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Gegen das Verlaufen Wie Türen aus der Vergangenheit Demenzkranken helfen


Wenn der Körper gebrechlich und der Kopf immer vergesslicher wird, steht für viele ältere Menschen der Umzug in ein Pflegeheim an. Damit sie sich dort wohl fühlen und sich orientieren können, helfen Türaufkleber. 

Langsam schwindet die Erinnerung, der Alltag wird von Fragen bestimmt: Wo bin ich? Wer ist das? Wo muss ich hin? Welcher Tag ist heute? Wer an Demenz leidet, wird von seinem Gedächtnis immer wieder im Stich gelassen. Dinge werden vergessen, die Orientierung verloren. 

Für viele Menschen steht dann der Umzug in ein Pflegeheim an, in die Fremde. Genau dann, wenn einen der Orientierungssinn schon in der vertrauten Umgebung verlässt. In der Fremde führt die Orientierungslosigkeit zu noch größerer Verwirrtheit - und zu Angst. 

Türen für demente Menschen
Mit einem Kranz und herbstlicher Deko empfängt diese Dame auch im Altersheim ihre Besucher - ganz wie früher.
© True Doors

Auf der Suche nach Orientierung 

Um den dementen Menschen zu helfen, ihnen im Wirrwarr der immer gleich aussehenden Pflegeheimtüren und Gänge, eine Orientierungshilfe zu bieten, produziert eine niederländische Firma Türaufkleber. Die individuellen "True Doors" helfen den Betroffenen auf der Suche nach etwas Vertrautem. 


Die Idee dahinter war ursprünglich ein Kunstprojekt. Die Niederländerin Marieke van Diepen hat dieses 2007 als Abschlussarbeit an der Amsterdamer Kunstschule abgegeben. Sie wollte mit der Idee, ein großformatiges Bild der Haustür ihres Elternhauses an ihre Wohnungstür zu kleben, eigentlich nur etwas gegen die Anonymisierung in ihrer eigenen Reihenhaussiedlung tun. Doch die Idee fand auch in Pflegeheimen regen Anklang.

Türe für demente Menschen
Mit bedruckten Folien entstehen im Altersheim die Eingangstüren der Vergangenheit
© True Doors
Türen für demente Menschen
Die beklebten Türen helfen Demenzkranken, sich besser zu orientieren
© True Doors

"Hey, das ist mein Zuhause" 

Denn die vertrauten Bilder der ehemaligen Eingangstüren helfen den dementen Bewohner, sich zurecht zu finden und geben ihnen das Gefühl, in einer vertrauten Umgebung zu sein. Die Türbilder sind den Türen aus der Vergangenheit der Bewohner nachempfunden - manche sogar aus deren Kindheit.

Gegenüber "bento" hat Marieke van Diepen über ihre erste beklebte Tür in einem Pflegeheim gesprochen: "Es war ein älterer Mann, der in seinem Heim einfach nicht ankam. Immer suchte er nach dem Ausgang, er wollte fliehen. Wir haben ihm eine einfache, alte Holztür aufgeklebt, die an sein früheres Wohnhaus erinnerte. Plötzlich blieb er stehen und sagte: 'Hey, das ist mein Zuhause.' Mir traten direkt Tränen in die Augen."

Türe für demente Menschen
Egal, wie die Haustüre der eigenen Wohnung aussah, das Gefühl von Zuhause gibt sie trotzdem
© True Doors

Weltweit sind Schätzungen zufolge mehr als 46 Millionen Menschen an Demenz erkrankt, in Deutschland sollen rund 1,6 Millionen Menschen betroffen sein. 

stb

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