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Muttertag 2020 Wo kommt der Muttertag eigentlich her? Haben ihn wirklich die Nationalsozialisten erfunden?

Sehen Sie im Video: Haben die Nationalsozialisten den Muttertag erfunden?




Ein Gerücht besagt, dass die Nationalsozialisten den Muttertag, der immer am zweiten Sonntag im Mai ist, erfunden haben. Die Nazis erklärten den Tag zwar zum offiziellen Feiertag und missbrauchten ihn zu Propagandazwecken. Erfunden haben sie ihn aber keineswegs. Die Verehrung mütterlicher Tugenden geht bis in die Antike zurück. Bei ihren Frühlingsfesten huldigten die alten Griechen zum Beispiel Rhea, der Göttin der Erde und der Fruchtbarkeit. Der Muttertag in seiner modernen Form aber entstand in den Vereinigten Staaten, wo die Dichterin und Frauenrechtlerin Julia Ward Howe 1870 angesichts von Krieg und Sklaverei einen «Muttertag des Friedens» forderte. Auf Wunsch des Kongresses führte 1914 dann US-Präsident Woodrow Wilson den zweiten Sonntag im Mai als nationalen Ehrentag ein. Bald darauf gelangte die Idee nach Europa - zunächst nach England, Skandinavien und in die Schweiz. In Deutschland gab es den ersten Muttertag am 13. Mai 1923 - initiiert jedoch aus rein kommerziellen Interessen vom «Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber». Die Nationalsozialisten erklärten den Tag 1934 schließlich zum nationalen Fest, stellten ihn in den Dienst ihrer Propaganda und reduzierten die Rolle der Frau auf ihre Gebärfähigkeit.
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Deutsche Floristen haben den Muttertag gefördert – eine Erfindung der Nazis ist er aber nicht. Die Wurzeln des Muttertags reichen viel weiter zurück, wie die stern-Infografik zeigt.

Anders als häufig kolportiert wird, ist der Muttertag keine Erfindung der Nazis. Zwar nutzten diese ihn (wie vieles andere) für ihre ideologische Propaganda, indem sie im Mai die gebärfreudige arische Frau ehrten, aber die Wurzeln des Tages reichen bis ins mittelalterliche England zurück. Dort hatte König Heinrich III im 13. Jahrhundert den "Mothering Day" eingeführt.

Wann ist Muttertag? 

Nachdem die Tradition zwischendurch jahrhundertelang eingeschlafen war, lebte sie in den USA des frühen 20. Jahrhunderts auf Initiative der Amerikanerin Anna Jarvis wieder auf. Von dort schaffte es der Tag zurück über den Atlantik nach Europa und wurde schließlich auch in Deutschland zu einer festen Institution. Der Muttertag fällt hierzulande immer auf den zweiten Sonntag im Mai. Ein Feiertag ist er übrigens nicht - um mit einem zweiten Gerücht aufzuräumen. 

Eine detaillierte Historie finden Sie in der untenstehenden Infografik, einen Kurzabriss hier: 

  • 1907: Am zweiten Maisonntag lädt die US-Amerikanerin Anna Jarvis Freunde in ihr Haus ein, um ihrer zwei Jahre zuvor verstorbenen Mutter zu gedenken. Sie kommt auf die Idee, einen Ehrentag für alle Mütter zu etablieren.
  • 1908 wird der „Mother’s Day“ erstmals mit einem Gottesdienst  begangen.
  • 1914: US-Präsident Wilson erklärt den Muttertag zum Feiertag und legt den zweiten Sonntag im Mai als Datum fest. 
  • 1922: Während der Weimarer Republik propagiert der „Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber“ den Muttertag. 
  • 1923: Der Muttertag wird im Deutschen Reich eingeführt. 
  • 1933: Die Nationalsozialisten machen den Tag zum Feiertag. Sie nutzen ihn für ihre Ideologie.
  • 1949: Der Muttertag ist in Deutschland kein gesetzlicher Feiertag mehr. In der Bundesrepublik wird er aber wieder begangen. In der DDR feiert man den internationalen Frauentag am 8. März.

 

Die stern-Infografik aus der Reihe "Sehen und Verstehen" erklärt, wo der Muttertag herkommt und wie er sich entwickelte.
Die stern-Infografik aus der Reihe "Sehen und Verstehen" erklärt, wo der Muttertag herkommt und wie er sich entwickelte.
© stern Infografik

Fun Facts zum Muttertag 

In der Muttertagswoche setzen die deutschen Blumenhändler ungefähr doppelt so viel um wie in einer normalen Woche: 120 Millionen Euro.

Für die Mehrheit der Deutschen gilt: Wer noch eine Mutter hat, schenkt ihr etwas zum Ehrentag. Meist sind es Blumen.

rös

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