VG-Wort Pixel

Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht Für wen und warum sie wichtig sind

Auf Nummer sicher gehen: Wer eine Patientenverfügung ausfüllt, bestimmt selbst, welche Maßnahmen bei schwerer Pflegebedürftigkeit ergriffen werden dürfen
Auf Nummer sicher gehen: Wer eine Patientenverfügung ausfüllt, bestimmt selbst, welche Maßnahmen bei schwerer Pflegebedürftigkeit ergriffen werden dürfen
© Colourbox
Ein Muss für den Fall der Fälle: Wer verhindern will, bei schwerer Pflegebedürftigkeit über einen langen Zeitraum künstlich am Leben erhalten zu werden, braucht eine Patientenverfügung.
Von Bernhard F. Klinger

Lebenserhaltung ohne Wenn und Aber ist in den Zeiten der Apparate-Medizin höchst umstritten. Immer mehr Menschen fürchten sich vor jahrelangem Wachkoma, künstlicher Ernährung per Magensonde, automatischer Beatmung, schwerer Pflegebedürftigkeit, Multimorbidität (mehrere Krankheiten) und extremem Leiden ohne Aussicht auf Besserung. Wer solche Lebensumstände für sich selbst ausschließen will, muss eine Patientenverfügung schreiben, sonst ist die bedingungslose Lebenserhaltung nicht zu beenden.

Bei einer Patientenverfügung handelt es sich um ein Dokument, das sich an einen heute möglicherweise noch nicht bekannten Arzt der Zukunft richtet und ihm die individuellen Behandlungswünsche einer Person mitteilt. Der Arzt kann sich über die per Patientenverfügung geäußerten Wünsche nicht hinwegsetzen. Geht es um Leben oder Tod, entscheiden Ärzte in enger Abstimmung mit den Angehörigen, einem Bevollmächtigten oder Betreuer sowie dem zuständigen Gericht.

Manche Menschen wollen für den Fall der eigenen "Einwilligungsunfähigkeit" bestimmen, wie, wo, von wem und mit was sie behandelt werden. Behandlung à la carte: Arzt A, Klinik B, Pflegeheim C, Medikament D, Operation E, keine Mondtherapie F.

Was nach persönlicher Willkür klingt, kann aus rein medizinischen Gründen sehr sinnvoll sein. Ein bereits über Jahre bewährter Arzt kennt seinen "Patientenheimer", und eine nach langer Suche gefundene Medikation ist aller Voraussicht nach auch in einer Notsituation der Zukunft die optimale. Wer mit einer Volkskrankheit – Stichwort Diabetes – zu kämpfen hat, kann vorschreiben, dass im Fall der Fälle – Operation, Unfall, Koma ein bereits konsultierter Facharzt des Vertrauens einzuschalten ist, der die im Einzelfall angezeigte Dosierung eines bewährten Mittels kennt.

Vorsorgevollmacht: Alternative zur Betreuung

Die Vorstellung, später einmal von einer fremden, vom Gericht bestellten Person betreut zu werden, jagt vielen Menschen den Angstschweiß auf die Stirn. Wer weder mit dem Betreuungsgericht, noch mit einem Betreuer zu tun haben will, sollte eine Vorsorgevollmacht schreiben. Für eine erkrankte Person, die ihre Angelegenheiten nicht mehr regeln kann, entscheidet dann nicht ein vom Gericht bestellter Betreuer, sondern eine bevollmächtigte Vertrauensperson. An eine Vorsorgevollmacht sollte man insbesondere auch vor einer sich abzeichnenden Verschlechterung einer schweren Erkrankung oder vor einer riskanten Operation mit unsicherem Ausgang denken.

Große Bedeutung hat die Vorsorgevollmacht für die wachsende Zahl alleinstehender Menschen, die sich nicht mehr auf eine sorgende und helfende Verwandtschaft verlassen kann und will. Wer kein Vertrauen in die eigenen Verwandten hat – etwa weil hier Raffzähne versammelt sind oder die entfernten Verwandten schlichtweg unbekannt sind, sollte eine Vertrauensperson fragen, ob sie im Fall der Fälle mit einer Vorsorgevollmacht in wichtigen Dingen Verantwortung übernehmen kann und will.

Ausführliche Informationen rund um das Thema Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuung finden Sie hier.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker