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Unterrichten trotz Pandemie Lehrer in der Corona-Krise: Wie klappt der Schulstart?

Kinder sitzen mit Mund-Nasen-Schutz im Unterricht
Jedes Bundesland regelt für sich, ob Kinder und Jugendliche im Klassenzimmer eine Maske tragen müssen
© izusek / Getty Images
Nach den Sommerferien beginnt der Unterricht in den ersten Bundesländern wieder. In der Planung für den Umgang mit Corona ist einiges schief gelaufen. Wir möchten nun von Lehrerinnen und Lehrern hören, wie sie sich fühlen.

Jetzt geht es also wieder los. In zahlreichen Bundesländern beginnt nach den Sommerferien der Schulunterricht. Nach dem Willen der Kultusminister sollen alle Schülerinnen und Schüler wieder zum "uneingeschränkten Regelbetrieb" in ihre Klassen zurückkehren. Die Zeit des Fernunterrichts soll damit erst einmal zu Ende sein.

Die Infektionszahlen steigen seit Tagen wieder an

Volle Klassenzimmer trotz Pandemie und steigender Infektionszahlen. Die Kritik an den Plänen war in den letzten Tagen groß. Experten, Politiker und Wissenschaftler streiten darüber, was richtig ist, was schiefgelaufen ist in der Vorbereitung und was dringend verbessert werden muss. Lehrerverbände befürchten das Schlimmste. SPD-Chefin Sasika Esken hält die Rückkehr zum Präsenzbetrieb für eine "Illusion". Israel wird als mahnendes Beispiel angeführt. Dort waren nach der Öffnung der Schulen im Mai gleich mehrere hundert Jugendliche erkrankt – und die Schulen mussten wieder geschlossen werden. Allen scheint klar, diese Schulöffnungen sind ein riskantes Experiment.

Für eine weitgehende Öffnung der Schulen gibt es natürlich auch gute Argumente. Kinder haben ein Recht auf Bildung und Bildungsgerechtigkeit. Wo in Deutschland schon vor den Sommerferien Schulen geöffnet wurden, gab es keine größeren Ausbrüche. Und bei vielen Eltern liegen nach Monaten mit Homeschooling schlichtweg die Nerven blank und vor allem das Berufsleben der Mütter leidet.

Für die Öffnung der Schulen gibt es auch gute Argumente

Aber viele Schulen fühlen sich jetzt alleine gelassen. Seit Jahren leiden sie schon an einem Lehrermangel, es wird oftmals am Rande des Zusammenbruchs gearbeitet. Infrastruktur und technische Ausstattung sind miserabel. Das System Schule ist längst überlastet. Und jetzt, in der Corona-Krise, sorgt der Föderalismus darüber hinaus für noch mehr Verwirrung und Anspannung. In manchen Bundesländern gibt es eine Maskenpflicht auf den Gängen, in anderen nicht. Abstandsregeln gelten und gelten mal nicht. Ob sie überhaupt in engen Schulgebäuden und Klassenzimmern eingehalten werden können, weiß niemand so genau. Dabei warnen Epidemiologen schon lange eindringlich, dass nur mit Masken und Abstand eine zweite Welle verhindert werden könne.

In Berlin müssen Schulen für Schüler, die ihre Masken vergessen haben, selber welche besorgen – im Supermarkt oder im Internet. Es soll viel gelüftet werden, wegen der gefährlichen Aerosole in der Luft. Alle 45 Minuten, obwohl Wissenschaftler alle 20 empfehlen. Und, ach ja: Wenn Fenster sich nicht öffnen lassen, weil sie defekt sind, sollen sich die Pädagogen selbst drum kümmern. Schul-Deutschland im Sommer 2020 ist der reine Wahnsinn. Ein wahrer Flickenteppich aus Improvisation, Regeln und Hygienekonzepten. Es ist aber auch ein gigantisches Versagen.

Die Lehrinnen und Lehrer sind die Leidtragenden

Am Ende bleibt das meiste, was jetzt in der Vorbereitung schiefgelaufen ist, an den Lehrerinnen und Lehrern hängen. Sie müssen dafür sorgen, dass die Regeln eingehalten werden. Sie stehen mit den Kindern und Jugendlichen jeden Tag im Klassenzimmer. Sie müssen die Schulen am Laufen halten. Und sie müssen improvisieren, wenn etwas nicht funktioniert. Keine Frage, der Frust ist groß. Oft sind die Gemüter erhitzt.

Deswegen unser Aufruf an Sie, liebe Lehrerinnen und liebe Lehrer: Ihre Meinung ist uns wichtig. Wir wollen Sie zu Wort kommen lassen, Ihnen eine Stimme geben. Wir wollen von Ihnen hören, wie sich der Neustart inmitten der Corona-Pandemie anfühlt. Haben Sie Angst? Sind Sie gelassen? Was finden Sie, ist gut geplant? Fühlen Sie sich von der Politik im Stich gelassen? Wie sieht es mit der Digitalisierung aus? Welche Sorgen haben Sie?

Sind Sie Lehrerin oder Lehrer? Leiten eine Schule? Melden Sie sich bei uns. Was wünschen Sie sich hinsichtlich Digitalisierung und Hygienekonzept? Glauben Sie, dass der Schulstart gut funktioniert? Wo sind die Schwächen? Schreiben Sie uns an: leseraufruf@stern.de


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