HOME

Sexistisches Poster: Wie konnte das passieren, Oetinger-Verlag?

Der Junge ist intelligent, sportlich und witzig - das Mädchen sieht gut aus. So die Kurzzusammenfassung eines Werbeposters, das dem Oetinger-Verlag gerade einiges an Ärger beschert.

Von Viktoria Meinholz

"Die inneren Werte von Tanjas BH" erschien bereits 2013 im Oetinger-Verlag, im Februar 2015 ist ein weiteres Buch der Autorin veröffentlicht worden. Der Titel: "Touchdown! Ran an die Bälle!"

"Die inneren Werte von Tanjas BH" erschien bereits 2013 im Oetinger-Verlag, im Februar 2015 ist ein weiteres Buch der Autorin veröffentlicht worden. Der Titel: "Touchdown! Ran an die Bälle!"

Ben ist dreizehn Jahre alt und total verknallt in Tanja. Er freut sich auf die Sommerferien mit ihr - sechs Wochen abhängen am Baggersee. Schließlich kann er seit Wochen nur noch an Tanja und den Inhalt ihres BHs denken. So in etwa lautet der Inhalt des Jugendbuches "Die inneren Werte von Tanjas BH" von Alex Haas, das bereits im Sommer 2013 im Oetinger-Verlag erschienen ist. Jeder Ausgabe des Buches liegt ein "ultacooles Mädchen- und Jungsposter" bei, wie es auf der Verlagshomepage heißt. Und genau dieses Poster sorgt gerade für Aufregung im Netz.

Es zeigt einen komplett angezogenen Jungen und ein Mädchen im Bikini. Mithilfe von kleinen Pfeilen auf einzelne Körperstellen erfahren wir mehr über die beiden: Während Ben sich in seinem "Superhirn" schlaue Dinge überlegt, die dann über seine "Intelligenzausgabestation" nach draußen gelangen, tut sich in Tanjas "Hohlraum" recht wenig, ihre "Quasselstation" ist natürlich trotzdem in Dauerbetrieb. Entsprechend sind ihre Hände als "Nagellacktester" und ihre Füße als "Stöckelschuhhalter" im Einsatz, seine hingegen als "Skatermodul".

Das Frauenbild, das dieses Poster vermittelt, kommt nicht gut an. Unabhängig vom Inhalt des Buches sei es unmöglich, junge Mädchen auf diese Art zu charakterisieren, so die mehrheitliche Meinung in den sozialen Netzwerken. Schließlich tragen genau solche Darstellungen dazu bei, dass sich falsche Rollenbilder in den Köpfen festsetzen. Als "witzig und respektlos" wird das Buch auf der Verlagshomepage beschrieben. Über das "ultracoole" Poster können leider nur wenige lachen ...

Als Reaktion hat der Verlag folgenden Text auf seiner Facebookseite veröffentlicht: "Dieses Plakat, das dem Buch 'Die inneren Werte von Tanjas BH' beiliegt, zeigt den Blick des dreizehnjährigen Ben auf gleichaltrige Mädchen. Ben tappt von einem Fettnapf in den nächsten, weil er sich von Geschlechterklischees leiten lässt. Der Leser lacht über Bens ironisch zugespitzte Verirrungen. Das Plakat folgt dem gleichen Prinzip und ist absichtlich so deutlich überzeichnet, um keinerlei Zweifel aufkommen zu lassen: Hier geht es nicht um eine ernst gemeinte Darstellung von Geschlechtereigenschaften, sondern um unter Jugendlichen in der Pubertät weit verbreitete Vorurteile. Wir als Jugendbuchverlag nehmen dieses Thema ernst und greifen hier zum Mittel der Ironie."

Auch Doris Janhsen, die Geschäftsführerin des Verlags, äußerte sich zu den Vorwürfen: "Wir bei Oetinger haben das Buch 'Die inneren Werte von Tanjas BH' vor allem deshalb verlegt, weil es mit Geschlechterklischees spielt, sie also nicht zementiert, sondern, ganz im Gegenteil, ironisch vorführt. Und zwar auf eine Art, die die Zielgruppe erreicht. Das dem Buch beigefügte Plakat übersetzt die peinlichen Verirrungen des Protagonisten ins Bild. Und die sind derart überzogen, dass darauf eigentlich nur eine Reaktion möglich ist: Über die ihnen zugrunde liegenden Geschlechterklischees zu lachen. Und Humor ist bekanntermaßen die beste Waffe gegen stereotype Vorstellungen.“

Doch nicht alle können über diese Ironie lachen.

Wissenscommunity