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Tinder-App zum Onlinedating: Wisch und weg im Selbstversuch

Die Smartphone-App Tinder beschleunigt das Onlinedating: Sie macht die Liebesversuche noch leichter - und noch flüchtiger. stern-Redakteur Thilo Mischke hat sie ausprobiert.

Bei Tinder entscheidet jeder in Sekundenschnelle, ob er jemandem die Möglichkeit gewährt, Kontakt aufzunehmen. Nur wenn beide Seiten wollen, kann man sich schreiben. Thilo Mischke, links noch bei Tinder, geht inzwischen wieder ohne App aus.

Bei Tinder entscheidet jeder in Sekundenschnelle, ob er jemandem die Möglichkeit gewährt, Kontakt aufzunehmen. Nur wenn beide Seiten wollen, kann man sich schreiben. Thilo Mischke, links noch bei Tinder, geht inzwischen wieder ohne App aus.

Willst du was trinken? Geht aufs Haus", sagt Elena. Ich fühle mich seltsam. Nicht nur, weil ich ein Date mit einer Frau habe, die ich nicht kenne, nein, auch weil wir uns während ihrer Arbeitszeit verabredet haben. Dreimal in der Woche arbeitet Elena hier, in einem Café am Prenzlauer Berg. Sie studiert an der Universität der Künste in Berlin. Da bleibt nicht viel Zeit für klassische Verabredungen im Café. Wir treffen uns an einem Ort, der neutral ist, denn hier kann sie sagen: "Muss arbeiten", wenn es schlecht läuft mit mir. Elena, 20 Jahre alt, gerade erst aus Hamburg nach Berlin gezogen. "Du kannst hier rauchen", sagt sie. Nimmt eine Zigarette aus der Schachtel, steckt sie sich an. Sie raucht noch nicht lange.

Elena und ich haben uns bei Tinder kennengelernt. Tinder ist englisch und bedeutet so viel wie Zunder. Es ist eine App für das Smartphone, und diese kleine, simple Software macht Folgendes möglich: Menschen bewerten die Attraktivität anderer Menschen über deren Profilfotos. Dazu benötigt Tinder den Zugriff auf sämtliche Facebook-Daten seiner Nutzer. Jeder, der auch bei Tinder angemeldet ist, wird mir angezeigt. Eigene Freunde, Freunde von Freunden und Fremde. Alle, die sich in einem in den Einstellungen des Programms festgelegten geografischen Umfeld befinden. Bewertet wird ohne Schönheitsskala. In der Welt von Tinder existiert nur Ja oder Nein. Fast wie im echten Leben. Fast wie in einem Club, nachts. Nur ohne Gin Tonic, ohne Rauch, ohne Aufregung, ohne Furcht vor Ablehnung. Also eigentlich ohne alles, was Flirten ausmacht.

Bildschirmfotos wie Sammelkarten

Mit dem Finger nach links gewischt: hässlich. Mit dem Finger nach rechts: hübsch. Frauen machen das mit Männern, Männer machen das mit Frauen. Und sollten sich beide attraktiv finden, dann gibt es einen Treffer. Dann dürfen beide miteinander reden. Ich lege einen Radius fest, in dem die App suchen soll. Im Umkreis von 80 Kilometern werden mir 18- bis 40-jährige Frauen angezeigt, die auch Tinder nutzen. Menschen für Geschlechtsverkehr oder Liebe oder beides. Oder eben nur für Zigaretten und Kaffee an der Bar. So wie Elena und ich.

Entwickelt wurde diese App an der University of Southern California. Der neuste Trend in der Welt des Onlinedatings, finanziert von dem amerikanischen Onlinekonzern IAC/InterActive Corp. Echte Zahlen sind nicht bekannt, einzig, dass sie mittlerweile in 24 Sprachen übersetzt worden ist. Der durchschnittliche Benutzer öffnet die App elf Mal am Tag. Sechzig Prozent benutzen Tinder regelmäßig. Wie damit Geld verdient wird, ist unbekannt. Aber vermutlich mit den Nutzerdaten, die erhoben werden können. Werbung gibt es nicht, für die App wird auch nicht geworben, ausschließlich Mundpropaganda hat aus Tinder ein weltweites Phänomen gemacht. Kaum eine Party in Berlin, in der es nicht um Tinder und die Möglichkeiten dieser App geht. Da wurde ich neugierig, wollte es auch ausprobieren. Tinder-Nutzer zeigen sich Bildschirmfotos von Frauen und Männern wie Sammelkarten. Meine männlichen Freunde erzählen sich schulterklopfend, wen sie alles dort gesehen haben, mit wem sie geschlafen haben. Wie schnell, wie unkompliziert alles funktionieren würde. Wie wenig sie investieren müssten, um Sex, Nähe und Vertrautheit zu haben. Und wie wahrscheinlich Liebe wäre.

Geschwindigkeit vs. Tiefgang

Das Treffen von Elena und mir verlief unaufgeregt, und obwohl wir uns gut verstanden haben, werden wir uns kein zweites Mal treffen, nicht weil ich sie unattraktiv finde, es ergibt sich einfach nicht. Für sie ist es eher ein Spaß. Sie guckt, bewertet und macht sich lustig. Auf eine freundliche Art.

Ich wische weiter. So viele Frauen bei Tinder, mit denen ich mich noch treffen könnte.

