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Graphic Novel zum Weltfrauentag: Eine Afrikanerin zwischen Habgier und Intrigen

Aya wächst an der Elfenbeinküste auf und will Ärztin werden. Während um sie herum Geld, Sex und Betrug die Menschen beherrschen, verfolgt sie ihr Ziel. Doch das ist für sie als Frau nicht leicht.

Von Susanne Baller

Die kluge und zuverlässige Aya wird nicht nur von ihrer Familie, sondern auch von ihren Freunden um viele Gefallen gebeten. Doch dieses Mal reicht's.

Die kluge und zuverlässige Aya wird nicht nur von ihrer Familie, sondern auch von ihren Freunden um viele Gefallen gebeten. Doch dieses Mal reicht's.

Wir befinden uns an der afrikanischen Elfenbeinküste und es ist Ende der 1970er Jahre. Marguerite Abouet entführt uns in die Welt ihrer eigenen Vergangenheit: Die gebürtige Ivorerin hat sich von ihrer Kindheit in Abidjan und den Geschichten, die sie dort erlebt hat, zu der Graphic Novel "Aya" inspirieren lassen. Die 19-jährige Aya wächst, genau wie die Autorin, im Stadtteil Yopougon auf und möchte Ärztin werden. Neben Aya und ihrer Familie leben dort auch ihre besten Freunde sowie eine Reihe unterschiedlicher Menschen und einige schräge Halunken.

Der Zeichenstil des Illustrators Clément Oubrerie macht die Lektüre zu einer farbgewaltigen Reise. Bei "Aya: Leben in Yop City" handelt es sich bereits um den zweiten Band, in dem er Marguerite Abouets Geschichte die afrikanischen Muster und Farben sowie jedem Charakter eine ausgeprägte Erscheinung verleiht.

Ayas Freundin Bintou träumt vom Leben auf der Bühne

Ayas Freundin Bintou träumt vom Leben auf der Bühne

Die Geschichten aus Yop City haben das Zeug zu einer Seifenoper. Auf der Suche nach Glück, Geld, einem Job oder der großen Liebe begleiten wir die wichtigsten Personen in Ayas Leben: Bintou, die sich bei jedem Casting bewirbt, um ein Star zu werden. Adjoua, die ungewollt schwanger geworden ist, nun ihren Sohn Bobby großziehen muss und nur wenig Unterstützung von Mamadou erfährt, dem Vater des Kindes. Feli, der besten Freundin Ayas - und viele andere. Jede Figur hat mit Schicksalsschlägen zu kämpfen, Armut, Dummheit, Betrug oder einer schrecklichen Schwiegermutter.

Am Beispiel von Feli, deren Vater vier Frauen geheiratet, unzählige Kinder gezeugt, aber kein bisschen Geld in der Tasche hat, erzählt die Autorin, welches Schicksal afrikanische Mädchen erleiden können. Feli wird als kleines Kind von ihrem Vater verkauft und wächst zusammen mit Aya auf. Sie geht zur Schule und wird in der neuen Familie gut behandelt. Als ihr Vater rund 18 Jahre später erfährt, dass sie ein begehrtes Fotomodell ist, will er sie zurückholen. Er will ihr Geld und will sie erneut verkaufen - als Frau für einen alten Mann.

Felis Vater wittert eine Chance, ein zweites Mal Geld mit seiner Tochter machen zu können

Felis Vater wittert eine Chance, ein zweites Mal Geld mit seiner Tochter machen zu können

Aya, dank ihrer Wissbegier ein weltoffener Mensch, ist so etwas wie die moralische Instanz des Ortes. Sie weiß, wer wen mit wem betrügt und wen der Wunsch nach Reichtum zu welchen Handlungen oder Straftaten verleitet. Andererseits bleibt sie selbst nahezu unberührt von jeder menschlichen Schwäche. Um so härter trifft es sie, als ihr Biologieprofessor versucht, sie zu vergewaltigen. Sie kann zwar rechtzeitig entkommen, aber leidet unter den Konsequenzen: Solange sie dem Drängen des Professors nicht nachgibt, wird sie nie wieder eine gute Note schreiben. Für den Mann ist dieser Umgang mit den Studentinnen selbstverständlich.

Zusätzlich zu den berührenden Episoden hat Marguerite Abouet dem Buch einen "Ivorischen Bonustrack" angefügt. Er besteht aus einem Glossar, der die afrikanischen Wörter übersetzt, die immer wieder vorkommen. Er gewährt Einblick in die Vita der Autorin und die politische Situation an der Elfenbeinküste Anfang der 1980er Jahre. Abouet erläutert, welch große Bedeutung die Unterhaltungsshow "Super Star Station" für die ivorische Jugend hatte. Der Epilog wird mit einem "Serviceteil" gekrönt: afrikanischen Rezepten. Guten Appetit und viel Spaß beim Lesen!

"Aya: Leben in Yop City" erscheint bei Reprodukt. 376 Seiten, farbig, 17 x 24 cm, Hardcover, 39 Euro.

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