HOME

Neustart: Von Apothekern zu Eisproduzenten

Rezepturen haben Petra Groben schon immer fasziniert, aber Personalführung und Verwaltung haben sie in ihrer Apotheke irgendwann gelangweilt. Also schlug sie ihrem Mann vor, eine Eisdiele zu eröffnen.

Von Matthias Lauerer

Paolo Moretti  zusammen  mit  seiner Frau Petra  Groben vor ihrer  Eisdiele "Allegro  Eis" in Bonn

Paolo Moretti
zusammen
mit
seiner Frau Petra
Groben vor ihrer
Eisdiele "Allegro
Eis" in Bonn

Es ist die Mischung, die Petra Groben fasziniert. "Ich habe mich mein Leben lang mit Rezepturen beschäftigt. Früher waren es pharmazeutische, heute sind es Eis-Rezepturen." Sie studierte Pharmazie und startete 1992 mit ihrer ersten Apotheke, 2004 folgte die zweite. Die Geschäfte liefen gut. Doch die meiste Zeit verbrachte Groben mit Personalführung, Organisation und Verwaltungsaufgaben. "Zu mir kamen die Menschen mit ihren Sorgen und Krankheiten." Freizeit blieb da kaum für sie und ihren Mann Paolo Moretti: "Online-Apotheken sind eine ernst zu nehmende Konkurrenz." Deshalb investierten sie "in Beratungskompetenz der Mitarbeiter".

Nach 20 Jahren Apothekenarbeit war es dann so wie mit Kindern: "Sie sind erwachsen und brauchen einen nicht mehr." Der Wunsch nach einer neuen Herausforderung machte sie schließlich zu Eisproduzenten. Schon früher hatte Groben von einer eigenen Eisdiele geträumt, wollte etwas mit den Händen schaffen. Sie rief ihren Mann an: "Paolo, wir machen Eis." Reaktion: "Du spinnst!"

"Seid ihr verrückt?"

Durch einen persönlichen Kontakt erhielt das Paar ein faires Angebot für die Apotheken - sie verkauften. Die Reaktion ihres Umfeldes fiel ernüchternd aus: "Seid ihr verrückt?" Doch sie ließen sich nicht beirren und besuchten drei Monate eine Eis-Universität in Bologna.

"Es fasziniert mich, was aus Substanzen entsteht, wenn Qualität und Mischungsverhältnis stimmen", sagt Petra Groben. Auch "wieder ein ganz kleines Licht zu sein" störte nicht. Der Umbau machte ihr Gründerzeithaus zur Eismanufaktur. Letztes Jahr dann die erste Saison. Es lief gut, der Umsatz stimmte. "Doch in Deutschland fanden wir weder den speziellen Zucker noch gute Pistazien oder Haselnüsse."

"Man muss sich nur trauen"

Heute importieren sie alle Zutaten aus Italien. "Es gibt nur wenige, die Eis so traditionell herstellen wie wir. Die Knochenarbeit übernehmen die Maschinen." Paolo Moretti kümmert sich um die Gäste. "Ich sehe ihn aufblühen, wenn er mit Stolz über Spätmandarinen aus Ciaculli oder Pistazien aus Bronte erzählt", sagt seine Frau. Den Schritt bereuen beide nicht: "Man muss sich nur trauen. Dann wird man reich belohnt."

Geschichten vom Neustart finden Sie in jeder Ausgabe von viva!

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity