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Obdachlose in den USA: Licht für die, die im Schatten leben

Kunst kann helfen, die Welt zu verändern, glaubt der kalifornische Fotograf Aaron Draper. Er fotografierte Obdachlose, um die Menschen am Rande der Gesellschaft ins Licht zu holen. Für sein Projekt "Underexposed" entstanden Porträts, die viel über das Leben erzählen.

Von Susanne Baller

Will

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"Underexposed", unterbelichtet, nennt Aaron Draper seine Serie über Menschen, die im Schatten der Gesellschaft leben. Der kalifornische Professor für Fotografie, selbst in relativ ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, hat sich bereits als Kind gefragt, wie Obdachlose leben und wie sie überleben. "Ich bewundere die Geschichten, die sie in ihren Gesichtern tragen. In den Falten lässt sich ablesen, was sie erlebt haben. Dadurch entstehen wundervolle Porträts", sagt Draper in einem Video, in dem er über seine Idee zu dem Projekt berichtet. "Sie haben einen Weg gefunden, in einer Welt zu leben, in der niemand leben möchte."

Draper unterrichtet an der der California State University, "Underexposed" war  ein Teil seiner Masterarbeit, die Bilder entstanden im Sommer 2014. Draper wählte das Thema Obdachlosigkeit, weil er eine besondere Verbindung zu den Menschen spürt, ein Gefühl, das er mit anderen teilen möchte. "Ich glaube, es begann damit, dass ich John Steinbeck gelesen habe, 'Früchte des Zorns" und 'Von Mäusen und Menschen'. Steinbeck hat den Armen eine Stimme verliehen", sagt der Fotograf.

Kunst kann aufklären

Fotografen haben die Pflicht, mit ihrer Kunst die Politik zu beeinflussen, ebenso wie die Gesellschaft und das Denken der Menschen, glaubt Draper. Er bezahlt die Porträtierten dafür, dass sie ihm Modell stehen und ihm ihre Zeit zur Verfügung stellen. Hat er die Bilder entwickelt, setzt er alles daran, sein Model wiederzufinden und ihm einen Abzug zu schenken. "Die meisten habe ich gefunden, nach manchen suche ich immer noch. Ich hoffe, sie kriegen so eine Idee davon, wie schön sie aussehen, wenn sich jemand die Zeit nimmt, ein wunderschönes Porträt von ihnen zu machen", berichtet Draper. 

"Wenn etwas unterbelichtet ist, bedeutet das, dass es an Licht mangelt. Ich verwende ein Stroboskop, um meine Modelle ins richtige Licht zu setzen und aus dem Schatten zu holen - damit sie von anderen gesehen und gewürdigt werden", erklärt der Fotograf, der seinem Anspruch an sich, die Welt zu verbessern, seit mehr als 15 Jahren nachgeht.

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