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Väter-Befragung der Zeitschrift "Eltern": Die neue Rolle zwickt noch sehr

Familie finanzieren, Kinder versorgen: Die heutigen Väter wollen und müssen beides. Wie zerrissen sie zwischen altem und neuem Rollenbild sind, zeigt eine Umfrage.

Von Jessica Wagener

Sie wickeln, sie spielen, sie stehen nachts auf - und gehen am nächsten Morgen mit Augenringen zum Job, um die finanzielle Verantwortung zu schultern. Keine Frage, Vater sein hat sich verändert. Aber wie geht es den Vätern damit? Die Zeitschrift "Eltern" hat in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa eine repräsentative Befragung unter Männern mit Kindern durchgeführt. Und die zeigt vor allem eins: Väter hängen fest zwischen traditioneller und neuer Rolle.

Einerseits finden es der Umfrage zufolge mehr als 80 Prozent der befragten Väter heute sehr wichtig, so viel Zeit wie möglich mit ihren Kindern zu verbringen - andererseits hält es über die Hälfte ebenso für ihre Aufgabe, die Familie finanziell zu versorgen. Bei 74 Prozent ist genau das auch Realität. Unter anderem, weil das Gehaltsgefälle zwischen Männern und Frauen in Deutschland noch immer groß ist: Männer verdienen gut 20 Prozent mehr. Davon mal abgesehen, dass viele Familien auf zwei Gehälter angewiesen sind.

Zwischen Wunsch und Verantwortung

Die Hälfte der befragen Papas arbeitet extra hart für die Familie. Nur wenige können es machen wie Vizekanzler Sigmar Gabriel und sich einen Nachmittag pro Woche fürs Kind frei nehmen - oftmals ein organisatorisches Problem innerhalb der Unternehmen. Fast 90 Prozent der Väter arbeiten in Vollzeit, aber nur 64 Prozent wollen das auch so. Über die Hälfte hält die gemeinsame Zeit mit den Kindern für nicht ausreichend. Und das, obwohl sich fast genauso viele Papas deutlich weniger Zeit für sich selbst nehmen. Ein knappes Drittel der Befragten gibt an, nahezu überhaupt keine Zeit mehr für sich zu haben. Ein Problem, das berufstätige Mütter schon lange kennen.

Die Spannung zwischen Wunsch und Verantwortung hat Konsequenzen: Knapp ein Drittel der Väter beklagt, sich durch die alleinige finanzielle Versorgung der Familie belastet zu fühlen. Ein Viertel ist den neuen Anforderungen nicht immer gewachsen und 15 Prozent sind manchmal sogar völlig überfordert. Im Kopf noch Versorger, im Herzen schon fürsorglicher Anwesenheitspapa - die Zerrissenheit zwischen traditioneller und neuer Rolle verursacht Stress. Und darunter leidet nicht zuletzt die Partnerschaft: 57 Prozent geben an, weniger Sex mit ihrer Partnerin zu haben, dafür gibt es öfter Zoff. Unter anderem, weil einfach nicht genug Zeit als Paar bleibt.

Was für Lösungsansätze gibt es?

Schützenhilfe bekommen (nicht nur) die Papas von der Politik. SPD und CDU versuchen, die bessere Vereinbarkeit von Kindern und Karriere verstärkt auf die Agenda zu bringen, haben sie im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Als Nächstes soll das Elterngeld Plus eingeführt werden, bei dem in Teilzeit arbeitende Eltern einen Zuschuss zum Gehalt bekommen. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) beklagt den "Anwesenheitswahn" in Unternehmen, Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) würde gern zusätzlich die Wochenarbeitszeit reduzieren und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) arbeitet daran, ihren Soldaten und Soldatinnen bessere Teilzeitmöglichkeiten einzuräumen.

Aber bis die Vereinbarkeit von Familie und Job sowohl für Väter als auch für Mütter selbstverständlich wird, dauert es noch. Nicht nur in der Politik, auch in der Gesellschaft und in den Unternehmen müssen sich Konzepte und das Verständnis ändern - angefangen bei gleicher Bezahlung von Männern und Frauen. Dann erst können Kindererziehung und Familie keine primär finanzielle, sondern eine partnerschaftliche Entscheidung sein.

Doch trotz Anforderungsüberforderung, Rollenfindungsproblem und Belastung: Die Mehrheit ist mit Kind glücklicher.

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