VG-Wort Pixel

Nepal Frau stirbt, weil ihr Schwager sie wegen ihrer Periode in die Kälte verbannt – nun wurde er verhaftet

Junges Mädchen vor ihrer Menstruationshütte in Nepal
Ein junges Mädchen vor ihrer Menstruationshütte im Westen Nepals
© POST PHOTO: BASANTA PRATAP SINGH/ / Picture Alliance
Laut einem alten nepalesischen Brauch müssen Frauen während ihrer Menstruation in kleinen isolierten Hütten schlafen. Das ist sehr gefährlich, weshalb die Regierung nun dagegen vorgeht. Jetzt gab es die erste Verhaftung, nachdem eine junge Frau in einer Hütte ums Leben kam.

"Chhaupadi" heißt die alte nepalesische Tradition, die immer wieder Frauen und junge Mädchen das Leben kostet und gegen die die Regierung in dem Land nun hart vorgehen will. Der Brauch schreibt vor, dass Dorfbewohnerinnen während ihrer Periode in einer kleinen Hütte oder einem anderen Unterstand bleiben müssen und nicht in den Häusern schlafen dürfen. So auch die 21-jährige Parbati Budha, die in einem Dorf etwa zwei Tagestrips außerhalb der Hauptstadt Kathmandu wohnte. 

Nachdem sie geheiratet hatte, war sie mit in das Haus ihres Mannes und seiner Familie gezogen. Während ihr Mann im benachbarten Indien arbeitete, war sein Bruder, ihr Schwager, ebenfalls im Haus. Als sie ihre Periode bekam, verbannte er sie also in ihre "Chhaupadi"-Hütte, trotz der anhaltenden extremen Kälte, besonders in der Nacht. Wie die "New York Times" berichtet, fanden ihre Verwandten die junge Frau am Morgen des 2. Dezember tot in der Hütte auf – sie hatte ein Feuer gemacht, um sich warm zu halten und war am Rauch erstickt.

Die Menstruationszelte sind eine gefährliche Tradition – nun geht die Regierung dagegen vor

Leider ist sie kein Einzelfall. Grob aus Nepali übersetzt, bedeutet "Chhaupadi" so etwas wie "unrein" und die Überzeugung, dass Frauen während ihrer Periode schmutzig oder gar unheilsbringend seien, hält sich weltweit, besonders in abgeschlageneren Regionen, weiterhin standhaft. Daher werden Frauen immer wieder für mehrere Tage jeden Monat aus ihren Häusern verbannt und in Isolation gesteckt. Dort warten neben möglicher Rauchvergiftung noch weitere Gefahren wie etwa die extreme Kälte oder giftige Schlangenbisse auf sie. Mindestens eine Frau im Jahr, meist mehr, sollen der veralteten Tradition zum Opfer fallen. Trotzdem ist etwas anders im Fall von Parbati Budha, denn zum ersten Mal wurde jemand für die Durchsetzung von "Chhaupadi" verhaftet – ihr Schwager. Nun gibt es in Nepal eine öffentliche Debatte um die Rechte von Frauen, Tradition und das Gesetz.

Der Dorfhäuptling aus dem Ort, in dem Budha verstarb, soll beispielsweise kein Problem sehen. Laut "New York Times" sagte er: "Sie ist freiwillig in die Hütte gegangen, um an dieser Tradition teilzuhaben." Und auch andere Bewohner seines Dorfes sollen die Verhaftung des Schwagers für falsch halten. Menschenrechtsaktivisten und -aktivistinnen hingegen üben schon seit geraumer Zeit Druck auf die Regierung und besonders ihre Exekutive aus, um das Gesetz, das "Chhaupadi" verbietet und welches bereits im vergangenen Jahr in Kraft getreten ist, auch wirklich durchzusetzen und Menschen, die dagegen verstoßen, zu bestrafen. Nun kam man ihrem Wunsch nach und wies die Polizei an, den Mann zu verhaften. Die Ermittlungen gegen ihn laufen noch. Sollte er verurteilt werden, würde ihm eine dreimonatige Haftstrafe bevorstehen.

"Diesmal hat die Polizei einen guten Job gemacht", wird Anti-"Chhaupadi"-Aktivistin Pashupati Kunwar in der "Times" zitiert, "das wird eine Warnung sein." In den vergangenen Wochen waren bereits zahlreiche nepalesische Dorfbewohner dazu angehalten worden, sämtliche Menstruationshütten zu zerstören. Außerdem drohte das Innenministerium damit, Familien, die der Tradition weiterhin nachgehen, finanzielle Unterstützung seitens der Regierung zu entziehen.

Quelle: "New York Times"

jgs

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker