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Nieder mit der Perfektion!: So haben Sie mehr Zeit für die Familie

Job, Freunde, Hobbys, Kinder - viele Eltern haben das Gefühl, den Anforderungen des Alltags nicht gerecht werden zu können. Das muss nicht sein: Hier finden Sie einfache Erste-Hilfe-Tipps.

Arbeiten, zum Hort hetzen und den Nachwuchs abholen, Essen machen, Hausaufgabenhilfe, mit Freunden telefonieren, Gute-Nacht-Geschichte, Mails beantworten, Haushalt - der Alltag macht viele Eltern fertig. Ähnliches ergab auch die Familien-Studie des Institutes für Demoskopie in Allensbach: Die meisten Mütter und Väter von Kindern unter 16 Jahren wünschen sich demnach mehr Zeit für ihre Familie - ein gutes Drittel sogar viel mehr.

Wieso zerreiben wir uns so zwischen Kindern, Freunden, Alltag und Karriere? "Viele Menschen legen die Messlatte einfach zu hoch. Der Hochgeschwindigkeitszug unserer Leistungsgesellschaft macht an den privaten Haustüren nicht Halt", erklärt Cordula Nussbaum, 44, Expertin für Zeit- und Selbstmanagement.

Wir wollen immer perfekt sein, am besten in allem. Vorzeige-Mamis, Bilderbuch-Papis, Premium-Freunde, Sportskanonen, Karrieremacher. Das stresst. Von den Eltern, die die Wissenschaftler im Auftrag von Vorwerk befragten, haben etwa zwei Drittel das Gefühl, nicht immer allen Anforderungen gerecht werden zu können. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist dabei marginal. Weil die Zeiten sich geändert haben, erklärt Cordula Nussbaum: "Während sich in früheren Generationen Mütter und Väter ihre 'Bereiche' aufgeteilt haben, sehen sich heute immer mehr Väter nicht nur als Ernährer, sondern auch als Erzieher und bei den Frauen ist es umgekehrt. Mit dem Ergebnis, dass keiner der beiden jemals richtig Feierabend hat."

Und das hat Auswirkungen: Viele Eltern geben in der Studie an, dass zumindest gelegentlich ein wichtiger Lebensbereich dran glauben muss. Bei Vätern sind es Partnerin und Kinder; Mütter lassen sich am ehesten selbst zu kurz kommen. Am wenigsten leidet bei beiden der Job, viele Eltern wünschen sich aber mehr Unterstützung vom Arbeitgeber. "Zeitgemäßes, familiengerechtes Arbeiten bedeutet in erster Linie, sorgsam mit Energie und Kraft umzugehen. Viele Unternehmen helfen ihren Mitarbeitern dabei, indem sie mit entsprechenden Arbeitszeitmodellen, Kinderbetreuung oder Auszeitregelungen die Vereinbarkeit von Kindern und Karriere erleichtern", so Cordula Nussbaum.

Die Erste-Hilfe-Tipps

Aber müssen wir immer in allen Bereichen die absolute Perfektion anstreben? Mitnichten, findet die Autorin des Buches "Familienalltag locker im Griff" (GU): "Nicht allen Anforderungen müssen wir tatsächlich nachkommen. Fragen Sie sich: Wie perfekt muss eine Wohnung mit kleinen Kindern wirklich aufgeräumt sein? Es lohnt sich, sich mit seiner Familie zusammen zu setzen und zu schauen, wer welche Belastung zu stemmen hat (...) und dann gemeinsam zu überlegen, wer welche Aufgaben künftig übernehmen kann."

Und so können Mütter und Väter ihren Alltag entzerren, um Job, Familie, Partnerschaft, Freunde, Hobbys besser unter einen Hut zu bekommen - Cordula Nussbaums Top-5-Liste:

1. "Fragen Sie sich: Wie oft haben Sie sich in den letzten Tagen müde und leer gefühlt, Kopfweh gehabt? Je leerer Ihr Akku derzeit ist, desto radikaler dürfen Sie eine Schneise in Ihren Alltag schlagen. Fühlen Sie sich fit und voller Energie? Dann brauchen Sie nichts zu ändern."

2. "Setzen Sie sich mit hin, gerne mit Partner oder Partnerin, und schreiben Sie alles auf, was Sie in den kommenden vier Wochen vorhaben. Erstellen Sie eine Art Stundenplan, was zu stemmen ist. Bewerten Sie nun die einzelnen Aktivitäten mit Punkten von 0 bis 5, wobei '0' kein Stress bedeutet, und '5' hoher Stressfaktor. Und vergeben Sie ein '+' für 'bringt mir Energie' und ein '-' für kostet mich/uns Energie."

3. "Streichen Sie so gut es geht alle Aktivitäten der kommenden Wochen, denen Sie eine '5' und ein '-' gegeben haben. Sagen Sie Einladungen oder Sonderprojekte freundlich ab, mit dem Hinweis dass es in den nächsten Wochen leider doch nicht geht."

4. "Fragen Sie sich, was von den Aktivitäten jemand anderer (ausnahmsweise) übernehmen kann: holen Sie sich Unterstützung. Nicht alles, was in einer Familie gemacht werden muss, muss von Ihnen erledigt werden."

5. "Belohnen Sie sich. Legen Sie sofort Zeit-Inseln in Ihren Kalender mit Aktivitäten an, die Ihnen wirklich Energie schenken. Nehmen Sie sich mindestens einmal die Woche frei - zum abschalten, erholen, ausruhen."

Denn manchmal ist es gut, sich immer wieder eine simple Wahrheit vor Augen zu führen - das weiß auch Frau Nussbaum: "Wir Menschen sind keine Maschinen."

jbw / print

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