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Leitlinien der Bundesregierung: Ist die Frauenquote gerecht?

30 Prozent der Aufsichtsratsposten sollen mit Frauen besetzt werden. Das bedeutet: 70 Prozent sind weiterhin Männer. Ist das gerecht? Das Problem liegt ganz woanders, sagt Professorin Sonja Bischoff.

Die Frauenquote kommt!" twitterte Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) aus der Bundespressekonferenz. Gemeinsam mit Justizminister Heiko Maas (SPD) stellte sie in Berlin die Leitlinien zur Frauenquote vor. Mehr als 100 börsennotierte Unternehmen sollen ab 2016 mindestens 30 Prozent Frauen in ihren Aufsichtsräten haben, bisher sind es eklatant weniger.

"Zu einer modernen Gesellschaft passt es nicht, dass Frauen immer wieder an tief verwurzelten Rollenzuschreibungen und gut funktionierenden Männernetzwerken scheitern", so Ministerin Schwesig.

Eine Frauenquote von 30 Prozent bedeutet im Umkehrschluss aber: 70 Prozent sind weiterhin Männer. Ist das gerecht? "Es geht nicht um Gerechtigkeit, sondern darum, dass mehr Frauen in Führungspositionen gelangen", erklärt die Betriebswirtin Professor Sonja Bischoff im Interview mit stern.de.

Sie sieht die Ursache an anderer Stelle. "Das Problem beginnt schon viel früher, bei der Studienfachauswahl. Inzwischen sind unter den Hochschulabsolventen 51 Prozent Frauen, aber eben nicht in den Karriere- und Management-orientierten Studienfächern wie zum Beispiel Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurswesen und Informatik."

Ungleiche Gehälter

Es ist also im Ursprung ein gesellschaftliches Problem. Würden mehr Mädchen schon in der Schulzeit in Naturwissenschaften nicht ent-, sondern ermutigt und sich dann an der Uni für andere Fächer entscheiden, wäre demzufolge auch ihr Anteil in den Führungs-Etagen später höher - so die Logik.

Aber auch der Weg nach einem karriereorientierten Studium birgt Hindernisse. Viele Frauen im mittleren Management sind frustriert, weiß Professor Bischoff: "Die Hälfte ist unzufrieden mit ihrer Arbeitssituation, was aber auch auf einen großen Teil der Männer zutrifft. Und das liegt an zwei Dingen: Zum einen an der mangelnden Qualität der Vorgesetzten in Führungsebenen; zum anderen am Gehalt. Denn Frauen werden noch immer deutlich schlechter bezahlt als Männer in vergleichbaren Positionen."

In keinem Land Europas gehen die Gehälter so auseinander wie in Deutschland. Das ist keine besonders starke Aufstiegsmotivation, weiß auch die Betriebswirtin: "Alle meine bisherigen Studien haben ergeben, dass der Anteil an Frauen, der weiter nach oben will, weitaus geringer ist als der an Männern."

Statt Frauenquote wäre laut Professor Bischoff also gerechte Bezahlung eine zielführendere Lösung: "Wenn die Unternehmen qualifizierte Frauen in Führungspositionen haben wollen, müssten sie ihre Gehälter erhöhen. Dann würde sich auch die Frauenquote erübrigen."

jbw

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