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Bubble Tents im Altersheim: Besuche und sogar Berührungen möglich – spezielle Zelte geben Senioren den Lebensmut zurück

Wegen der Corona-Gefahr müssen Senioren schon seit Monaten auf Besuche verzichten. In einem Altersheim in Frankreich können sie ihre Angehörigen jetzt in einem infektionssicheren Zelt treffen – nur getrennt durch eine dünne Folie.

Ein Ehepaar im Bubble Tent, sie hält durch die Folie seine Hand

Nach monatelanger Trennung kann sich dieses Ehepaar im Altersheim von Bourbourg wieder treffen – das Blasenzelt macht es möglich

AFP

Ältere Menschen sind vom Coronavirus ausgesprochen hart betroffen. Einerseits, weil sie gesundheitlich zur Risikogruppe gehören, für die das Virus schnell lebensgefährlich werden kann. Zum anderen aber auch, weil die Isolationsmaßnahmen, die eigentlich zu ihrem Schutz dienen, ihnen psychisch besonders zusetzen. Viele verlieren nun ihre ohnehin schon wenigen sozialen Kontakte.

Kreative Lösungen sind also gefragt, um Senioren mit ihren Kindern und Enkeln zusammenzubringen und gleichzeitig die Gesundheit aller bestmöglich zu schützen. Ein Altersheim in Frankreich bietet seinen Bewohnern jetzt genau diese Möglichkeit, berichten die französische Lokalzeitung "La Voix du Nord" sowie die Nachrichtenagentur AFP. Die Einrichtung in Bourbourg, im Norden des Landes, nutzt dafür sogenannte bubble tents – Zelte in Blasenform.

Betreuerinnen helfen einem Bewohner aus dem Zelt

Betreuerinnen helfen einem Bewohner aus dem Zelt

AFP

Bubble Tents ermöglichen Besuche von Angehörigen

Das Zelt ist im Inneren in zwei Einheiten unterteilt, die durch eine Folie voneinander getrennt sind. So können die Senioren ihre Verwandten sehen, sich mit ihnen unterhalten und sie sogar berühren, ohne dass eine Infektionsgefahr besteht. Zudem verfügt das Zelt über zwei separate Eingänge. Bei den Bewohnern des Altersheims in Bourbourg sorgte diese Idee für große Freude: Zum ersten Mal nach zwei Monaten konnten sie wieder Besuch empfangen. In Frankreich gibt es ein Besuchsverbot in Altersheimen, um Infektionen zu verhindern – wie lange Zeit auch in weiten Teilen Deutschlands.

Ursprünglich wurden die Zelte der Firma Bubble Tree zu touristischen Zwecken entworfen, beispielsweise für Wandertouren. In der Corona-Krise werden sie kurzerhand umfunktioniert. "Wir wollten Menschlichkeit in eine völlig unmenschliche Situation bringen", erklärt der Chef von Bubble Tree, Pierre-Stéphane Dumas, der dem Seniorenheim die Zelte zur Verfügung stellt. Sicherheit habe dabei absolute Priorität, es seinen dafür nur leichte Modifikationen notwendig gewesen.

Senioren können wieder soziale Kontakte pflegen

Im Altersheim von Bourbourg wird daraus "eine Blase des Glücks", wie Leiterin Audrey Bernard es nennt: "Ein Raum, in dem sich Familien verbunden fühlen können, nur durch eine flexible und komplett durchsichtige Wand getrennt." In den vergangenen Wochen hätten die Bewohner eine sehr schwere Zeit durchgemacht, viele hätten sich sehr einsam gefühlt, manche sogar den Lebensmut verloren. 

"In der Blase finden sie Intimität", sagte Bernard der lokalen Zeitung "La Voix du Nord". Sie kann sich vorstellen, dass das Modell auch für andere Einrichtungen sinnvoll sein könnte: "Wir sind hier ein Pilotprojekt für diesen Prototyp."

Quellen: "La Voix du Nord" / AFP

epp

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