinschaften

Das ist lustig, weil das schlagende Argument für eine WG bisher für viele eben ihre Bezahlbarkeit war. Wohngemeinschaften – so hat es in der allgemeinen Wahrnehmung oft den Anschein – sind eine Übergangslösung für Studierende mit viel Monat am Ende des Geldes. Dort wird wenig geputzt, ungesund gegessen, viel getrunken und gern gefeiert. Eine Phase, die viele nach dem Studium, spätestens aber mit 30 hinter sich gelassen haben.

Das allerdings ist zu kurz gedacht. In vielen WGs werden nicht nur Küche, Badezimmer und Miete geteilt, sondern auch das Leben. Das macht sie in dieser Phase so wertvoll: Denn Orte, an denen Menschen ungezwungen zusammenkommen, sind selten geworden. Umso wichtiger ist es, in der eigenen Wohnung sozial aufgefangen zu werden. Die Mitbewohner müssen dafür keine Wunderdinge vollbringen, es braucht gar nicht unbedingt besondere Aktionen oder stundenlange Konversationen. In der Leere des Lockdowns hellt schon ein kleiner Scherz die Laune auf. Und manchmal hilft es bereits, einfach nur zu wissen, dass eine andere Person in der Nähe ist.

Tristesse in der Ein-Zimmer-Wohnung

Mancher erkennt erst jetzt, wie viele Vorteile das Zusammenleben bietet, auch abgesehen von allen rein praktischen Erleichterungen. Zum Beispiel dann, wenn dieses Zusammenleben fehlt: Die "Klein, aber mein"-Mentalität sorgt in den Ein-Zimmer-Mietwohnungen gerade vielerorts für Tristesse. Erst recht, wenn der graue Herbst kommt und danach der kalte Winter. Vor allem von jenen, die auf keinen Partner zurückgreifen können, erfordern soziale Kontakte viel Eigeninitiative.

Sie leiden unter den aktuellen Kontaktbeschränkungen am meisten – auch wenn die Politik die neuen Maßnahmen nur als "Lockdown light" bezeichnet. Soll man sich etwa zum Einkaufen treffen? Unter diesen Umständen kann es schnell passieren, dass Menschen, die alleine wohnen, ganze Tage lang niemanden sehen oder sogar mit niemandem sprechen.

Tür zumachen geht immer 

Das Problem gibt es in Wohngemeinschaften nicht. Eher anders herum: Zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass WGs unter den falschen Voraussetzungen unangenehm sein können. Ein nerviger Mitbewohner wird in dieser Zeit noch mehr zur Belastung als ohnehin schon. In dieser Hinsicht sind sich Familien, die im Lockdown zu viel Zeit miteinander verbringen, und Mitbewohner gar nicht so unähnlich. Und doch ist auch hier die WG-Konstellation ein Vorteil – die Tür zumachen geht immer. Schließlich weiß jeder, der längere Zeit mit anderen Menschen zusammengewohnt hat: Jede WG ist nur so gut wie ihre Rückzugsorte.


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