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Utah: Weil ihre Stiefkinder ihre Brüste sahen: Frau droht ein Jahr Gefängnis

Im US-Bundesstaat Utah könnte eine Frau zu einer Haftstrafe verurteilt werden, weil ihre Stiefkinder ihre nackten Brüste gesehen haben. Ihre Anwälte sind nun gegen das Sittlichkeitsgesetz vorgegangen - und gescheitert.

Tilli Buchanan (M.) - hier bei einem Gerichtstermin im November 2019 - wurde verurteilt, weil ihre Stiefkinder ihre nackten Brüste gesehen haben

Tilli Buchanan (M.) - hier bei einem Gerichtstermin im November 2019 - wurde verurteilt, weil ihre Stiefkinder ihre nackten Brüste gesehen haben

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Es war heiß und die Arbeit staubig. Als Tilli Buchanan mit ihrem Mann in ihrer Garage in Salt Lake City eine Trockenbauwand einzog, beschlossen beide, in Unterwäsche weiterzuarbeiten. Sie zog auch ihren BH aus. Als ihre drei Stiefkinder Buchanan so sahen, fragten sie laut "New York Times", warum sie barbusig sei. Buchanan habe geantwortet: "Wenn euer Vater seinen Oberkörper entblößt, darf ich das auch."

Doch das sehen die Gerichte im US-Bundesstaat Utah offenbar anders. Denn Buchanan ist wegen dreier Fälle von Unsittlichkeit, in die ein Kind verwickelt ist, vor Gericht. Im Falle einer Verurteilung drohen ihr bis zu einem Jahr Gefängnis sowie ein Eintrag ins Sextäter-Register, der erst nach zehn Jahren wieder gelöscht wird.

Dienstag hat sie eine juristische Niederlage erlitten. Vor Gericht hatten Buchanans Anwälte laut US-Medien argumentiert, dass das Unsittlichkeitsgesetz von Utah, das das Zeigen "der weiblichen Brust unterhalb der Oberkante des Warzenhofes" verbietet, verfassungswidrig sei - denn es behandele Männer und Frauen unterschiedlich.

Sind nur weibliche Brüste unsittlich?

Die Richterin fällte ihre Entscheidung aber im Sinne der Staatsanwälte: "Das Gericht stellt fest, dass die Regierung ein wichtiges Interesse daran hat, Gesetze zu erlassen, um die Gesundheit, Sicherheit, das Wohlergehen und die Moral von Kindern zu schützen und zu verhindern, dass sie der Unanständigkeit ausgesetzt werden", schrieb Richterin Kara Pettit vom Dritten Gerichtsbezirksgericht des Salt Lake County laut "New York Times" in ihrer Urteilsbegründung. Sie folge der Argumentation der Staatsanwälte, dass "die Beschreibung der weiblichen, aber nicht der männlichen Brüste durch das Gesetz als unzüchtig" die aktuelle Wahrnehmung der amerikanischen Gesellschaft widerspiegele. Buchanans Anwälte haben bereits angekündigt, in Revision zu gehen.

Laut "New York Times" ist es nicht der einzige Fall, bei dem sich US-Gerichte mit nackten weiblichen Brüsten befassen. Der Supreme Court habe erst diesen Monat entschieden, die Klage dreier Frauen, die für ihre entblößten Brüste eine Geldstrafe zahlen sollen, nicht anzunehmen. Die Frauen hätten ebenfalls argumentiert, dass das Verbot von weiblichen, aber nicht von männlichen nackten Brüsten gegen die US-Verfassung verstößt.

Quellen: "New York Times", "Hawaii News Now"

tkr

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