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Neustart: Hochzeiten und Babys fotografieren - das pure Glück!

Nach einem Urlaub war plötzlich klar, dass Judith Thomandl nicht länger als IT-Beraterin arbeiten wollte. Sie kündigte und wollte eine Bildagentur gründen. Dann wurde sie schwanger - und Fotografin.

Von Andrea Schaper

Im Grunde habe ich jetzt schon den dritten Beruf ... Eigentlich wollte ich nach der Schule etwas Kreatives machen, aber Ausbildungsplätze waren rar und München so weit weg. So bin ich nach einem kurzen Abstecher als Buchhalterin in der IT-Branche gelandet, zwölf Jahre war ich im größten Softwareunternehmen Microsoft. Eine wirklich gute Zeit dort - viel gelernt, wahnsinnig viel gearbeitet.

Die letzten sechs Jahre habe ich als Systems-Engineer Konzerne beraten, habe Vorträge gehalten und bin jede Menge Meilen geflogen. Und ich habe mich oft gefragt, ob mir das eigentlich so noch Spaß macht.

Der größte Fehler? Ich hätte mich früher mit anderen austauschen sollen, anstatt mich allein durch alles kämpfen zu müssen

Der Schlussstrich

Fotografiert habe ich immer schon gern, manchmal auch Bilder an Verlage verkauft, sodass ich mir ein Ultimatum setzte: Nach einem langen Urlaub wollte ich eine Entscheidung treffen. Der erste Arbeitstag war noch entspannt, aber am zweiten Tag war klar: Ich muss einen Schlussstrich ziehen. Ich konnte mich nicht mal mehr überwinden, meinen Posteingang auch nur anzusehen! Zu viel Blabla, zu wenig Butter bei die Fische, zu viel Verwaltung.

Zwei Tage später habe ich die Kündigung geschrieben. Freunde, Familie, sie haben mit Unverständnis bis Fassungslosigkeit reagiert, aber zum Glück stand mein Mann hinter mir und unterstützt mich bis heute. Ein wichtiger Faktor! Mein Plan war, eine Bildagentur zu gründen. Ob das nun gutes Timing war, ich bin nicht sicher - auf jeden Fall kam der Gründung meiner Agentur die Geburt meines Sohnes 2006 dazwischen.

Durch Kontakte, die sich mit einem eigenen Kind ergeben, wurde ich mit Anfragen zu Kinder- und Familienfotografie überrollt und habe mir das nötige Know-how selbst beigebracht. Den Plan mit der Bildagentur ließ ich fallen, es war einfach keine Zeit dafür. Ich brauche nur wenig Werbung zu machen, ich bin gut ausgelastet. Viele Kunden bekomme ich über Empfehlungen, viele durch das Internet. Seit ein paar Jahren habe ich mich hauptsächlich auf Fotografie von Neugeborenen und Hochzeitspaaren spezialisiert – das pure Glück also -, und ich habe nie zurückgeschaut!

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