VG-Wort Pixel

Sexuelle Belästigung 2 von 3 Frauen sind betroffen: Wie man sexuelle Übergriffe verhindern oder stoppen kann

Erhobene Hand zur Abwehr
Nein heißt Nein!
© Panthermedia / Imago Images
Sexuelle Übergriffe sind weit verbreitet und viel subtiler, als manche Person denken mag. Wir erklären, was man dagegen tun kann – und wie man betroffenen Personen bei einem Übergriff auf offener Straße helfen kann

Sexuelle Übergriffe gehören in den Alltag von vielen Frauen und weiblich gelesenen Personen. 2 von 3 Frauen werden Opfer sexueller Belästigung. Oft heißt es, Frau dürfe eben nicht so kurze Kleidung tragen oder sich nicht so sexy bewegen. Oder sie dürfe keinen Alkohol trinken, um Herrin ihrer Sinne zu bleiben. 

Die Wahrheit ist: Nichts schützt einen Menschen besser vor sexuellen Übergriffen, als Menschen, die sich nicht übergriffig verhalten. So einfach ist es jedoch leider nicht. Deshalb folgen hier ein paar Tipps, wie man sich selbst und andere schützen und unterstützen kann, wenn sie mit sexueller Gewalt konfrontiert werden. 

Was ist alles übergriffig?

Sexuelle Übergriffe können überall in der Gesellschaft und in den unterschiedlichsten Kontexten stattfinden – nicht nur nachts auf der Straße gegen weiblich gelesene Personen. Jede 3. Frau in Deutschland ist von sexueller und/oder körperlicher Gewalt betroffen. Sexuelle Übergriffe sind weit verbreitet und viel subtiler, als manche Person denken mag. Unter sexuelle Übergriffe fallen sowohl sexuelle Belästigung als auch sexuelle Gewalt.

Sexuelle Belästigung fängt beim Pfeifen an. Es kann physischer – ungewolltes Berühren – oder verbaler Natur sein. Es kann in Form von unangemessenen Briefen, Anrufen, Nachrichten oder Geschenken stattfinden. Nachstellen, Verfolgen, Anstarren, Bedrängen und Hinterherpfeifen gehört auch dazu. Zu Übergriffen zählt auch: anzügliche Bemerkungen mit sexuellem Bezug, sexistische Gesten sowie sexuelle und körperliche Übergriffe. Im schlimmsten Fall schließen sich Nötigung und Vergewaltigung an.

Wie hilft man einer Person, die gerade Opfer eines sexuellen Übergriffes wird?

  • Wenn du nicht sicher bist, ob sich die angegriffene Person in der aktuellen Situation unwohl fühlt: Augenkontakt suchen oder ansprechen.
  • Mit in die Situation gehen und die angegriffene Person ansprechen. Am besten geht das mit: "Oh hey, da bist du ja! Ich hab dich schon überall gesucht! Wie war die Arbeit?" Tu so, als würdest du die betroffene Person kennen, als wärt ihr Freund*innen und hol die Person aus der Situation heraus.
  • Hol dir Unterstützung von umstehenden Personen und fordere sie zur Mithilfe auf.
  • Halte Distanz zu der zudringlichen Person und provoziere diese Person nicht.
  • Geh mit der betroffenen Person weg und stelle sicher, dass man euch nicht folgt.

Aber Achtung: In so einer Situation nur intervenieren, wenn es sicher ist – für die beteiligte Person, für dich und für alle anderen Menschen in der Umgebung. Wenn du dir nicht sicher bist, tu dich mit anderen Passant*innen zusammen. Und: Ruf die Polizei. (Vorsicht auch hier, dass die übergriffige Person das Telefonat nicht hört, sollte es andere Beteiligte in Gefahr bringen.)

Auch hilfreich kann es sein, wenn du dir die Merkmale des Täters einprägst. Welche Kleidung, Haarfarbe? Tattoos oder Bart? So kann die zudringliche Person im Nachhinein vielleicht gefunden werden und – sollte die betroffene Person Anzeige und Strafantrag stellen – auch für seine Handlungen bestraft werden.

Wie man sich selbst helfen kann

Es sind Tipps die klingen, als könnte man selbst als Opfer sexueller Übergriffe etwas dafür. Das ist nicht so. Aber: Wenn man alleine unterwegs ist, muss man sich selbst helfen können.

Hier kommt es ganz auf die Situation an. Ein paar allgemeine Tipps: Grundsätzlich Kontakt mit Betrunkenen und Menschen unter Rauschmitteleinfluss meiden. Wer allein unterwegs ist, geht auch mit eigenem Alkoholkonsum ein Risiko ein. Getränke auf Partys nie unbeaufsichtigt lassen. Wenn möglich nicht allein nach Hause gehen. Mit anderen Menschen telefonieren. Standort mit Freund*innen teilen.

Wenn es zu Belästigung und einem Übergriff kommt: Laut schreien, beißen, sich los reißen, schlagen, treten. Selbstverteidigung und Gegenwehr kann den Übergriff verhindern oder abmildern. Immer auf sich aufmerksam machen.

Im Notfall immer 110 wählen.

Junge Frau unterhält sich über einen Videocall auf ihrem Smartphone

Du erlebst sexuelle Gewalt? Hier findest du Hilfe:

Das Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch ist das zentrale Bundesportal zu Hilfsangeboten für Menschen, die in ihrer Kindheit oder Jugend sexuelle Gewalt erlitten haben und deren Angehörige. Das Angebot richtet sich vorrangig an Erwachsene. Doch auch Kinder und Jugendliche finden hier Informationen, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. 

Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" startete im März 2013 und ist das erste 24-Stunden-Beratungsangebot für Deutschland, das unter der Nummer 08000 116 016 und per Online-Beratung vertraulich und kostenfrei Hilfe und Unterstützung bietet – an 365 Tagen, rund um die Uhr, anonym, mehrsprachig und barrierefrei. 

Unter der Nummer 0800 22 55 530 ist dasHilfe-Telefon Sexueller Missbrauchmontags, mittwochs und freitags von 9:00 bis 14:00 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 15:00 bis 20:00 Uhr bundesweit, kostenfrei und anonym erreichbar. 

Das Hilfetelefon berta ist ein telefonisches Unterstützungsangebot des UBSKM zur Beratung bei organisierter sexualisierter und ritueller Gewalt. Erreichbar sind die Beratungsfachkräfte unter der kostenlosen Nummer 0800 30 50 75 0 dienstags von 16 bis 19 Uhr sowie mittwochs und freitags von 9:00 bis 12:00 Uhr- anonym und kostenfrei. 

Das Heimwegtelefon ist ein Service bei dem Du nachts anrufen kannst, wenn du Dich auf dem Heimweg unwohl fühlst. Du wirst dann von einem*einer Ehrenamtlichen am Telefon bis nach Hause begleitet. Du erreichst es deutschlandweit unter der 030 12074182 zu diesen Zeiten: Sonntag – Donnerstag: 20 bis 24 Uhr, Freitag & Samstag 20 bis 03 Uhr. Es gelten die Telefongebühren deines Mobilfunkanbieters für einen Anruf in das deutsche Festnetz. 


Mehr zum Thema



Newsticker