HOME

Entbindung im Hotel: Mutter bringt Baby mithilfe von Youtube-Tutorials allein zur Welt

Eigentlich hätte Tia Freeman bis zur Geburt noch einige Wochen Zeit gehabt – doch ihr Baby hatte andere Pläne und überraschte sie auf einem Langstreckenflug mit Wehen. In einem Hotelzimmer in einem fremden Land nahm sie die Geburt selbst in die Hand.

Die junge Mutter Tia Freeman mit ihrem kleinen Sohn im Arm

Die junge Mutter Tia Freeman mit ihrem kleinen Sohn im Arm

Es ist eine Geschichte, über die man gleichzeitig staunen und den Kopf schütteln kann. Denn was diese Mutter tat, ist sicher nicht für jeden nachvollziehbar. Es ist gleichzeitig aber auch bewundernswert, wie eigenwillig sie ihr Kind auf die Welt brachte.

Die US-Amerikanerin Tia Freeman stellte erst im dritten Trimester fest, dass sie schwanger war. Sie hatte die Pille genommen – eine Sorte, die ihre Periode unterdrückte. Das Ausbleiben ihrer Tage konnte somit kein Hinweis für sie sein. Doch irgendwo muss eine Pille versagt haben. Jedenfalls wurde der jungen Frau irgendwann klar: Sie erwartete ein Kind.

Tia bemerkte ihre Schwangerschaft erst spät

Das war keine hundertprozentig gute Nachricht für Tia. Sie hätte die Tatsache hartnäckig verdrängt und verleugnet, sagt sie, da ein Baby eigentlich noch nicht in ihre Lebensplanung passte. Deshalb sagte sie auch eine Reise nach Deutschland nicht ab, die sie schon lange geplant hatte. Dort wollte sie einen guten Freund besuchen.

Der Flug führte sie aus den USA zunächst nach Istanbul, wo sie für die Nacht ein Hotelzimmer gebucht hatte. Am nächsten Tag sollte es dann weiter nach Deutschland gehen. Doch bevor der Flieger in der Türkei landete, begann Tia, sich schlecht zu fühlen.

"Ich war mir nicht sicher, ob es am Lachs lag, den ich gegessen hatte, ob ich das Fliegen einfach nicht vertrug oder ob es tatsächlich schon so weit war", schrieb die werdende Mutter auf Twitter. "Aber aus dem Nichts bekam ich Bauchkrämpfe."

Eigentlich hätte sie noch einige Wochen Zeit gehabt bis zum prognostizierten Geburtstermin. Deshalb schob die Amerikanerin die Schmerzen auf eine Lebensmittelvergiftung. Sie beschloss, im Flieger noch etwas zu schlafen. "Schlaf ist die beste Medizin für alles, richtig?"

Sie verfluchte die langsame Zollabfertigung

Doch auch nach der Landung ging es Tia nicht besser. Unter Schmerzen beschloss sie, sich erst einmal im Hotel hinzulegen und dann weiterzusehen. "Ich war in einem fremden Land, niemand sprach Englisch, ich kannte die Notrufnummer nicht und hatte keine Ahnung, was ich tun sollte." Auf Twitter verfluchte sie die langsame Zollabfertigung in der Türkei, die sie mit heftigen Bauchkrämpfen abwarten musste, bevor sie endlich zum Hotel fahren konnte.

Dort angekommen war ihr irgendwann klar, was mit ihr los war. "Es gab keine andere Möglichkeit mehr: ich hatte Wehen. Zu dem Zeitpunkt konnte ich kaum noch auf meinen Beinen stehen."

Was nun? Tia war allein in ihrem Hotelzimmer, überfordert von der Situation und ratlos. Da kam ihr ein Geistesblitz: "Wie ein echter Millennial beschloss ich, bei Youtube nach Hilfe zu suchen." Sie klickte sich durch Tutorial-Videos und entschied sich für eine Wassergeburt. "Ich begann zu handeln und die Wanne volllaufen zu lassen. Ich nahm mir ein Handtuch, um draufzubeißen, und ein zweites, um ihn oder sie darin einzuwickeln", schrieb sie bei Twitter.

Die Schwangere setzte sich in die Hotel-Badewanne

Sie setzte sich in die Wanne und probierte einige Positionen aus, die Youtube empfahl. "Das Internet sagte, ich soll nicht pressen, bis die Wehen weniger als zwei Minuten auseinanderliegen. Ich hatte eine Stoppuhr auf meinem Handy, und sie waren schon bei einer Minute. So spät war ich dran", so Tia.

Sie musste nur wenige Male pressen, bis ihr kleiner Junge im Wasser zur Welt kam. Trotzdem waren die Schmerzen überwältigend. "Ich habe niemals zuvor solche Schmerzen erlebt. Ich dachte, ich werde auseinandergerissen. Wo war meine PDA?"

Tia staunte über sich selbst: "Es ist seltsam, wie fokussiert man ist, wenn das Adrenalin einen durchströmt. Ich bin gar nicht in Panik verfallen. Ich tat einfach, was ich zu tun hatte."

Sie durchtrennte die Nabelschnur mit einem sterilisierten Schnürsenkel und wickelte ihr Baby in ein sauberes Handtuch. Alles war gut gegangen, Mutter und Kind waren gesund.

Am Flughafen half man ihr weiter

Am nächsten Tag fuhr Tia mit dem Kleinen zurück zum Flughafen. "Ich wusste nicht, was nötig war, um mit meinem Baby das Land zu verlassen und ich dachte, der beste Ort, um das zu erfragen, ist der Flughafen." Nachdem sie den Mitarbeitern dort klargemacht hatte, dass es sich hier nicht um Menschenhandel handelte, brachte man sie in Kontakt mit der US-Botschaft, wo man Tia alle nötigen Papiere besorgte.

Sie beschloss aber, sich noch ein paar Tage Ruhe in Istanbul zu gönnen. Ihr Freund, den sie in Deutschland besuchen wollte, kam stattdessen zu ihr und konnte gar nicht fassen, wie tough und eigenständig Tia mit der Geburt umgegangen war.

Wer jetzt denkt, dass man auf Hebammen und Ärzte verzichten kann, weil es das Internet gibt: Wenn Sie die Wahl haben, verlassen Sie sich auf Erstere. Tia hatte Glück, dass nichts schiefging. Zudem war ihr Baby noch relativ klein. Ohne jede Erfahrung kann eine einsame Geburt aber leider auch anders enden.

"IAPBP"-Fotowettbewerb: Diese Bilder zeigen die Schönheit der Geburt
wt
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity