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Sexueller Übergriff: Stanford: Richter begründet sein mildes Urteil

Nach einem sexuellen Übergriff an der Universität von Stanford sorgt die milde Strafe für den Täter für viel Empörung. Jetzt berichtet der englische "Guardian", was den Richter zu seinem Urteil bewegt haben soll.

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Studenten in Stanford zeigen sich solidarisch mit dem Opfer

Obwohl der 21-jährige Brock Turner von einer Jury der Vergewaltigung für schuldig befunden wurde, verurteilte Richter Aaron Persky den ehemaligen Leistungsschwimmer zu einer ausgesprochen milden Haftstrafe von sechs Monaten - die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre Haft gefordert. Turner, einem ehemaligem Student der Elite-Uni Stanford, wurde vorgeworfen, eine bewusstlose Frau hinter einem Müllcontainer sexuell missbraucht zu haben.

Der "Guardian" veröffentlicht nun den Inhalt eines Schreibens, in dem eine Klassenkameradin des Täters dessen positiven Charakter lobt - was offenbar großen Einfluss auf den Richter gehabt hat. In einer Anhörung zum Strafmaß habe Persky erklärt, die Einschätzung der Freundin klinge "einfach wahr".

Leslie Rasmussen war schon seit der Grundschule mit Brock Turner befreundet und erklärt in ihrem Schreiben: "Wenn ich einen meiner alten Mitschüler nennen sollte, der in einer Situation wie Brock landen würde, er wäre es niemals." Für Richter Persky bestätige das "irgendwie, dass sein Charakter positiv war, bis zur Nacht dieses Vorfalls."

Stanford: "Wo ziehen wir die Linie?"

Rasmussens Brief hatte große öffentliche Proteste ausgelöst - Vorwurf: Er mache das Opfer für die Vergewaltigung verantwortlich. Rasmussen wirft dem Opfer vor, Alkohol konsumiert zu haben und wird so zitiert: "Wo ziehen wir die Linie und hören auf, jede Sekunde politisch korrekt zu sein? Wann sehen wir ein, dass Vergewaltigungen auf Campussen nicht immer geschehen, weil Menschen Vergewaltiger sind?" Später entschuldigte sich Rasmussen für den Brief.

Das Opfer reagierte vor Gericht mit einer aufwühlenden Erklärung, die bei Buzzfeed auch auf Deutsch in ganzer Länge nachzulesen ist, und in der es seinen Peiniger ihrerseits mit seiner Tat und den Auswirkungen konfrontiert: "Du kennst mich nicht, aber du warst in mir." An den entwürdigenden Folgen der Tat leide sie auch ein Jahr nach der Tat noch jeden Tag.

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tim

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