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Neue TV-Serie "Masters of Sex": Vögeln für die Wissenschaft

William Masters und Virginia Johnson gehören zu den wichtigsten Sexualforschern des 20. Jahrhunderts. Die Anfänge ihrer Arbeit waren mühsam. In "Masters of Sex" macht es Freude, ihnen dabei zuzusehen.

Von Viktoria Meinholz

Sie täuschen einen Orgasmus vor. Ist das ein normales Vorgehen bei Prostituierten?" "Das ist ein normales Vorgehen bei allen Menschen mit einer Möse."

William Masters muss noch einiges lernen, als er beginnt, die menschliche Sexualität zu erforschen. In den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts ist Sex ein Tabuthema. Dass Masters, ein erfolgreicher Gynäkologe, sich wissenschaftlich damit auseinandersetzen will, freut weder seinen Chef noch seine Kollegen. So beginnt er zunächst heimlich, die Prostituierte Betty bei der Arbeit zu beobachten und zu befragen. Sie ist es auch, die ihn über vorgetäuschte Orgasmen aufklärt.

Die amerikanische Serie "Masters of Sex", die ab dem 5. August bei ZDFneo läuft, erzählt die Geschichte des eigenwilligen Arztes. Die TV-Produktion basiert auf dem Buch "Masters of Sex: The Life and Times of William Masters and Virginia Johnson. The Couple Who Taught America How to Love“ von Thomas Maier. Denn William Masters arbeitete nicht alleine. Virginia Johnson, zu Beginn der Geschichte seine Assistentin, wird für sein Projekt - und ihn - schnell unersetzlich.

Johnson ist geschieden, zweimal, hat zwei Kinder und keinen Uniabschluss. Trotzdem schafft sie den Sprung von der Sekretärin zur Wissenschaftlerin. Bereits in der ersten Folge der Serie wird klar, dass Masters bei seinem neuen und sehr speziellen Forschungsgebiet auf sie angewiesen ist. Johnson setzt Masters strikter Sachlichkeit und überraschender Verklemmtheit eine Neugier und Offenheit entgegen, die für die provokanten Versuche der beiden dringend notwendig sind.

Zwischen Forschung und Liebeswirren

Die Erkenntnisse von Masters und Johnson veränderten das Denken und Reden über Sexualität. Vor ihnen hatte sich nur Alfred Kinsey wissenschaftlich mit Sex befasst, seine berühmten "Kinsey-Reports" waren jedoch durch Befragungen erstanden. Masters hingegen versuchte, Sex und Masturbation zu vermessen. Dafür schloss er Probanden an Messgeräte an oder baute einen mit Kameras ausgestatteten Dildo, um zu erfahren, was beim Orgasmus im Körper passiert.

Dass selbst solche Szenen nur zu einem Grinsen verleiten und nicht lächerlich wirken, verdankt "Masters of Sex" neben einer sehr guten Ausstattung auch den hervorragenden Schauspielern. Lizzy Caplan manövriert sich als Virginia Johnson mit sehr viel Stil durch jede noch so peinliche Situation. Verunsicherte Ärzte auf Freiersfüßen, halbnackte Krankenschwestern bei der Selbstbefriedigung und ein Chef, der aus wissenschaftlichen Gründen mit ihr schlafen will - nichts davon kann sie aus der Fassung bringen. Michael Sheen spielt William Masters als wunderbar prüden und selbst im Ehebett noch hundertprozentig konzentrierten Menschen.

Frauen dürfen mehr als nur hübsch aussehen

"Masters of Sex" erinnert optisch an "Mad Men". Die aufwendigen Requisiten und die zeitgetreue Kleidung, erwecken auch hier das Gefühl einer Zeitreise. Doch anders als in der zehn Jahre später spielenden Serie, sind die Frauen bei "Masters of Sex" mehr als nur Beiwerk. Sie dürfen eine eigene Meinung haben und nutzen ihre Macht nicht nur im Bett aus. Auch wenn sich Virginia Johnson als Hure beschimpfen lassen muss, weil sie Spaß an Sex hat, schafft sie den Weg von der einfachen Sekretärin zur erfolgreichen Wissenschaftlerin - und das ohne wie ein hässliches Entlein aussehen zu müssen.

Die US-amerikanische Fernsehserie feierte im September 2013 Premiere beim Sender Showtime. ZDFneo zeigt die ersten zwölf Folgen ab dem 5. August immer dienstags um 22.45 Uhr in Doppelfolgen. In den USA wird gerade die zweite Staffel ausgestrahlt. In Deutschland lief "Masters of Sex" bereits beim Bezahlsender Sky.

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