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Leben Forscherin erklärt, warum man als Erwachsener kaum noch Freundschaften schließt

Je älter man wird, desto schwieriger ist es Freundschaften zu knüpfen – unmöglich ist es aber nicht 
Je älter man wird, desto schwieriger ist es Freundschaften zu knüpfen – unmöglich ist es aber nicht 
© Getty Images
Gefühlt fällt es einem mit voranschreitendem Alter immer schwerer, neue Kontakte zu knüpfen. Doch das ist keine Einbildung, wie eine Forscherin jetzt erklärt.

Beobachtet man Kinder, so scheinen sie kaum Berührungsängste zu haben und sind innerhalb kürzester Zeit miteinander befreundet. Auch unter Teenagern beobachtet man große Freundeskreise – manchmal bewegen sie sich sogar zwischen mehreren Gruppen. Und als Erwachsener? Da scheint es einem im Berufsalltag immer schwerer zu fallen, neue Kontakte zu knüpfen. Oft steht und fällt das Gelingen um neue Freundschaften auch mit dem eigenen Arbeitsumfeld. Schließlich verbringt man die meiste Zeit am Tag mit seinem Job. 

Marisa G. Franco, Soziologie-Professorin an der University of Maryland, erklärt gegenüber dem amerikanischen Radiosender WBUR, dass dies keine Einbildung, sondern tatsächlich Realität ist: Je älter wir werden, desto schwieriger wird es, organisch Freundschaften zu schließen. Denn für eine Freundschaft müssten bestimmte Voraussetzungen geschaffen sein, so die Wissenschaftlerin. Dazu gehört ständige ungeplante Interaktion und gemeinsame Verletzlichkeit. "Aber wenn wir erwachsen werden, kommen wir immer weniger in Situationen, in denen diese Faktoren eine Rolle spielen", meint Franco. 

200 Stunden für eine enge Freundschaft

Glaubt man den Forschenden, so brauche es mindestens 50 Stunden, um eine lockere Freundschaft zu schließen, wirklich enge Verbindungen hingegen bräuchten mindestens 200 Stunden. Und als erwachsener Mensch mit Kindern, einem Job und einer Menge anderer Verpflichtungen fehlt dazu einem schlichtweg die Zeit. Doch auch, wenn diese Zahlen ernüchternd klingen mögen, versichert Franco im Interview, dass es dennoch nicht unmöglich sei, neue Freunde zu finden. 

Demnach müsse man dem Glück einfach ein wenig auf die Sprünge helfen, wenn die Begegnungen nicht auf natürliche Weise entstünden, und zwar in Form von organisierten Aktivitäten: einen Buchklub gründen, gemeinsame Abendessen, hin und wieder mal eine Wanderung. Tatsächlich ist es wissenschaftlich erwiesen, dass gemeinsames Singen besonders effektiv ist, um Freundschaften zu festigen. Und so ergeben als Erwachsener die uns damals befremdlich vorkommenden Aktivitäten unserer Eltern vielleicht doch mehr Sinn. 

Gruppenaktivitäten bringen Vorteile

Durch Gruppenaktivitäten entstünden auch weitere Vorteile, meint Franco. "Forschende haben herausgefunden, dass unsere Freundschaften dauerhafter sind, wenn wir uns in Gruppen zusammenschließen, als wenn es sich um Einzelpersonen handelt, weil es jetzt mehrere Berührungspunkte gibt. Wenn einer aus der Gruppe alle kontaktiert, blieben alle anderen auch automatisch in Kontakt" erklärt sie.

Leben: Forscherin erklärt, warum man als Erwachsener kaum noch Freundschaften schließt

Auch wenn man anfangs schüchtern sei, so wäre es doch wichtig, diese Schüchternheit zu überwinden, um andere nach ihren Kontaktinformationen zu fragen, betont Franco. "Wir alle neigen dazu, zu glauben, dass wir eher abgelehnt werden, als es tatsächlich der Fall ist", sagt die Wissenschaftlerin. 

Menschen brauchen Freundschaften 

Forschende haben auch herausgefunden, dass fehlende Freundschaften genauso schädlich für den Körper sein können wie eine Schachtel Zigaretten am Tag. Sie helfen dabei, widerstandsfähig, aufgeschlossen und im Alter klüger zu sein. Vor allem nach zwei Jahren der Isolation in der Corona-Pandemie ist es besonders wichtig, wieder soziale Kontakte aufleben zu lassen oder neue zu finden. Auch wenn es vielleicht nicht so einfach ist wie zu Schulzeiten. Die geistige und körperliche Gesundheit wird davon profitieren. 

Quellen:"WBUR", "Inc.com"


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