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Stuttgart Mutter schob ihren Sohn ins Heim ab – jetzt soll er für ihre Beerdigung zahlen

Gräber auf einem Friedhof
3300 Euro soll Klaus Dörr für die Beerdigung seiner leiblichen Mutter zahlen (Symbolbild)
© majorosl / Getty Images
Seine leibliche Mutter kannte Klaus Dörr eigentlich kaum. Trotzdem soll er für ihre Beerdigung zahlen. Der Stuttgarter spricht von einer "Menschenrechtsverletzung" und klagt dagegen.

Kurz nach der Geburt wurde Klaus Dörr von seiner Mutter weggeben. Die ersten Jahre seines Lebens verbrachte er in einem Kinderheim im Raum Stuttgart, dann nahm ihn im Alter von vier Jahren eine Pflegefamilie auf. Ab und an holt ihn seine Mutter für ein paar Tage zu sich, doch sie trinkt und schlägt ihren Sohn. "Ich habe von dieser Frau nie etwas in meinem Leben gehabt", sagt Klaus Dörr der "Stuttgarter Zeitung".

Und doch soll er nun für die Begräbniskosten von Waltraud, wie er seine leibliche Mutter im Gespräch mit der "Stuttgarter Zeitung" nur nennt, aufkommen. Die Stadt Stuttgart fordert von ihm 3300 Euro für die Beerdigung, die bereits 2018 stattfand. Dörr ist offenbar der einzige Angehörige der Verstorbenen, der ermittelt werden konnte. Der Krankenpfleger wehrt sich juristisch gegen die Rechnung und spricht von einer "Menschenrechtsverletzung".

Heimkind klagt gegen Begräbniskosten für die leibliche Mutter

Mit seiner Mutter verbindet ihn nach eigener Aussage so gut wie nichts. Nicht einmal von ihrem Tod erfuhr er auf offiziellem Wege. Dörr entdeckte rein zufällig auf dem Friedhof einen Grabstein, auf dem der Name seiner Mutter stand. Sie wurde  nach ihrem Ableben eingeäschert. Seinen leiblichen Vater hat Klaus Dörr nie kennengelernt. Seine drei Halbgeschwister landeten ebenfalls im Heim.

Um die Bestattung seiner Mutter kümmerte sich die Stadt Stuttgart, da die Frau offenbar sonst niemanden hatte. Dann wurde ihr Sohn von den Behörden als Angehöriger ermittelt und zur Zahlung aufgefordert. Klaus Dörr fühlt sich "wie jemand, der überfallen wurde und hinterher noch eine Strafe zahlen soll". Der Streit belastet ihn, weil er viele schwere Erinnerungen aus seiner Kindheit wieder an die Oberfläche holt. Deshalb weigert sich Dörr seit zwei Jahren, der Aufforderung Folge zu leisten.

Laut Paragraph 31 des Bestattungsgesetzes in Baden-Württemberg ist er dazu allerdings verpflichtet. Die juristischen Regelungen sind in dieser Frage eindeutig, doch Klaus Dörr will mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht einen Präzendenzfall schaffen. "Wenn ich ein Lebensziel habe, dann, dass Angehörige in solchen Fällen nicht mehr zahlen müssen", sagte er der "Stuttgarter Zeitung".

Quellen:"Stuttgarter Zeitung" (Bezahlinhalt) / Bestattungsgesetz Baden-Württemberg

epp

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