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Interview: Frau Nachtrab, wie wird man Lehrerin des Jahres?

Im Zuge des Deutschen Gründerpreises für Schüler konnten die Jugendlichen auch ihre Lehrer bewerten. Beate Nachtrab erhielt Bestnoten und freut sich. Allerdings mit einem kleinen Augenzwinkern, denn so ist sie nun mal.

Beate Nachtrab wurde von ihren Teams beim Deutschen Gründerpreis so gut bewertet, dass sie zur Lehrerin des Jahres 2015 gewählt wurde. Sie selbst sagt augenzwinkernd: "Wieder so ein Titel ohne Mittel", freut sich aber dennoch.

Beate Nachtrab wurde von ihren Teams beim Deutschen Gründerpreis so gut bewertet, dass sie zur Lehrerin des Jahres 2015 gewählt wurde. Sie selbst sagt augenzwinkernd: "Wieder so ein Titel ohne Mittel", freut sich aber dennoch.

Beim Deutschen Gründerpreis für Schüler fand am Dienstagabend die große Preisverleihung statt. Die Top-Ten der Teams aus Deutschland war nach Hamburg gekommen, um zu erfahren, auf welchem Platz ihr Projekt gelandet ist. Das Verlagshaus von Gruner+Jahr, zu dem der stern als einer der Initiatoren des Preises gehört, wimmelte vor Schülern. Zwischen all den aufgeschossenen, leicht blässlichen Teenagern, die ihre selbstentwickelten Produkte in unzähligen Fotoshootings vor die Kameras hielten, befand sich eine weitere Preisträgerin. Eine kleine Frau namens Beate Nachtrab, 54, Lehrerin für Wirtschaft und Englisch am Theresien-Gymnasium in Ansbach, Bayern, und frisch gekürte "Lehrerin des Jahres 2015". Dieser Titel wird nicht bei einer nationalen Ausschreibung vergeben, sondern innerhalb der Lehrer, die Schüler-Teams beim Deutschen Gründerpreis betreuen. Nachtrab hatte gleich drei davon.

Frau Nachtrab, wie wird man Lehrerin des Jahres?
Ich versuche, die Schüler so zu nehmen, wie sie sind. Sie sind ganz unterschiedlich, es gibt ganz ruhige und es gibt vorlaute. Und einem der Schüler, die so eine super Rezension über mich geschrieben haben, gehört eigentlich, wie man in Franken sagt, eine Watschn: Er hat in einem so schleimerischen Ton geschrieben, was ich in der letzten Zeit für die Gruppe getan hab'! Dabei weiß er genau, dass ich solche Formulierungen hasse. Zudem hat er das nachts um vier gemacht, um fünf musste es abgegeben werden, oder so. Entsprechend war er auch beinander - wenn man sich die Schreibe anguckt - ich habe ihn natürlich entsprechend zurechtgewiesen. Da hat er nur gesagt: "Wieso? Verdient haben Sie's ja." Aber es ist ja nicht nur seine Rezension so toll gewesen, es sind ja auch die anderen relativ gut ausgefallen, wie man mir gesagt hat.

Wussten Ihre Schüler, dass Sie das jemals zu sehen kriegen?
Nein, das wussten sie nicht. Die sind natürlich davon ausgegangen, dass sie das einfach mal probieren wollen, um zu sehen, wie das funktioniert. Sie wollten eine gewisse Wertschätzung mir gegenüber ausdrücken.

Gab es ein besonderes Kompliment?
Dass sie mit mir über das reden können, was ihnen gerade im Kopf herumgeht, ohne, dass ich ihnen das krummnehme.

Auch jenseits des Unterrichts stehen Sie für alle Lebensfragen zur Verfügung?
Ja. Ich glaube, das gefällt ihnen.

