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Tag der Geschwister: Sie sind schon eine echte Plage, aber was wären wir nur ohne Geschwister?

Wir erinnern uns an Streits, Beleidigungen und Gemeinheiten. Aber auch an wunderschöne Ferien, die ohne unsere Geschwister nichts gewesen wären. Diese Beziehung gehört wohl zu den prägendsten unseres Lebens. Ein Hoch auf Brüder und Schwestern!

Drei Geschwister machen Quatsch auf der Rückbank im Auto

Die wahre Macht sitzt auf der Rückbank ...

Getty Images

Mal sind sie unsere größten Konkurrenten, mal unsere verlässlichsten Freunde: Zu Geschwistern haben wir eine Beziehung, die sich mit keiner anderen auf der Welt vergleichen lässt. Sie kennen uns von klein auf, haben jede Phase unseres Lebens mitgemacht und niemand sonst kann uns so leicht auf die Palme bringen wie sie. Auf der anderen Seite bedeutet es uns aber auch besonders viel, ein Lob, ein Kompliment oder Anerkennung von ihnen zu bekommen. Auch wenn wir (meist) einen Genpool teilen, sind wir so verschieden, dass wir manchmal kaum glauben können, dass wir die gleichen Eltern haben. Aber uns wiederum so ähnlich sind, dass ein Blick in die Augen reicht und wir wissen, dass wir das gleiche denken.

Die Beziehung zu Geschwistern ist so ambivalent, weil sie so emotional wie unausweichlich ist. Niemand hat uns gefragt, ob wir mit ihnen zusammenleben möchten. Die Familie ist eine unfreiwillige WG. So kann es im schlimmsten Fall passieren, dass man sich entzweit und nie wieder voneinander hört, wenn man zu Hause ausgezogen ist. Zum Glück kommt das nicht so häufig vor wie der umgekehrte Fall, ein bestimmtes Gefühl der Verbundenheit, auch wenn man nicht mehr am gleichen Ort wohnt und sich nicht unbedingt regelmäßig sieht.

Die ewige Hackordnung

Geschwister sind wie das erste Trainingslager, in das wir geschickt werden. Wir lernen uns zu streiten und wieder zu versöhnen, nachzugeben oder konsequent zu bleiben, zu lügen und uns zu entschuldigen. Wir buhlen mit ihnen um die Gunst der Eltern, deren Aufmerksamkeit und Liebe. Als Erstgeborene tragen wir schon als Kind Verantwortung für jüngere Geschwister und rächen uns dafür, indem wir andere Pflichten an sie weiterdelegieren. Als kleine Schwester oder kleiner Bruder müssen wir Streiche und Gemeinheiten der Größeren ertragen. Und als Sandwichkind soll einem ja sowieso eine ganz besondere Rolle zukommen – über die allerdings jeder Familientherapeut etwas anderes sagt ...

Neben dem Psychoterror finden natürlich auch körperliche Auseinandersetzungen statt. Wir kloppen uns so lange, bis einer aufgibt. Von Muckireiten (einer sitzt auf dem Bauch des anderen und bearbeitet dessen Oberarme mit den Knien) oder An-den-Haaren-Ziehen (findet eher unter Mädchen statt) bis hin zu Verfolgungsjagden, die in Ringkämpfen enden. Nicht immer siegt das älteste Kind, nach den Gesetzen der Familienaufstellung findet jedes seine Position und seine Tricks (und Kniffe, haha).

Die unschlagbaren Teams unter Geschwistern sind natürlich Zwillinge. Sie kleben zusammen und zeigen es oft auch gern nach außen. Sie treten selten allein auf und manche lieben es, das auch noch durch identische Kleiderwahl zu unterstreichen. Sie können jeden foppen, indem sie behaupten, der oder die andere zu sein. Sie scheinen telepathische Kräfte zu besitzen und das macht uns manchmal Angst – aber auch neidisch.

Alles ist besser, als ein Einzelkind zu sein – sagen Einzelkinder

Spricht man mit Einzelkindern, stellt man schnell fest: Sie wollten nie ein Einzelkind sein. Als sie klein waren, haben sie sich jemanden gewünscht, der immer da ist und mit ihnen spielt. Oder einen großen Bruder, der sie beschützt. Oder einen Sparringspartner im Team Kinder gegen Eltern. Und selbst als Erwachsene spüren sie eine Lücke. Auf ihren Schultern bleibt die Last, wenn zum Beispiel die Eltern alt werden und Hilfe brauchen. Familienfeiern finden in immer kleineren Rahmen statt, weil mehr Verwandte sterben als hinzukommen.

Als Kind mit Geschwistern sehen wir das gelegentlich anders, wenn wir teilen müssen, eifersüchtig oder neidisch sind oder streiten. Dann wünschen wir uns manchmal ... aber das geht schnell wieder vorbei. Als Erwachsene wissen wir zu schätzen, was unsere Eltern auf sich genommen haben. So viel mehr als nur den ewigen Lärm von der Rückbank im Auto zu ertragen.

Ehepaar Wagner sitzt mit seinen drei Kindern in einer Eisdiele
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