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Neue Körpervielfalt: Dem Magerwahn den Stinkefinger zeigen

Size Zero ist eine Kleidergröße, die auch Kindern passen würde. Auf Laufstegen wird sie von Erwachsenen getragen – Frauen, die groß und extrem mager sind. Doch der Gegentrend zu mehr Vielfalt, Natürlichkeit und gesunden Schönheitsidealen gewinnt Raum.

Von Susanne Baller

Mit diesem Selfie feierte Agnes Hedengård die zweite Million User, die ihren Youtube-Clip ansah. Inzwischen sind es knapp 2,4 Millionen.

Mit diesem Selfie feierte Agnes Hedengård die zweite Million User, die ihren Youtube-Clip ansah. Inzwischen sind es knapp 2,4 Millionen.

Die Größe Null, auf Deutsch gibt es diesen Begriff eigentlich gar nicht, also Size Zero entspricht der Kleidergröße 30/32. Das ist keine Jeansgröße, das ist eine Kleidergröße, die man in Geschäften kaum findet – so sehr weicht diese Modelgröße von den Maßen einer normal ernährten Frau ab, dass sich der Einzelhandel damit nur selten belastet. Wenn man es mathematisch betrachtet, hat damit jede Frau, die Größe 34 oder größer trägt, bereits eine Plus Size. Also eine Art Übergröße. 

Wie sehr die Mode- und Modelwelt auf die Gesellschaft abfärbt, erleben wir an magersüchtigen Kindern. Elfjährigen, die an Anorexie oder Bulimie leiden, die hungern oder essen, um zu kotzen. An (vor allem) Mädchen, die sich online in sogenannten Pro-Ana-Foren herumtreiben, um zu erfahren, wie sie noch dünner werden können und das gleichzeitig vor den Eltern verbergen können. An Kindern, die im Wachstum sind und sich ihren Körper und ihre Gesundheit für ihr restliches Leben ruinieren. Ohne die Not eines Krieges, sondern als Auswuchs eines Schönheitsideals

Die Gegenwehr nimmt zu

Die Ansprüche der Designer sind in den letzten Jahren derart absurd geworden, dass dadurch etwas in Bewegung geraten ist: Die Models gehen auf die Barrikaden. Eines von ihnen ist die 19-jährige Agnes Hedengård, die nicht mehr gebucht wird, weil sie einen Hintern hat und Hüften. Die mit einem Body-Maß-Index von 17,5, das bedeutet bereits Untergewicht, zu dick ist. Hedengård hat ein Video gedreht und macht sich darin über die Kritik an ihrem schlanken Körper lustig. 

Teenager auf Youtube: Diese Schwedin ist angeblich zu dick fürs Modeln

Und auf Instagram ließ sie ihrer Wut freien Lauf. 

???? #toobigfortheindustry

Ein von Agnes Hedengård (@hedengard) gepostetes Foto am


Hedengård ist nicht die Einzige, die die Faxen dick hat. Die Modefotografin Victoria Janashvili hat bereits mit ihrem Bildband "Curves" für Aufmerksamkeit gesorgt, in dem sie Models zeigt, die in kein normiertes Schema passen.

Und nun legt die Regisseurin Jenny McQuaile nach, die mit "straight/curve" eine Dokumentation über die sogenannte Body-Positive-Bewegung drehen will. Um das zu finanzieren, fehlt ihr allerdings noch Geld, das sie via Kickstarter-Kampagne sammelt. Sie zeigt die Veränderung, die Models, Agenten, Fotografen und Marken sich wünschen und langsam auch in der Modeindustrie um sich greift. Auf der Suche nach Vielfalt und Individualität lösen sich manche Hersteller von dem Size-Zero-Ideal – und werden so zu einem positiven Vorbild, das sich hoffentlich zeitnah auch in der Gesellschaft widerspiegelt. Einen Vorab-Clip von McQuailes Film gibt es bereits. 

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