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Neustart: Mein neues Leben als Bischof

Dass alle seine Radiostimme kannten, gefiel Stefan Oster zunächst. Auf die Popularität folgte die Sinnkrise. Also krempelte der Journalist sein Leben um.

Von Matthias Lauerer

Als es so weit war, fühlte Bischof Stefan Oster "tiefen Frieden". Am 24. Mai 2014 stand der 49-Jährige im Passauer Dom und wurde zum jüngsten Diözesan-Bischof Deutschlands geweiht. Doch bis dahin beschritt der Pater des Salesianerordens Don Bosco einen anderen Weg. Neugier und Spaß an Sprache waren für Oster der Reiz, Journalist zu werden. "Mein Vater leistete die Pressearbeit für eine Bundeswehrdivision." Sohn Stefan tat es ihm nach und ging zum Radio.

Ich hatte eine Krise und fragte mich, weshalb ich es toll finde, dass mich alle im Radio kennen.

Aber es passte nicht: "Ich hatte eine Krise und fragte mich, weshalb ich es toll finde, dass mich alle im Radio kennen. Du musst den Sinn des Lebens ergründen und nicht etwas machen, nur weil du eitel bist."

Der gebürtige Amberger studierte Philosophie, Geschichte und Religionswissenschaften, reiste nach Indien und Nepal. Im Gepäck: Hermann Hesses "Siddhartha".

Nach Studienende wollte er nicht mehr Journalist sein, trat in den Salesianerorden ein, um in der Jugendbildung und -erziehung tätig zu sein. Der Orden kümmert sich um deren seelsorgerische Pflege. "Eine der vornehmsten Aufgaben von Menschsein ist es, anderen bei der Menschwerdung zu helfen." Jener Schritt löste bei Freunden und Familie große Verwunderung aus. "Einige verstanden mich, andere waren bestürzt."

"Dein Wille geschehe, nicht meiner"

Er begann 1996 das Theologiestudium, die Habilitation folgte. Doch 2014 änderte sich alles: "Ich hatte schon gehört, dass ich zu einem Kreis von Leuten gehöre, über die als Bischof nachgedacht wird. Etwas in mir sagte: 'Das kann ich nicht, das will ich nicht.' Hier gab es inneren Widerstand, aber auch wieder die Versuchung der Eitelkeit." Oster folgte dem Satz: "Ich will zur Verfügung stehen, Herr. Dein Wille geschehe, nicht meiner."

Am Tag der Bischofsweihe war er "freudig und nicht nervös" und sagte über seine Eltern: "Ich hatte Glück, in einer Familie aufzuwachsen, in der man mir vermittelte, dass sie mich lieben, ehe ich etwas geleistet habe." Einziges Manko sei es heute, dass ihm die Zeit für ausgiebigen Sport fehle: "Ich muss mich erst an das neue Leben gewöhnen."

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