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Neustart: Von der Grafikerin zur Surfshop-Besitzerin

Fernweh hatte Dagmar de Zwart schon als Teenager und daran hat sich nie etwas geändert. So kam es auch, dass die Grafikerin aus Münster inzwischen einen Surfshop auf Hawaii betreibt. Ihr Neustart.

Von Andrea Schaper

Dagmar de Zwart, 50

Dagmar de Zwart, 50

Mich haben ferne Länder immer fasziniert. Schon als Teenager eroberte ich mit dem Interrail-Pass ganz Europa. Je mehr Länder, desto besser. Nach dem Abitur habe ich als Grafikdesignerin in einer Werbeagentur in meiner Heimatstadt Münster gearbeitet. Aber im Urlaub musste es immer ins Ausland gehen. Ich fuhr nach Venezuela und lernte Bart kennen, meinen Mann, einen Holländer. Ich ließ meine Grafikerkarriere in Deutschland sausen und leitete mit Bart in Venezuela zwei Windsurf-Stationen. Mein Mann brachte den Leuten das Windsurfen bei, ich betreute die Gäste und machte die Reiseleitung. In Venezuela fielen wir "Blondies" auf wie Milka-Kühe in der Wüste, aber wir wurden akzeptiert, weil wir die Sprache beherrschten.

Das Wichtigste, das ich richtig gemacht habe? Mich nicht zu scheuen, einen Beruf auszuüben, den ich nicht gelernt habe

Unsere Tochter wurde 1998 während einer viermonatigen Stippvisite in Münster geboren, die ärztliche Versorgung in Deutschland war zu dem Zeitpunkt wesentlich besser als auf der venezolanischen Insel. Und wir wollten für Soleil einen deutschen Pass. Immer wieder hatte Bart gesagt, dass er einmal in seinem Leben um die Welt segeln wolle - er kommt aus einer Seglerfamilie. 2005 haben wir dann eine 14 Meter lange Segelyacht gekauft und sind drei Jahre um die Welt gesegelt. Die gesamte Reise war eine unglaubliche Erfahrung. Schwere Stürme, Strände, verschiedene Religionen, Kulturen, Sprachen - von allem etwas. Aber was nun? Wohin?

"So frei war mein Kopf in Deutschland nie"

Als Freunde einen Windsurfshop auf Maui verkaufen wollten, nutzten wir die Gelegenheit - wir waren schon einmal dort und kriegten Hawaii einfach nicht aus unseren Köpfen. Viele Freunde fragten: "Ihr segelt drei Jahre um die Welt und findet nichts Besseres?" Wir sind hier einfach sehr glücklich. Nach der Arbeit mal kurz ins Wasser springen, surfen oder stand-up-paddeln - das finden wir herrlich. So frei war mein Kopf in Deutschland nie. Hier ist es entspannter, nicht so umständlich, auch wenn uns der Surfshop sieben Tage die Woche beschäftigt. Mein Mann ist mittlerweile professioneller Stand-up-Paddler. Nun haben wir auch die Green Card, und damit ist Maui unser endgültiges Zuhause.

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