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Krankheitstage für die Periode: Menstruationsurlaub? Nein, danke

Ein britischer Arzt fordert jeden Monat freie Tage für Arbeitnehmerinnen in der Periode. Keine gute Idee, meint Sophie Albers Ben Chamo.

"Hätten Männer Menstruationsschmerzen, gäbe es schon längst ein Gegenmittel", heißt es unter Frauen

"Hätten Männer Menstruationsschmerzen, gäbe es schon längst ein Gegenmittel", heißt es unter Frauen

Ein britischer Arzt namens Gedis Grudzinskas fordert, dass jede Frau monatlich Anspruch auf bis zu drei Tage "Menstruationsurlaub" haben soll. Da wir in einer globalisierten Welt leben natürlich weltweit. Das sei besser für die "Motivation und die Produktivität" der Kolleginnen, sagt Grudzinskas und fordert Verständnis von Arbeitgebern und männlichen Kollegen. Und ich frage mich, ob der Professor für Gynäkologie vielleicht gerade seine Tage hat. Genau: das berühmte "Hast du deine Periode?", das dumme Männer Frauen so gern an den Kopf werfen, wenn Frau sich gerade nicht so verhält, wie Mann das gern möchte. Und das kommt so:

Ja, Menstruationsbeschwerden sind weit verbreitet. Es gibt zwar Frauen, die gar nichts merken. Für andere reicht es allerdings vom leichten Ziehen im Unterleib über Gereiztheit bis zur vollen Packung Krämpfe, Erbrechen und Migräne. Es kann jedes Mal anders sein. (Und ich spreche hier nicht von der schmerzhaften Endometriose. Das ist eine Krankheit. Die Periode ist es nicht!) Die Zahlen schwanken. Mal heißt es, dass 20 Prozent, mal dass bis zu 50 Prozent der Frauen ein paar Tage im Monat abschreiben können. Bei einer pseudo-empirischen Umfrage im Freundinnenkreis sind es eher 20 Prozent.

Allerdings hat jede Frau in all den Jahren des monatlichen Besuchs der "roten Fee" (Don't ask!) Mittel und Wege gefunden, damit umzugehen. Muss sie ja. Haben alle anderen Frauen vor ihr auch schon geschafft. Zudem leben wir in einer Gesellschaft, wo frau freien Zugang hat zu allen sanitären und medizinischen Notwendigkeiten. Und manche von uns poppen eben Pillen. Oder gehen nach Hause, wenn es zu schlimm wird.

Noch ein Stigma?

Und das soll bitte auch so bleiben, denn was würde so ein amtlicher "Menstruationsurlaub" denn ganz real bedeuten? Ganz abgesehen von noch mehr dummen, sexistischen Sprüchen, ein Stigma. Selbstredend wäre es ein Grund, eine Frau nicht einzustellen, denn das würde ich auch nicht tun, wenn ich ihr bei weniger Arbeit das gleiche Geld zahlen muss. Und wie beweist frau denn bitte, dass sie gerade leidet? In Indonesien mussten Arbeitnehmerinnen schon die Unterhosen runterlassen, weil es natürlich auch zum Missbrauch der monatlichen Auszeit gekommen ist - wie es überall der Fall sein würde.

Und überhaupt: Diesen Hinweis, dass Frauen in Asien schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts Anspruch auf "Menstruationsurlaub" erhoben haben, lasse ich auch nicht gelten. Für den haben sie sich eingesetzt, weil die sanitären Einrichtungen zu dem Zeitpunkt, als Frauen endlich arbeiten durften - excuse my french - zu ekelig waren, um gesund durch die Periode zu kommen. Als der Anspruch nach dem Zweiten Weltkrieg gesetzlich geregelt wurde, haben ihn die meisten Frauen gar nicht mehr wahrnehmen wollen.

Die "unreine" Frau

Und, um auch noch moralisch zu werden: Beispielsweise in Nepal und Ruanda werden bewundernswerte Anstrengungen unternommen, damit Mädchen TROTZ Periode in die Schule oder zur Ausbildung gehen. Denn ein großer Teil der weiblichen Welt, den Professor Grudzinskas ja einbezogen wissen willl, hat auf Grund religöser Wahnvorstellungen auch im Jahr 2014 neben den herkömmlichen Menstruationsbeschwerden auch unter Ausgrenzung und Herabwürdigung zu leiden. Da käme es den Arbeitgebern doch nur gelegen, wenn die "unreine" Frau zu Hause bleiben muss.

Wie immer im Leben ist es nicht so einfach. Der Wunsch des Professors mag einen wohlmeinenden Ursprung haben, doch sind Frauen verschieden und auch die Gesellschaften, in denen sie leben. Also poppen wir weiter Pillen und gehen einfach so nach Hause, wenn es nicht mehr auszuhalten ist. Oder möchten Sie wirklich Ihrem Chef Ihren Zyklus mitteilen?

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