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Tierschutz Europäisches Parlament unterstützt mit überwältigender Mehrheit das Verbot von Käfighaltung

Hühner im Käfig
Käfighaltung soll verboten werden
© comzeal / Getty Images
Nun soll Schluss sein: Das Europäische Parlament will der Käfighaltung von Tieren ein Ende bereiten. Es reagiert damit auf eine Bürgerinitiative von 2018, die in mindestens 18 Mitgliedsstaaten rund 1,4 Millionen Unterstützer fand.

Der Impuls kam aus dem Volk: Im September 2018 startete eine Europäische Bürgerinitiative, die sich für Tierschutz einsetzt und mit diesem Ansatz mindestens 18 Mitgliedsstaaten des Europäischen Parlaments gewinnen konnte und 1,4 Millionen Unterschriften sammelte. Das Nachrichtenportal "Euronews" sprach mit Olga Kikou, Vorsitzende von "Mitgefühl für Welt-Landwirtschaft" und eine der Bürger:innen, die die Petition "End the Cage Age" ins Leben rief. Sie erklärte, dass manche Tiere ihren Käfig ihr Leben lang nicht verlassen: "Wir haben errechnet, und das ist eine konservative Schätzung, dass jährlich mehr als 300 Millionen Tiere, Nutztiere in Europa, fast ihr ganzes oder gar ihr gesamtes Leben im Käfig verbringen."

Landwirte und Erzeuger verfolgen die Debatte mit Interesse, aber auch mit Sorge. Sollte ein Verbot ausgesprochen werden, müsste eine Untersuchung der Entwicklung landwirtschaftlicher Betriebe erfolgen, die laut Pekka Pesonen, Generalsekretär der Copa Cogeca, des Zusammenschlusses der beiden großen landwirtschaftlichen Dachorganisationen in der Europäischen Union, der die Industrie vertritt, Millionen kosten könnte.

"Wir sprechen von Großinvestitionen"

"Diese Investitionen können leicht in die Hunderttausende, wenn nicht Millionen Euro gehen ... wir sprechen über Großinvestitionen, sodass man nicht einfach entscheiden kann, wie es weitergehen soll. Es ist vielmehr der Bankdirektor, der hier das Sagen hat, was man machen kann und was nicht", erklärte Pesonen "Euronews". Copa Cogeca will mit den europäischen Institutionen zusammenarbeiten, doch noch fehlen Antworten auf alle Fragen – inklusive der Dauer der Übergangszeit oder der Höhe von finanziellen Hilfen, die gebraucht würden.

Zudem müsse die Tatsache in Betracht gezogen werden, dass der Antrag zu wenig konkret sei und die großen Unterschiede der Produktion innerhalb der Industrie nicht berücksichtige. "In Südeuropa sind wahrscheinlich andere Dinge möglich als in Nordeuropa. In meinem Heimatland Finnland herrschen bis zu minus 30 Grad. Damit ist klar, dass Tiere in Ställen leben müssen, schon um sie vor den Elementen zu schützen. Diese strukturellen Gegebenheiten und spezifischen Bedingungen fehlen bei der Initiative komplett", kritisierte Pesonen. Der Wegfall von Käfigen im Landwirtschaftsbereich könnte überdies die Herstellungskosten erhöhen.

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Olga Kikou und andere Tierschützer sagen jedoch, die Initiative sei Teil der Kommissionsstrategie "Farm to Fork", deren Ziel die Reduzierung von Umwelt- und Klimabelastungen in der Produktion sei. "Durch das Abrücken von der Käfighaltung hoffen wir, zu einer nachhaltigeren Tierhaltung zu gelangen. Wir sind überzeugt davon, dass dieser Punkt Teil der Strategie ist, der die Kommission zugestimmt hat", erklärte sie "Euronews". Eine Abstimmung der Mitglieder des Europäischen Parlaments forderte eine Bewertungsstudie, die eine mögliche Übergangszeit planen und deren Umsetzung bis 2027 stattfinden soll.

Quelle:"Euronews"

bal

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