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Nach den Anschlägen: Wie rede ich mit meinen Kindern über die Gewalt?

Nach den Anschlägen der vergangenen Tage stellen sich viele Eltern die Frage, wie sie mit ihren Kindern darüber sprechen können. Denn auch wenn man sie am liebsten vor all dem Unglück bewahren würde – komplett von den Nachrichten fernhalten kann man Kinder nicht.

Ein Mädchen legt vor dem Olympia-Einkaufszentrum in München Blumen ab

Ein Mädchen legt vor dem Olympia-Einkaufszentrum in München Blumen ab: Wie soll man mit Kindern über Geschehnisse sprechen, die man selbst nicht versteht?

Der Anschlag in Nizza, die Attentate in Würzburg und Ansbach, die Gewalt in München: Die Welt scheint in den vergangenen Tagen nicht eine Sekunde stillzustehen. Eine furchtbare Nachricht reiht sich an die nächste. Es sind Nachrichten, die Angst machen. Nicht nur den Erwachsenen, sondern besonders den Kindern.

Sie bekommen oft nur Bruchstücke der Geschehnisse mit. Sie wissen und fühlen, dass etwas nicht stimmt, doch oft erhalten Kinder auf ihre Fragen keine Antworten. Wenn so unfassbare Dinge wie in Nizza oder München geschehen, stehen Eltern vor Fragen, auf die selbst keine Antwort wissen. Wie sollen sie dann ihren Kindern erklären, was passiert ist? Vor diesem Rätsel stehen in diesen Tagen viele Eltern.

Muss mein Kind das wirklich wissen?

Ob und wie man mit seinen Kindern über Nachrichten und Katastrophen spricht, hängt neben der persönlichen Entwicklung des Kindes auch stark vom Alter ab. Bei Kindern unter drei Jahren sollten die Attentate noch nicht thematisiert werden. Bei älteren Kindern ist es besonders wichtig, ihnen Raum für ihre Fragen zu geben. Auch Teenager sind oft verängstigt von den Geschehnissen. Sie informieren sich zwar schon selbst, doch auch mit ihnen sollte man über die Taten sprechen und versuchen, ihnen einen Teil ihrer Ängste zu nehmen.

Wenn Ihr Kind Fragen stellt, weichen Sie nicht aus

Auch wenn Sie Ihre Kinder am liebsten von schrecklichen Nachrichten fernhalten würden, das wird nicht funktionieren. Sie werden im Kindergarten oder in der Schule sicher etwas von der aktuellen Nachrichtenlage mitbekommen. Versuchen Sie, Ihrem Kind in einfachen Worten zu erklären, was passiert ist. Aber machen Sie deutlich, dass es sich nicht bedroht fühlen muss. Setzen Sie die Anschläge in Relation und betonen Sie, dass so etwas sehr selten passiert – auch wenn es Ihnen im Moment anders erscheint. Für Kinder ist es ungeheuer wichtig, sich in ihrem Zuhause und Alltag sicher zu fühlen.

Sagen Sie Ihrem Kind, dass Sie traurig sind. Aber die Kinder sollen nicht das Gefühl bekommen, dass die eigenen Eltern von der Situation überfordert sind. Auch wenn Sie selbst sich im Moment vielleicht unsicher fühlen – geben Sie dieses Gefühl nicht an Ihre Kinder weiter. Sätze wie "So etwas wird immer wieder passieren" oder "Man kann nirgendwo mehr sicher sein" sollten Sie in Gegenwart Ihrer Kinder vermeiden.

Bilder sind oft stärker als Worte – und gefährlicher

Kinder unter zehn Jahren können sich nicht von Bildern distanzieren. Sie begreifen oft noch nicht, dass die Fotos an einem entfernten Ort aufgenommen wurden. Die schrecklichen Fotos von Anschlägen und Katastrophen, die in den Nachrichten und im Internet zu sehen sind, sind aber auch für größere Kinder sehr verstörend. Es fällt ihnen schwer, sie einzuordnen. Versuchen Sie daher, Ihre Kinder von den Bildern fernzuhalten, soweit es in Ihrer Macht steht. Lassen Sie zum Beispiel nicht den ganzen Tag zu Hause die Fernsehnachrichten laufen. "Eltern sollten die Berichterstattung in jedem Falle zusammen mit ihren Kindern schauen und auf altersgerechte Formate achten", meint Mediencoach Kristin Langer von der Initiative "Schau hin!". Kindgerechte Nachrichten gibt es zum Beispiel bei "Logo".

Fragen Sie Ihre Kinder nach ihren Ängsten

Kinder schnappen an den unterschiedlichsten Orten Gespräche von Erwachsenen auf. Vielleicht haben sie dort etwas gehört, dass sie nicht ganz verstanden haben oder dass ihnen besonders viel Angst macht. Stellen Sie Ihrem Kind gezielte Fragen, statt einfach die Nachrichten zusammenzufassen. So ist die Gefahr geringer, das Kind mit Geschehnissen zu belasten, die ihm vielleicht vorher noch gar nicht bekannt waren.

Oft interessieren sich Kinder für Dinge, die Erwachsenen absurd vorkommen. Nehmen Sie ihre Fragen ernst und versuchen Sie, auf mögliche Ängste einzugehen.

Dürfen Sie Ihre Kinder zur Not belügen?

Kinder übertragen Geschehnisse aus den Nachrichten immer auf ihr eigenes Leben. Vielleicht werden sie fragen, ob so ein Angriff auch in ihrer Kita oder ihrer Schule passieren kann. Darf man dann lügen? Es ist eine schwierige Frage, die alle Eltern für sich selbst entscheiden müssen. Natürlich kann eine Aussage wie "Dir wird nichts passieren" im schlimmsten Fall zur Lüge werden, da wir unsere Kinder nicht vor allem beschützen können. Doch es ist ein Satz, der ängstliche Kinder beruhigen kann – und an den auch Eltern glauben müssen, um weiterleben zu können.

 

Weitere Tipps erhalten Eltern und Familien zum Beispiel auf den Seiten der Medieninitiative "Schau hin!".

vim

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