HOME

Sexueller Übergriff in Stanford: "Brock ist hier nicht das Opfer. Sein Opfer ist das Opfer"

Der Fall von sexueller Gewalt an der Elite-Uni Stanford sorgt weiter für Wirbel. Nachdem der Vater des Täters seinen Sohn in einem Brief als Opfer darstellte, hat ihm ein Pastor eine deutliche Antwort geschickt - von Vater zu Vater.

Ex-Stanford-Student Brock T.

Ex-Stanford-Student und Schwimmer Brock T.: Sein sexueller Missbrauch einer 23-Jährigen und das milde Urteil erregen derzeit in den USA die Gemüter.

Der Brief hat viele Menschen wütend gemacht: In einem Schreiben hatte der Vater des wegen sexueller Gewalt verurteilten ehemaligen Stanford-Studenten Brock T. den Richter um Nachsicht mit seinem Sohn gebeten. Dieser sei nun ständig deprimiert, habe keinen Appetit mehr und all seine Lebensträume seien geplatzt, schrieb Dan T. Eine Haftstrafe sei "ein hoher Preis für eine 20-Minuten-Aktion."

"Sie ist die Verwundete. Er ist der Schädiger"

Zu den wütenden Menschen zählt auch der Pastor und Blogger John Pavlovitz. In seinem Blog "Stuff That Needs To Be Said" (Sachen, die gesagt werden müssen) hat er eine Antwort an Dan T. veröffentlicht, die im Netzt auf so großes Interesse stößt, dass seine Webseite zeitweise nicht zugänglich war: "Ich möchte unbedingt, dass Sie etwas verstehen, und ich sage dies als ein Vater, der seinen Sohn genauso innig liebt, wie Sie Ihren lieben müssen", schreibt Pavlovitz. "Brock ist hier nicht das Opfer. Sein Opfer ist das Opfer. Sie ist die Verwundete. Er ist der Schädiger."

Der sexuelle Übergriff auf dem Campus der Elite-Uni Stanford sorgt derzeit in den USA für großen Wirbel. Brock T. war im Januar 2015 festgenommen worden, nachdem ihn zwei Studenten dabei entdeckten, wie er eine junge Frau hinter einem Müllcontainer sexuell missbrauchte. Vergangene Woche wurde der 20-Jährige dafür von einem Gericht im kalifornischen Santa Clara zu sechs Monaten Haft verurteilt. Der milde Richterspruch löste einen öffentlichen Aufschrei aus. Mehr als 800.000 Menschen unterzeichneten bis Donnerstagmittag eine Online-Petition, in der die Amtsenthebung des zuständigen Richters gefordert wird.

Stanford: Pavlovitz nennt Urteil "beschämend"

Zusätzliche Schlagzeilen machten zwei Stellungnahmen: Zum einen die sehr bewegende Erklärung des Opfers vor der Urteilsverkündung, in der die 23-Jährige ihre körperlichen und seelischen Wunden, die Demütigungen durch die gegnerischen Anwälte sowie ihre Ängste und Zusammenbrüche schilderte. Und zum anderen der Brief von Dan T., in dem dieser beschrieb, wie sehr sein Sohn leidet und dass dessen "Leben durch die Ereignisse für immer tiefgreifend verändert wurde".

"Wenn sein Leben 'tiefgreifend verändert' wurde, dann weil er einen anderen Menschen furchtbar verändert hat", antwortet Pastor Pavlovitz dem Vater in seinem Blog. "Diese junge Frau wird mit dieser Sache sehr viel länger zu tun haben als die beschämend kurzen sechs Monate, mit denen Ihr Sohn bestraft wurde." Die 23-Jährige müsse das unvorstellbare Trauma der "20-Minuten-Aktion" von Brock T. für den Rest ihres Lebens ertragen.

"Deshalb vergewaltigen Männer weiterhin Frauen"

"Die Tatsache, dass Sie sich dessen nicht bewusst sind, ist genau der Grund, weshalb wir ein Problem haben", schreibt der Pastor aus North Carolina weiter. "Deshalb vergewaltigen junge Männer weiterhin Frauen. Deshalb glauben so viele Männer, dass sie dem Körper einer Frau antun können, was immer sie möchten, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Das ist der Grund, warum so viele Opfer sexuellen Missbrauchs sich niemals melden."

Pavlovitz emotionale Antwort, über die zahlreiche US-Medien berichteten, endet in einem versönlichen Ton: Er glaube nicht, dass Brock T. ein 'Monster" sei, schreibt der Pastor an den Vater des Täters. "Sie lieben Ihren Sohn, und das sollten sie auch." Aber Dan T. solle seinen Sohn auch genug lieben, um ihm beizubringen, die Verantwortung für "die furchtbaren Entscheidungen, die er getroffen hat", zu übernehmen. "Von einem Vater zum anderen: Helfen Sie uns unsere Kinder zu lehren, es besser zu machen - indem wir ihnen zeigen, dass wir es besser machen."


Wissenscommunity