In der Vor-Internet-Zeit waren noch Tiefgang und Mühe notwendig, um einen Menschen kennenzulernen, heute führt die größtmögliche Oberflächlichkeit ans Ziel. Für jeden Wunsch scheint es einen Partner zu geben. Es geht immer schneller, besser und einfacher.

Und auch ich gehöre nun dazu, tindere mich durch die Einsamen von Berlin. Die ersten beiden Tage sind frustrierend, keine Treffer. Doch schon am dritten Tag melden sich Frauen, die mich offenbar attraktiv finden. Nach kurzer Zeit verbuche ich 50 Treffer. Ein Erfolg.

Das Hoffen auf die Liebe

Ich werde belohnt. Und obwohl ich weiß, wie wenig das vermutlich bedeutet, freue ich mich doch über die Bestätigung. Fast schon beängstigend. Ich treffe mich mit Aylin, 40, es geht schnell. Erst der Treffer, einen Tag später ein vietnamesisches Restaurant in Kreuzberg. Sie ist älter als die meisten Benutzer bei Tinder, die durchschnittlich zwischen 20 und 35 sind. Sie sitzt schon am Tisch, als ich das Restaurant betrete. Aylin ist in Berlin geboren, hat türkische Eltern, sie wirkt sehr jugendlich. Wir stellen uns vor. Es gibt keine Sprechpausen, die entsetzlichen, vor denen sich jeder bei einem Date fürchtet. Sie erzählt freimütig von ihrer Scheidung und dass es nun für sie Zeit sei, etwas Neues auszuprobieren. Sexuell und emotional.

Sie steht mitten im Leben, sehnt sich aber nach einer Beziehung. Zeit, um danach zu suchen, hat sie nicht. Aber mit Tinder ein probates Mittel gefunden. Aylin hatte vor mir vier Tinder-Dates, alle ohne Sex, eine feste Beziehung hat sich nicht ergeben. "Jeder, der Tinder benutzt, hofft, hier Liebe zu finden, obwohl es so gut wie unmöglich ist", sagt sie. Viele ihrer Freunde benutzen Tinder als puren Zeitvertreib. Auch Aylin wischt immer dann durch die Profilfotos, wenn sie Leerlauf hat. Und dann bewertet sie die Männer nach Schönheit, wischt nach links oder nach rechts. Wer abgelehnt wird, erfährt es nicht einmal, Tinder tut nicht weh.

Wie eine Sucht

Mit der romantischen Vorstellung, dass zur Liebe womöglich auch Leiden gehört, hat das alles nicht mehr viel zu tun. Goethes Werther hatte sich noch erschossen, als die Liebe scheiterte, heute blockieren wir einfach einen Kontakt. Aus dem Smartphone, aus dem Sinn.

Mein drittes Date erzählt mir von diesen Symptomen. Auch Josie, 25, ist bei Tinder, weil sie Liebe sucht. Sie arbeitet beim Film. Männer würden die strenge Genauigkeit mögen, mit der sie Dinge erledigt, beschreibt und erklärt. Jeder Satz, den sie bei Tinder schreibt, ist wohlüberlegt, jedes Profilbild wird analysiert. Während ich meine Partner ausschließlich nach Attraktivität auswähle, setzt sie sich mit den wenigen Informationen auseinander. Männer fliegen raus, wenn sie sich mit Frauen auf ihren Bildern zeigen, wer zu viele Selfies macht, hat keine Freunde und wirkt egomanisch, zu viele gemeinsame Freunde sind auch ein Ausschlusskriterium. Josie sucht, findet bei Tinder aber keine Liebe. Trotzdem kann sie nicht aufhören, es ist wie eine Sucht, "vielleicht klappt es ja doch." Josie versucht, Tinder zu entschleunigen, nicht mehr dauernd auf die neuen Profilfotos zu schauen. Sie wünscht sich, dass Männer sich Zeit nehmen, um sie kennenzulernen. "Sex mag ich nur in einer Beziehung, das ist mir zu intim, um es mit jedem zu teilen." Aber es fehle den meisten Menschen an Geduld. Sie selbst nimmt sich allerdings auch wenig Zeit. Die Thüringerin arbeitet viel, und wenn sie ausgeht, dann will sie tanzen, nicht flirten. Und bei Tinder bahnen sich zwar viele Gespräche an, "aber häufig passiert dann einfach nichts", sagt sie. Das sei enttäuschend. Und verletzend. In der flüchtigen Welt von Tinder verabschiedet sich niemand. Die digitalen Gespräche enden abrupt und ohne Verpflichtung.

Zurück zur Aufregung

Aylin und Josie schreiben mir nach unseren Dates, sie würden ein zweites Treffen für vorstellbar halten. Aber ich melde mich ab bei Tinder. Ich fühle mich nicht mal schlecht. Vielleicht enttäusche ich. Aber dieses Spiel, das beherrsche ich nicht. Vermutlich gelte ich als altbacken, aber ich rufe einen Freund an, frage ihn, ob er Lust auf Gin Tonic, verrauchte Clubs und Aufregung, kurz vor dem Ansprechen einer Frau, hat. Einfach nur flirten. Und dafür will ich mir die Zeit nehmen.

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Thilo Mischke

Wissenscommunity

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(