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Ultra-orthodoxer Aufklärungsfilm: "Heiliges Sperma"

Es ist ein Ringen mit dem eigenen Körper, ein Kampf gegen das Verlangen. Ein Teenager sitzt auf einer Bank, neben ihm sein Religionslehrer. Er habe gesündigt, sagt der Junge. Er fühle sich schuldig.

Der junge Mann hat nichts verbrochen, niemandem Schaden zugefügt. Sein Vergehen, das er dem Religionslehrer mit zittriger Stimme beichtet, besteht darin, dass er sich selbst berührt hat. Der Teenager gehört - ebenso wie sein Lehrer - dem ultra-orthodoxen Judentum an. In dieser religiösen Strömung ist Masturbation eine Sünde, sind unkeusche Blicke und Gedanken ein kaum verzeihlicher Fehltritt. Doch was tun, wenn man erwachsen wird und der Körper plötzlich das Verbotene begehrt?

Die Szene entstammt einer Dokumentation, die derzeit in Israel eine Debatte befeuert. In "Sacred Sperm" begleitet die Kamera den ultra-orthodoxen Vater Ori Gruder, der seinen zehnjährigen Sohn über Sexualität aufklären will. Dafür spricht er zum Beispiel mit einer Wissenschaftlerin, einem Rabbi und einem gläubigen Juden, der bald heiraten und zum ersten Mal mit einer Frau schlafen soll. Der Filmemacher will wissen: Was genau ist im Judentum verboten? Was erlaubt? Und wie widersteht man der Versuchung? Dass er diese Fragen öffentlich stellt, bricht ein Tabu - und könnte die Welt der Religiösen prägen.

Keinen Samen umsonst vergießen

Etwa jeder Siebte der rund sechs Millionen jüdischen Israelis zählt sich zu den sogenannten Haredim, zu Deutsch etwa die "Gottesfürchtigen". Auch in den USA gibt es eine große Gemeinde. Diese jüdische Minderheit sieht sich selbst als Elite Gottes und hat ihr Leben in seinen Dienst gestellt. Dafür wollen sie rein bleiben: innerlich und äußerlich. Besonders für heranwachsende Männer ist das eine Herausforderung. Wer Samen umsonst - und nicht für die Zeugung eines Kindes - vergieße, der "zerstört die Welt". So nennt es ein Rabbi in dem Film. Unverheiratete sollen Frauen weder ansehen noch begehren.

Diese Prüderie ist eine Selbstverständlichkeit, die nur selten hinterfragt oder thematisiert wird. Trotz mehrerer Missbrauchsskandale, die es in den vergangenen Jahren in ultra-orthodoxen Gemeinden gab. "Sacred Sperm" stellt das Thema nun in den Raum wie einen rosa Elefanten.

Haredim und Regisseur

Zu verdanken ist das Ori Gruder, der Regisseur, Protagonist und Betroffener in einem ist. Gruder zeigt sich im Film in Anzug und Schläfenlocken, wie sie Haredim traditionell tragen. Doch der 44-Jährige war nicht immer religiös. Den größten Teil seines Lebens verbrachte er in Tel Aviv. Er studierte an einer Filmhochschule und arbeitete als Regisseur; inszenierte TV-Shows und Werbefilme, aber auch Musikvideos. Als 30-Jähriger fand er seinen Lebenssinn in der Religion.

Weil er die Regie so liebte, erlaubten ihm seine Rabbiner, weiterhin zu arbeiten - vorausgesetzt, der Inhalt lässt sich mit der Religion vereinbaren. So entstand "Sacred Sperm", der nicht nur in Jerusalem, sondern auch bei Film-Festivals in London und Kalifornien gezeigt wurde.

"Es gibt nicht eine einzige Person, die nicht von dem Film gehört hat"

"Früher wäre es unmöglich gewesen, über so ein Thema zu sprechen", sagte Gruder der israelischen Zeitung "Haaretz". Doch heute sei das Laster nur einen Klick entfernt - auch für religiöse Teenager. "Ich glaube, die Rabbiner hatten das Gefühl, es sei Zeit, diese Dinge anzusprechen." Viele Haredim hätten seinen Film in den vergangenen Wochen online heruntergeladen. Religiöse Teenager diskutierten über Whatsapp-Gruppen den Inhalt. "In der ultra-orthodoxen Gemeinde gibt es nicht eine einzige Person, die nicht von dem Film gehört hat", schätzt Gruder.

Nun müssen die Rabbiner gleich zwei religiöse Baustellen bearbeiten. Der Film zwingt sie über Sex zu sprechen - und über das Internet. Auch das Surfen ist den Haredim eigentlich verboten.

Alexandra Rojkov, DPA / DPA
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