Wie groß war das Team, das Sie beim Deutschen Gründerpreis betreut haben?
Das waren 15, weil ich drei Teams hatte. Ich leite ein P-Seminar, das ist Teil der neuen Oberstufe in Bayern, ein Projektseminar, das über zwei Wochenstunden läuft. Und im Rahmen dessen habe ich mir den Gründerpreis als Thema überlegt. Ich hatte das vor zehn Jahren schon mal gemacht, und die Schüler waren damals top motiviert. Da hatten sie aber auch noch keinen Nachmittagsunterricht. Wenn man bis fünf Uhr in der Schule ist, wird das schon schwieriger.

Was haben Ihre Schüler entwickelt?
Die einen eine sogenannte Healthwatch, für Leute, die zu krank sind, um sich zu merken, wann sie ihre Medizin einnehmen müssen. Sie werden mit der Uhr daran erinnert. Außerdem können bestimmte Daten wie Blutdruck etc. damit direkt an den Arzt übertragen werden. So etwas Ähnliches gibt es zwar schon, aber das wissen die Schüler in dem Alter in der Regel nicht.

Das zweite Team hatte sich einen selbstfahrenden Kinderwagen überlegt, den sie mit speziellen Features ausgestattet haben: Sodass man nebenbei joggen kann, das Kind immer die optimale Wärme hat, geschaukelt wird und so weiter.

Die dritte Variante war ein Einkaufswagen. In der Gruppe waren ziemlich viele Schüler mit unter anderem türkischem Migrationshintergrund und die haben gesagt: "Man kann sich gar nicht vorstellen, was eine türkische Großfamilie am Wochenende einkaufen muss! Da ist der normale Einkaufswagen viel zu klein." Außerdem wäre es toll zu wissen, was das Ganze so grob kostet, deswegen braucht der Wagen einen Touchscreen, der die Produkte einscannt. Und er soll sich mit anderen Wagen kurzschließen können, wenn man zu zweit oder dritt unterwegs ist, damit man nicht beispielsweise fünfmal das gleiche Klopapier einkauft. Die Ideen waren alle gut!

Konnten Ihre Schüler sich platzieren?
Die Gruppe mit dem Health-Operating-System hat in Bayern den achten Platz gemacht, die anderen sind weiter hinten gelandet. Aber alle lagen bis maximal Platz 300 bundesweit. Das finde ich für die Zeit, die sie im Unterricht dafür aufwenden können, gut.

Was hat die Schüler an Ihrer Person so begeistert?
Ich habe sie unterstützt, versucht zu sehen, was sie für Ideen haben, musste sie aber auch in gewisser Weise lenken. Generell glaube ich, dass sie auch wollen, dass man ihnen ganz offen die Meinung sagt. Das ist etwas, wovor viele Lehrer zurückschrecken, doch die Schüler nehmen einem das nicht krumm. Ganz im Gegenteil, sie wissen, woran sie mit dem Lehrer sind.

Trotzdem ist es ja schwierig, Teenager bei der Stange zu halten und zu begeistern.
Wenn ich sie im normalen Fachunterricht habe, versuche ich, ihnen klarzumachen, dass sie auf jeden Fall lernen müssen. Aber ich akzeptiere auch, wenn sich jemand für ein Fach nicht so brennend interessiert, sich aber einsetzt. Das honoriere ich dann entsprechend und das kommt bei den Schülern gut an. Sie schätzen Geradlinigkeit. Und bei den Projekten muss man engen Kontakt halten, über Mail oder Skype, wir haben uns ja nur einmal pro Woche in dem Seminar gesehen. 

Was machen Sie anders als andere Lehrer?
Ich lasse mich vielleicht wenig von dem beirren, was mir mein Chef aufoktroyieren möchte. Ich habe versucht, meinen eigenen Stil zu finden.

Und was machen Sie nun mit Ihrem Titel?
Gute Frage! Eine Klasse hat mich gefragt: "Wieso sind SIE denn eigentlich Lehrerin des Jahres geworden?" Da hab ich gesagt: "Weil ich so schön bin."

Interview: Susanne Baller

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